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Russland: Auftragsmörder killen Zentralbank-Vize

In Moskau haben Auftragsmörder den obersten Bankenaufseher des Landes, Andrej Koslow, erschossen. Dieser war besonders hart gegen Kleinbanken vorgegangen, die Mafia-Gelder gewaschen hatten.

Der Vizedirektor der russischen Zentralbank hat allem Anschein nach seinen Kampf gegen das organisierte Verbrechen mit dem Leben bezahlt. Der als unerbittlicher Kämpfer gegen Betrug und Geldwäsche im Finanzwesen geltende Andrej Koslow (41) starb am Donnerstag in einem Krankenhaus der russischen Hauptstadt. Ermittler vermuteten die Hintermänner in der Finanzwelt. Koslow hatte Dutzenden russischen Kleinbanken die Lizenz wegen dubioser Geschäftspraktiken entzogen.

Killer warfen Pistolen weg

Der dreifache Familienvater wollte am Mittwochabend nach einem Fußballspiel heimfahren, als ihm vermutlich zwei Täter auf einem Parkplatz auflauerten. Koslow wurde von mehreren Kugeln in Kopf und Bauch getroffen. Sein Fahrer, der zugleich sein Leibwächter war, starb noch am Tatort. Die Polizei fand in der Nähe zwei weggeworfene Pistolen.

Koslow habe sich durch die Reformierung des Bankenwesens viele Feinde geschaffen, sagte der frühere Zentralbankvorsitzende Viktor Geraschtschenko nach Angaben der Agentur Interfax. "Koslow ging besonders hart gegen jene Strukturen vor, die mit Bilanzfälschungen in Moskau jährlich Dutzende von Milliarden Dollar einstreichen", sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheitspolitik in der Staatsduma, Michail Grischankow.

Unehrliche Bankiers hatten keine Chance

Demnach kam Koslow seiner Verpflichtung zur Bankenaufsicht voll und ganz nach und initiierte ein ehrgeiziges Aktionsprogramm gegen Geldwäsche und Kriminalität im Bankenwesen. Ferner führte er Sicherheitsgarantien für private Geldeinlagen ein, um nach mehreren Bankenskandalen der späten 90er Jahre das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen. Koslow habe wiederholt unehrlichen Bankiers das Handwerk gelegt, zitierte die Nachrichtenagentur ITAR-Tass Finanzminister Alexej Kudrin.

Er lobte den Ermordeten als sehr mutig und ehrlich. Dieser Bewertung schlossen sich zahlreiche prominente Vertreter aus Politik und Wirtschaft an. Bei einer vom Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung sprach Ministerpräsident Michail Fradkow der Familie Koslows sein Beileid aus, anschließend verharrten die Regierungsmitglieder in einer Schweigeminute. Mehrere Politiker und Unternehmer äußerten die Befürchtung, dass mit der Ermordung Koslows ein Rückfall in die blutige jüngste Vergangenheit drohe. In den Wirren der umstrittenen russischen Privatisierungswelle waren in den 1990er Jahren Dutzende Unternehmer, Spitzenbeamte und Politiker Auftragsmördern zum Opfer gefallen.

DPA / DPA
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