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Schulden-Showdown: Was passiert, wenn die USA pleitegehen?

Nur wenige Stunden bleiben: Wenn sich Demokraten und Republikaner nicht bis Mitternacht einigen, steht die größte Volkswirtschaft der Welt vor der Pleite. Die Folgen wären verheerend - auch für uns.

Von Daniel Bakir

Von außen betrachtet ist es ein bizarres Schauspiel, was das mächtigste Land der Erde aufführt. Seit Wochen ringen Demokraten und Republikaner darum, die Schuldengrenze anzuheben, um den Bankrott ihres Staates zu verhindern. Doch weil bisher alle Kompromissversuche scheiterten, stehen die USA nun vor dem Abgrund. Wenn bis Mitternacht (Donnerstag, 6 Uhr unserer Zeit) keine Einigung da ist, könnte die führende Wirtschaftsnation schon am nächsten Tag Pleite sein. Eine Katastrophe, nicht nur für das Land selbst, sondern auch für die Weltwirtschaft.

Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Warum droht den USA die Pleite?

In den USA gibt es eine gesetzlich festgelegte Schuldenobergrenze. Dies ist die maximale Summe, bis zu der sich die amerikanische Regierung Geld leihen darf, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen. Dazu gehören Sozial- und Gesundheitsausgaben ebenso wie die Gehälter von Soldaten sowie Zinszahlungen an die Besitzer von US-Staatsanleihen. Diese Schuldengrenze ist nun erreicht.

Warum können sich die Parteien nicht einigen?

Dass die US-Regierung an die Schuldengrenze stößt, ist nicht ungewöhnlich. Da der Staat mehr Geld ausgibt als einnimmt, passiert das alle paar Jahre. Bisher gab es immer rechtzeitig einen Kompromiss zur Erhöhung des Limits. Diesmal aber nimmt die republikanische Tea-Party-Bewegung die nötige Erhöhung, sowie den ebenfalls zur Verabschiedung anstehenden Haushalt, zum Anlass für eine politische Eskalation. Die Tea-Party-Anhänger wollen, dass Präsident Barack Obama seine Gesundheitsreform zurücknimmt oder zumindest ändert. "Obamacare" ist das wichtigste innenpolitische Projekt des Präsidenten, weshalb dieser unnachgiebig bleibt.

Was passiert nach Mitternacht?

Die USA können dann keine weiteren Schulden aufnehmen. Es bleiben rund 30 Milliarden Dollar, die noch in der Kasse von Finanzminister Jack Lew liegen. Das Geld kann nun theoretisch jeden Tag ausgehen, weil die täglichen Ausgaben schwanken. Spätestens am 1. November wäre es soweit, weil dann allein für Sozialausgaben und Soldatensold 58 Milliarden fällig werden.

Was sind die Folgen für uns?

Bislang glauben die Finanzmärkte noch, dass sich die Beteiligten irgendwie einigen werden. Die Ratingagentur Fitch hat allerdings bereits mit einer Herabstufung gedroht. Sollte das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit der USA schwinden, wären die Folgen für das Finanzsystem enorm. Weltweit müssten Besitzer von US-Staatsanleihen um ihr Geld fürchten. Die größten Gläubiger sind China und Japan, in Deutschland stehen die USA mit 56 Milliarden Dollar in der Kreide. Der US-Dollar ist als Reservewährung so etwas wie das Rückgrat der Weltwirtschaft. Sollte dieser Nimbus wegfallen, könnte es zu einer Weltwirtschaftskrise kommen.

Wie kann die Pleite abgewendet werden?

Es liegt ganz in der Hand der Amerikaner. Die zerstrittenen Parteien müssen sich einigen. Andernfalls bleiben nur noch zweifelhafte Tricks: So könnte der Finanzminister eine Platinmünze im Wert von einer Billion Dollar prägen und sie bei der Notenbank einreichen. Ein Schlupfloch im Münzrecht soll ihm das Recht dazu geben. Alternativ könnte Barack Obama die Schuldengrenze einfach per Präsidentenerlass anheben. Die rechtliche Legitimität dessen dürfte allerdings angezweifelt werden.

mit Agenturen
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