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Stimmungsaufschwung: Deutsche verspüren "neue Konsumlust"

Die Verbraucher scheinen ihre Konsum-Unlust allmählich zu überwinden. Allerdings rechnen Experten trotz der guten wirtschaftlichen Perspektive nicht mit einer wirklichen Job-Wende.

Zum Jahresende mehren sich die guten Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft. Industrie und Mittelstand gehen optimistisch ins neue Jahr, die führenden Institute erwarten ein "konjunkturelles Zwischenhoch", und zu guter Letzt scheinen auch die Verbraucher ihre Konsum-Unlust allmählich zu überwinden. "So gut wie seit langem nicht mehr" sei die Verbraucherstimmung im Dezember gewesen, meldet das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK und spricht bereits von der "neuen Konsumlust".

"Das alte Jahr endet versöhnlich", so GfK-Experte Rolf Bürkl. Er sieht die Bildung der großen Koalition als mitentscheidend für den Stimmungsaufschwung an. Die Verbraucher glauben an die Durchsetzungskraft der Regierung. Auch wenn Beschlüsse wie die Erhöhung der Mehrwertsteuer ab 2007 und die Senkung der Pendlerpauschale schmerzhaft seien, werde von den Bürgern honoriert, dass es überhaupt klare Entscheidungen gebe. "Das gibt Planungssicherheit für größere Anschaffungen."

Der Aufwärtstrend der letzten Monate gibt den Marktforschern Hoffnung

Vor allem der Handel wird gern hören, dass die so genannte Anschaffungsneigung der Deutschen im Dezember erneut kräftig gestiegen ist. Der entsprechende GfK-Indikator, der die Bereitschaft zum Kauf langlebiger Konsumgüter wie Autos oder teure Haushaltsgeräte misst, liegt erstmals seit Ende 2001 wieder im positiven Bereich. "Mit der Einführung des Euro war die Anschaffungsneigung in den Keller gerutscht", blickt Bürkl zurück. "Die Binnennachfrage lahmt seit 2002."

Der Aufwärtstrend der letzten Monate gibt den Marktforschern Hoffnung, dass der private Konsum im nächsten Jahr einen halben Prozentpunkt zum Wachstum beitragen könne. Grund zur Euphorie gibt es freilich nicht: Im langjährigen Durchschnitt liegt der Konsumklima-Wert von 3,4 Punkten, der im Dezember erreicht wurde, gerade einmal "im unteren Drittel", wie Bürkl erläutert.

Werden Entlassungen bekannt gegeben, steigt häufig der Aktienkurs

Zudem droht der leichte Aufschwung, zu dem auch eine "Sonderkonjunktur" zur Fußball-Weltmeisterschaft kommen dürfte, am Arbeitsmarkt weitgehend vorbei zu gehen. So wird die Zahl der registrierten Arbeitslosen, die 2005 im Jahresmittel bei 4,88 Millionen liegt, nach Einschätzung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im nächsten Jahr nur um 60.000 sinken. Als besonders gravierend sehen es Experten an, dass auch gute Unternehmensgewinne längst keine Sicherheit mehr für Arbeitsplätze in Deutschland bieten.

Im Gegenteil: Werden Entlassungen bekannt gegeben, steigt häufig der Aktienkurs. "Hohe Renditen sind keine Garantie mehr für Investitionen in Beschäftigung", warnte kürzlich der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel. Großunternehmen wie Daimler-Chrysler oder Deutsche Bank reduzieren kräftig Stellen. Auseinandersetzungen wie um AEG in Nürnberg zeigen, dass das Fundament der industriellen Arbeitsplätze in Deutschland weiter bröckelt.

Fachleute wie der Wirtschaftsweise Peter Bofinger rechnen daher trotz guter wirtschaftlicher Perspektiven nicht mit einer wirklichen Job-Wende. "Entscheidend für eine Stabilisierung der Verbraucherstimmung ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt", unterstreicht auch GfK-Marktforscher Bürkl. Schlechte Nachrichten von dort könnten den Deutschen die aufkeimende Kauflaune schnell wieder verderben.

Stephan Maurer/DPA

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