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Siemens: Millionen-Deal muss verschoben werden

Die Schmiergeld-Affäre bei Siemens hat erste Auswirkungen auf die Geschäfte des Konzerns. Ein gemeinsames Projekt mit Handy-Riese Nokia muss verschoben werden. Der Vorstand gerät damit noch mehr unter Druck.

Wegen der Schwarzgeldaffäre bei Siemens verzögert sich das geplante Gemeinschaftsunternehmen des Konzerns mit Nokia. "Nokia Siemens Networks wird voraussichtlich nun im ersten Quartal 2007 die Geschäfte starten - anstatt Januar 2007 wie bislang erwartet", teilten beide Konzerne am Donnerstag mit. Vor Abschluss der Transaktion werde Siemens eine Überprüfung seiner internen Geschäftspraktiken (compliance) vornehmen, an der sich auch Nokia aktiv beteiligen werde. Beim Aufbau ihres gemeinsamen Telefonnetz-Unternehmens hätten die Partner gute Fortschritte gemacht.

Um Siemens Zeit für die Aufklärung der Vorwürfe zu geben, sei der Start verschoben worden, hieß es. "Nokia will wie wir, dass das Joint Venture unbelastet an den Start geht", sagte eine Siemens-Sprecherin. Nokia will die Aufklärungsarbeit aktiv begleiten. Im Fall Siemens geht es um zweifelhafte Zahlungen von 420 Millionen Euro. Betroffen soll davon vor allem die frühere Telekomsparte Com sein.

Finanzielle Auswirkungen unklar

Zu möglichen finanziellen Auswirkungen machte Siemens keine Angaben. Bei Nokia war vorerst niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Nokia und Siemens hatten im Juni die Verschmelzung ihrer Telekomausrüster-Sparten bekannt gegeben. Sie reagieren damit auf den harten Kostendruck in dem Bereich, der auch andere Gesellschaften zu Fusionen und Übernahmen gedrängt hat. Nokia hatte kürzlich seine Prognose für das kommende Geschäftsjahr senken müssen, da der neu gestalteten Netzwerkbereich Nokia Siemens Networks geringere Margen ausweisen werde.

An dem Gemeinschaftsunternehmen sind Nokia und Siemens zu gleichen Teilen beteiligt, allerdings kommt den Finnen Führungsrolle zu. Das neue Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Helsinki, auch Vorstandschef Simon Beresford-Wylie kommt von Nokia. Das neue Gemeinschaftsunternehmen will vor allem beim Zusammenwachsen von Festnetz und Mobiltelefonie eine führende Rolle spielen.

Ermittlungen gegen ein Dutzend Beschuldigte

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen ein Dutzend Beschuldigte, die 200 Millionen Euro veruntreut und über Auslandskonten als Schmiergeld eingesetzt haben sollen. Im Zuge der Ermittlungen wurde der ehemalige Siemens-Zentralvorstand Thomas Ganswindt verhaftet. Siemens hat externe Prüfer beauftragt, die Anti-Korruptionsmechanismen im Konzern zu überprüfen und nimmt derzeit dubiose Zahlungen über 420 Millionen Euro unter die Lupe. Das Unternehmen korrigierte seinen Jahresgewinn für das vergangene Jahr wegen der fraglichen Überweisungen um 73 Millionen Euro nach unten.

Reuters/DPA / DPA / Reuters