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Überwachungsskandal: Lidl-Entschuldigung, die dritte

Der Lebensmittel-Discounter Lidl hat sich in Zeitungsanzeigen für die Überwachung von Mitarbeitern entschuldigt. Allerdings begründete Lidl nicht, warum die Bespitzelung, die vom stern und stern.de aufdeckt wurde, über Jahre hinweg geduldet wurde. Auch wegen der möglichen Kunden-Überwachung gerät Lidl immer mehr unter Druck.

In der Bespitzelungsaffäre bei Lidl, die der stern und stern.de aufgedeckt haben, hat sich der Lebensmitteldiscounter in großformatigen Zeitungsanzeigen bundesweit bei der Belegschaft entschuldigt. Der Vorwurf, durch Detekteien Mitarbeiter überwacht zu haben, "hat uns sehr betroffen gemacht", schreibt die Geschäftsführung in der am Montag in Tageszeitungen abgedruckten Anzeige. Der Eindruck, Lidl hätte Mitarbeiter systematisch bespitzelt, entspreche "in keinem Fall dem gelebten fairen Umgang des Unternehmens mit seinen Mitarbeitern". Wenn sich Mitarbeiter "in Misskredit gebracht und persönlich verletzt fühlen, so bedauern wir dies außerordentlich und entschuldigen uns ausdrücklich dafür".

Lidl begründet den Einsatz von Detekteien mit rund 80 Millionen Euro Schaden, der jährlich durch Diebstahl entstehe. Dadurch seien Arbeitsplätze gefährdet, argumentiert der Discounter. Aufgabe der Detekteien sei es gewesen, Informationen zur Aufklärung von Diebstählen zu gewinnen. "In Einzelfällen wurden durch die Detekteien zusätzliche und teilweise auch persönliche Informationen über Mitarbeiter protokolliert - das war von uns so nicht gewollt", heißt es in der Anzeige weiter. "Aus den Vorfällen haben wir gelernt und werden zukünftig mit unseren Mitarbeitern gemeinsam die Firma vor Verlusten durch Diebstahl schützen." Man gehe "fair" mit seinen Mitarbeitern um.

Ähnlich hatte sich Lidl auch schon nach Bekanntwerden des Skandals öffentlich und in einem Schreiben an die Mitarbeiter geäußert. Allerdings ist Lidl bisher eine Erklärung schuldig geblieben, warum die Bespitzelung über Jahre hinweg geduldet wurde. Dem stern und stern.de liegen Protokolle aus den Jahren 2004 und 2006 sowie aus 2007 vor. Schon im "Schwarzbuch Lidl", in dem erstmals über diese Methoden berichtet wurde, hatte der Discounter 2006 die Bespitzelung der Mitarbeiter als "Einzelfälle" bezeichnet.

Mögliche Kunden-Überwachung wird geprüft

Unterdessen droht Lidl wegen der heimlichen Überwachung seiner Märkte durch Kameras neue Unbill. Denn auch Kunden sind möglicherweise von dem Skandal betroffen, da sie bei der Eingabe ihrer Geheimzahlen bei Kartenzahlung gefilmt wurden. Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz (ULD) in Schleswig-Holstein hatte den Discounter deswegen schon um eine Stellungnahme gebeten. Und auch die Kollegen in Baden-Württemberg gehen diesem Verdacht nach. Günther Schedler, Datenschutzbeauftragter in Baden-Württemberg, sagte zu stern.de: "Wir haben eine Überprüfung des ganzen Vorgangs eingeleitet. Und dabei geht es natürlich auch um die mögliche Überwachung von Kunden." Lidl habe zwei Wochen Zeit, um einen umfangreichen Fragenkatalog zu beantworten, sagte Schedler. Der Datenschützer wies darauf hin, dass diese Vergehen laut Bundesdatenschutzgesetz mit einer Geldbuße von bis zu 250.000 Euro geahndet werden können.

Auch für den Bundesdatenschutzbeauftragen ist der Fall klar: Die heimliche Überwachung von Kunden sei ebenso verboten wie die von Mitarbeitern, sagte Dietmar Müller, Sprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar, zu stern.de. "Es muss für Kunden erkennbar sein, ob Kameras angebracht sind. Wenn die Kameras nicht erkennbar sind, müssen sie aber zumindest deutlich am Eingang des Geschäftes darauf hingewiesen werden, dass die überwacht werden."

Malte Arnsperger und Markus Grill mit dpa/AP / AP