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Pharmaindustrie: Preiskungelei zwischen Bayer und Apotheken?

Der Bayer-Konzern steht im Verdacht, mehr als 11.000 Apotheken dafür bezahlt zu haben, den Preis für Aspirin hoch zu halten. Das berichtet der stern. Sollte dieser Verdacht zutreffen, könnte das erklären, warum der Aspirin-Preis in vielen Apotheken nahezu identisch ist.

Laut internen Dokumenten, die von Bayer Vital, dem Teil des Bayer-Konzerns, der für den Vertrieb rezeptfreier Arzneimittel zuständig ist, stammen, hat der Pharmakonzern den Apotheken in Deutschland einen Sonderrabatt in Höhe von bis zu drei Prozent eingeräumt, wenn sie sich dazu verpflichten, die Preise für Aspirin und andere rezeptfreie Bayer-Medikamente maximal vier Wochen lang um maximal 20 Prozent zu senken.

Die nun aufgetauchte E-Mail könnte erklären, warum mehr als 90 Prozent aller Apotheken offenbar bis auf den Cent genau den gleichen Preis für Aspirin verlangen (derzeit 4,97 Euro für 20 Tabletten). Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls ein im vergangenen Jahr von den Verbraucherzentralen durchgeführter "Apothekencheck". Das Ergebnis: Von den 343 untersuchten Apotheken war in 91 Prozent der Preis für Aspirin bis auf den Cent identisch. Die Bayer-Dokumente könnten zu einem der teuersten Kartellverfahren der Bundesrepublik mit millionenschweren Geldbußen führen.

"Als nicht verantwortbar betrachten wir Preisaktionen mit Dauerniedrigpreisen oder mit Zeiträumen, die vier Wochen überschreiten", heißt es in einer E-Mail eines Bayer-Managers an die Apotheken-Außendienstler vom 30. Dezember 2006. "Nur unter Einhaltung dieser Spielregeln", so schreibt der Bayer-Manager, könne den Apothekern ein besonderer Rabatt in Höhe von bis zu drei Prozent gewährt werden.

Bayer selbst erklärte in einer Stellungnahme per Fax gegenüber dem stern: "Absprachen zwischen Bayer Vital und den Apothekern erfolgen nicht." Der Konzern dementiert die E-Mail zwar nicht, wollte eine konkrete Frage nach den dort skizzierten Konditionen aber nicht beantworten.

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