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Preiskampf bei Lebensmitteln Der Krieg der Discounter


Der Preiskampf der Discounter ist knallhart. Was die Verbraucher freut, setzt die Branche unter Druck. Aldi und Co. haben ihre besten Zeiten hinter sich.
Von Axel Hildebrand und Sönke Wiese

Wer in diesen Tagen zum Milchreis in der 500-Gramm-Packung greift, danach eine Scheibe Gouda, 45 prozentiger Fettanteil, isst und die Mahlzeit mit einem Fruchtsahnejoghurt mit Pfirsich-Maracuja-Stückchen abschließt, ernährt sich kalorienreich, aber sparsam. Sehr sparsam sogar.

Denn vergleicht man die aktuellen Preise beim Discounter, mit denen vom Oktober 2008, zeigen sich die enormen Abstürze. Milchreis: Minus 23,7 Prozent. Gouda: Minus 20,1 Prozent. Und der Fruchtjoghurt: Minus 13,8 Prozent.

Egal ob Joghurt, Käse, Fleisch, Pommes oder Reis: Aldi als führender Billiganbieter hat zum zehnten Mal in diesem Jahr bei Lebensmitteln den Rotstift angesetzt. 30 Artikel sind in dieser Woche auf einen Schlag billiger geworden. Wie üblich, zogen die Konkurrenten umgehend nach. Netto verbilligte 30 Artikel, Penny reduzierte bei über 50 Artikeln die Preise. Auch Lidl reagierte.

Erbitterter Discounter-Kampf

Der Preiskampf wirft ein Schlaglicht auf einen erbitterten Kampf zwischen den Discountern. Wie selten zuvor wird der Markt durcheinander gewürfelt. Es geht um die Frage, wo der Deutsche mit seinem Einkaufszettel hingeht - und Aldi kämpft in diesem Spiel über den Preis.

Es ist immer wieder das gleiche Spiel, bei dem meistens der Marktführer den Takt vorgibt. "Aldi will sich stets als Preisführer positionieren. Aber weil alle anderen mitziehen, führt diese Preispolitik nicht zu den gewünschten Erfolgen", sagt Marco Atzberger vom Kölner EHI-Institut, das den Einzelhandel erforscht. Und so versucht Aldi weiterhin, die Schmerzgrenze der Konkurrenten zu erreichen.

Denn der erfolgsverwöhnte Branchenprimus steht unter Druck. Jahrzehntelang waren die Albrecht-Brüder die unbestrittenen Discounterkönige Deutschlands. Doch dann kam erst der Aufstieg Lidls, und nun etabliert sich ein weiterer starker Konkurrent. Netto ist mit der Übernahme von Plus Ende vergangenen Jahres zur Spitze aufgeschlossen, hat sogar mehr Filialen als Lidl. "Aus dem Zweikampf zwischen Aldi und Lidl ist ein Dreikampf geworden", sagt Atzberger.

Aldi ist unter Druck

Und die Geschäfte laufen derzeit besonders für Aldi schlecht: Im ersten Halbjahr 2009 brachen die Umsätze laut Gesellschaft für Konsumforschung um 4,1 Prozent ein, bei Lidl nur um 0,7 Prozent. Der Konkurrent sei eindeutig in der stärkeren Position, meint Einzelhandelsexperte Atzberger.

Ein weiteres Problem zeichnet sich für Aldi ab: Das Segment der Billiganbieter scheint vorerst gesättigt. "In der Krise konnten die Discounter in Deutschland nicht so stark Marktanteile hinzugewinnen, wie man erwartet hatte", sagt Atzberger. Insgesamt nur noch minimales Wachstum registriert die Branche.

Wachstum heißt Verdrängung

Der Grund: Supermärkte wie Rewe oder Edeka haben eine erfolgreiche Strategie gegen die Discounter gefunden. Zum einen bieten sie immer mehr Eigenmarken an, die genauso günstig sind wie die Produkte bei Aldi, Lidl & Co. Zum anderen fahren sie große Werbekampagnen, in denen sie ihr großes Sortiment zum Beispiel mit einem umfangreichen Obst- und Gemüseangebot in Szene setzen. Eine klare Positionierung gegen die Billig-Anbieter.

Während die großen Einzelhandelskonzerne dem rasanten Aufstieg der Discounter lange Zeit nichts entgegenzusetzen hatten, habe diese Doppel-Strategie zunehmenden Erfolg, sagt Einzelhandelsexperte Atzberger.

Das bedeutet: In dem Discountersegment ist Wachstum nur noch über Verdrängungswettbewerb zu erreichen. Und solange Aldi auf keine andere Strategie als den Preiskrieg kommt, dürfen sich die Verbraucher freuen.


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