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TEUERUNG: Schleckermäuler zahlen drauf

Das strahlende Frühlingswetter lockt ins Freie und schon stehen Schleckermäuler wieder Schlange: Doch Eisessen ist nach der Euro-Einführung ein teures Vergnügen.

Viele Eisdielen haben ihre Preise deutlich erhöht. Mittlerweile kostet eine Kugel Eis zwischen 50 und 80 Cent; lange her sind die Zeiten, als man dafür noch 20 oder 30 Pfennig zahlte. Bei »Häagen Dasz« in Köln ist das Luxus-Eis jetzt für 2 Euro zu haben - im vergangenen Jahr kostete die große Kugel noch 2,80 Mark (1,43 Euro).

Portionen werden größer

Die Erhöhung hängt aber nicht mit der Einführung des Euro Bargeldes zusammen, wie viele Eisdielen betonen. »Vor allem die Maul- und Klauenseuche hat uns zugesetzt«, sagte Ralf van der Put, Betreiber von drei Eiscafés in Köln. »Die Milch ist nun 20 Prozent teurer als noch vor einem Jahr.« Aus dem Gießener Eiscafé »Samson«, wo die Schlemmerei nun 70 Cent statt 1,20 Mark (61 Cent) kostet, hieß es: »Es ist einfach alles teurer geworden, die Milch, die Produkte fürs Eis - mit dem Euro hat das nichts zu tun.« Alsio Rolato vom »Caffé e Gelato« am Potsdamer Platz in Berlin verspricht angesichts des nun 1 Euro teuren Eises: »Die Proportionen unserer «Bällchen» werden natürlich größer.«

Wirklich nur steigende Kosten?

Steigende Kosten bei Milch- und Zuckerpulver will Lars Reiprich, dem drei »Eiszeit«-Filialen in Hamburg gehören, hingegen nicht gelten lassen: »Das ist eine Lachnummer, seit Jahren nehmen meine Zulieferer die gleichen Preise.« Bei »Eiszeit« ist die Kugel jetzt für 60 Cent (1,17 Mark) statt 1,10 Mark zu haben. »Um die Abrechnung zu beschleunigen, haben wir einen runden Beitrag gewählt. Und nach unten auf 50 Cent abrunden, das macht kein Unternehmer.« Ein Trostpflaster: Schwangere zahlen für ihren Eisbecher den halben Preis.

Auch in München teurer

Auch in München-Schwabing sind Stracciatella, Vanille, Erdbeere und Co. teurer geworden: In der Eisdiele »Rialto« kostete eine Kugel bisher 1,20 Mark, jetzt 80 Cent (1,56 Mark). Inhaber Gian Paolo Scotti betont, die Kugeln seien jetzt auch etwas größer. »Nur der Eispreis ist ein Problem, gibt es denn in Deutschland sonst kein Problem?«, reagiert Scotti empört auf Kritik.

Nicht alle erhöhen Preise

Die Preise scheinen aber die wenigsten abzuhalten: Es kämen genauso viele Kunden wie früher, heißt es aus Eisdielen in Münster und Düsseldorf. Nicht alle haben aber nach der Euro-Einführung die Preise erhöht: Im Nürnberger Eiscafé »Pinguin« lag die Kugel früher bei 1,20 Mark und jetzt bei 60 Cent. »Bei uns gab es keine Diskussionen. Wie das bei anderen Geschäften auch sein sollte, haben wir die Preise halbiert und fertig aus«, sagte Inhaberin Kerstin Michalzik. Das Café hatte allerdings die Preise zu Beginn der Saison 2001 von 1 auf 1,20 Mark erhöht.

Angeblich gab's Preisabsprachen

In Oberbayern sollen Besitzer von Eisdielen und Cafés ihre Preise angeblich sogar abgesprochen haben: Die Landeskartellbehörde ermittelt. Beschwerden von Kunden und entsprechende Medienberichte hatten die Kartellwächter auf den Plan gerufen. Bei Verstößen drohen den Betroffenen empfindliche Geldbußen - aber an den Preisen würde sich dennoch nichts ändern, weil die Behörde keine niedrigeren Preise festlegen kann.

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