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Strafzuschlag für Touristen: Freiburger Antiquar sagt Shopping-Schweizern den Kampf an

Weil der Euro billig ist, strömen viele Schweizer über die Grenze zum Shoppen. Ein Freiburger Händler hat darauf keine Lust mehr. Er verlangt von Schweizern 20 Prozent mehr. Die Empörung ist groß.

Von Daniel Bakir

Revoluzzer im Währungskampf: Antiquar Michael Plietzsch verlangt von allen Schweizern einen Strafzuschlag

Revoluzzer im Währungskampf: Antiquar Michael Plietzsch verlangt von allen Schweizern einen Strafzuschlag

Das Antiquariat Plietzsch ist eine feste Institution in der Freiburger Innenstadt. Seit 15 Jahren verkauft Michael Plietzsch hier antiquarische Bücher und Fotografien. Obwohl der Laden gerade mal acht Quadratmeter groß ist, hat er nun einen Grenzkonflikt der besonderen Art entfesselt. Grund ist ein Schild, das der 59-jährige Inhaber vor einigen Wochen ins Schaufenster hängte. Darauf heißt es, ab sofort erhebe das Antiquariat "einen 20 prozentigen Aufschlag auf alle Waren, die von Schweizer Staatsbürgern erworben werden. Wir bitten um Ihr Verständnis."

Hintergrund der ungewöhnlichen Maßnahme die starke Aufwertung des Schweizer Franken gegenüber dem Euro. Mitte Januar beendete die Schweizer Nationalbank die Bindung an den Euro, seitdem ist für die Schweizer das Einkaufen in Deutschland noch billiger geworden. Viele deutsche Händler im Grenzgebiet freuen sich nun über noch mehr Schweizer Kunden. Nicht so Michael Plietzsch - ihm gehen die Schweizer Shoppingtouren gehörig gegen den Strich.

Aktion gegen die Gier

Seine Aktion richte sich gegen die Gier, die der starke Franken auslöse, sagte Plietzsch dem stern. "Ich möchte niemanden im Laden haben, der nur aufgrund von Währungsdisparitäten Kunstgegenstände kauft." Seine Bücher und Fotografien seien keine Ramschware, sondern besäßen auch einen hohen immateriellen Wert. Plietzsch möchte, dass seine Käufer die Werke zu schätzen wissen. Kunden, die seine Antiquitäten nur mitnehmen, weil sie ihnen gerade günstig erscheinen - möglicherweise sogar als Spekulationsobjekt - können Plietzsch gestohlen bleiben.

Nicht jeder kann den Währungskrieg des Antiquars nachvollziehen. Die Aufregung um den kleinen Laden ist groß. Vor einigen Tagen berichtete das Schweizer Boulevardblatt "Blick" über den Strafzuschlag. Seitdem bekommt Plietzsch Hunderte Mails täglich. Darunter seien Beschimpfungen aller Art. "Ich werde sogar in die Nazi-Ecke gestellt", sagt Plietzsch. Dabei habe er gegen die Schweizer gar nichts, schätze ihr Land und ihr politisches System.

Gegen alle Kritik

In Freiburg erntet der exzentrische Antiquar vor allem Kopfschütteln, der Handelsverband Südbaden nannte den Strafzuschlag geschäftsschädigend. Am vergangenen Wochenende überklebten Unbekannte Plietzschs Zettel mit einer gegensätzlichen Botschaft: "Ab sofort bekommen unsere lieben Schweizer Kunden 20 Prozent Rabatt auf alle Bücher", hieß es kurzzeitig.

Plietzsch entfernte den fremden Zettel und hält unverdrossen an seinem Strafzoll fest. Personalausweise lasse er sich nicht zeigen, er richtet sich allein nach Dialekt. Einige Schweizer hätten schon laut schimpfend den Laden verlassen, aber die wollten wohl eh nur Ärger machen, vermutet der Antiquar. Die Reaktionen seien aber nicht nur negativ, viele würden auch Verständnis äußern, sagt Plietzsch. Tatsächlich sehen auch viele Schweizer das zunehmende Grenzshopping kritisch, manchen gilt es gar als unpatriotisch, weil die heimischen Geschäfte darben.

An seinem Schweiz-Zuschlag will Plietzsch übrigens nichts verdienen. Zusätzliche Einnahmen sollen einem Behindertenverband zu Gute kommen. Und außerdem sei der 20-Prozent-Aufschlag nicht in Stein gemeißelt, sagt Plietzsch. "Wenn sich der Kurs ändert, passe ich auch den Zuschlag an."

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