HOME

Schadenersatz: 253,4 Millionen Dollar Witwengeld

Der US-Pharmakonzern Merck soll der Witwe eines Vioxx-Patienten 253,4 Millionen Dollar zahlen. Ein Gericht in Texas urteilte, das Schmerz- und Arthritis-Medikament Vioxx habe den Tod ihres 59-jährigen Ehemanns verursacht.

Obwohl die der Klägerin zugesprochene Summe drastisch reduziert werden dürfte, könnte sich der Präzedenzfall für Merck verheerend auswirken: Vioxx wurde Millionen Patienten weltweit verschrieben, bis Merck das Medikament vor knapp einem Jahr vom Markt nahm. Der Konzern will Berufung gegen das Urteil einlegen. Die Klägerin Carol Ernst brach bei der Urteilsverlesung in Tränen aus. Ihre Anwälte sprangen auf und umarmten sich. Die der Witwe zugesprochene Summe dürfte auf rund 26 Millionen Dollar (21 Millionen reduziert werden, weil Strafzahlungen nach texanischem Recht einen bestimmten Betrag nicht überschreiten dürfen.

Verluste an der Börse

Dennoch fiel der Kurs der Merck-Aktien an der Wall Street um 7,7 Prozent auf 28,06 Dollar pro Aktie. Merck hatte Vioxx im September 2004 vom Markt genommen, weil eine Langzeitstudie ergab, dass das Medikament das Risiko eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts steigern könne. Der Ehemann der Klägerin, Robert Ernst, war an Herzrhythmusstörungen gestorben. Das Verfahren drehte sich hauptsächlich um die Frage, was diese Störung auslöste. Merck argumentierte, Ernsts nachweislich verstopfte Arterien hätten seinen Tod herbeigeführt. Dagegen erklärte die zuständige Gerichtsmedizinerin Maria Araneta, wahrscheinlich habe ein Blutgerinnsel einen Herzinfarkt ausgelöst, der wiederum die Rhythmusstörung verursacht habe. Zwar habe sie bei der Obduktion des Leichnams weder das Gerinnsel noch den Herzinfarkt nachweisen können, eine Herzrhythmusstörung trete aber niemals spontan auf, sagte Araneta.

Tausende von Nachfolgeprozessen

Zehn der zwölf Geschworenen folgten dieser Argumentation. Merck zeigte sich von ihrem Urteil enttäuscht. Es gebe keine wissenschaftlichen Beweise, dass Vioxx Herzrhythmusstörungen auslöse, sagte der Anwalt des Konzerns, Jonathan Skidmore. Er kündigte Berufung gegen das Urteil an. Allein in den USA sind wegen Vioxx 4.200 Verfahren anhängig, weitere in Kanada, Europa, Brasilien, Australien und Israel. Der Berliner Anwalt Andreas Schulz will im Namen von 756 Geschädigten aus Deutschland Merck in den USA auf Schadenersatz verklagen.

AP

Themen in diesem Artikel