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Provider Wie Unitymedia seine Kunden verärgert - jedes Jahr auf's Neue

Unitymedia
Unitymedia hat rund sieben Millionen Kunden in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg
© Oliver Berg/DPA
Knapp eine Million Unitymedia-Kunden müssen ab März mehr Geld für die gleiche Leistung zahlen. Aboalarm-Chef Bernd Storm van's Gravesande kritisiert das Vorgehen des Kabelnetzbetreibers als kundenunfreundlich - zumal nicht jeder kündigen kann.
Gastbeitrag von Bernd Storm van's Gravesande

In den Jahren von 2013 bis 2016 und nun auch 2017 verschickte Unitymedia immer wieder das gleiche Schreiben: Der Anbieter erhöht die Vertragskosten für einen Teil der Bestandskunden um mehrere Prozent. Dabei wird immer wieder dieselbe Begründung angegeben: Eine Erhöhung der Gesamtkosten zur Bereitstellung des Netzes, ohne dass jedoch eine Erweiterung der Leistung vollzogen wird.

Einige Nutzer berichten von einer saftigen Erhöhung um 16 Prozent, wobei Unitymedia auf das Sonderkündigungsrecht und die Frist für einen eventuellen Widerspruch hinweist. Bei anderen Nutzern beträgt die Erhöhung vier Prozent, wobei ein Hinweis auf das Sonderkündigungsrecht fehlt – denn dieses besteht nicht bei Erhöhungen unter fünf Prozent.

Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.
Bernd Storm van's Gravesande, Gründer und Geschäftsführer des Kündigungsdienstes "aboalarm", berichtet in loser Folge über Ärgernisse und Fallen, vor denen sich Verbraucher in Acht nehmen müssen.
© aboalarm

Kundenunfreundlich, aber gesetzeskonform

Dieses Vorgehen von Unitymedia ist äußerst kundenunfreundlich – aber gesetzeskonform: In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen behält sich Unitymedia vor, in jedem Kalenderjahr einmal eine Preiserhöhung durchführen zu können, wenn sich die eigenen Gesamtkosten derart erhöhen, dass dem Anbieter Mehrkosten entstehen. Ein Sonderkündigungsrecht wird jedoch erst ab einer Erhöhung um fünf Prozent zugestanden.

Preiserhöhungen, die unter fünf Prozent betragen, soll der Verbraucher demzufolge einfach hinnehmen, ohne dass eine bessere Leistung daraus hervorgeht – und das jedes Jahr aufs Neue und für Bestandskunden, die eigentlich Treueboni anstelle von Gebührenanstiegen verdient hätten. Diesen Kunden ist zu empfehlen, den Weg zur Verbraucherzentrale zu suchen und Unitymedia zu einer Aufstellung der Mehrkosten, die zur Preiserhöhung geführt haben, zu drängen, um deren Durchführung zu rechtfertigen.

Unitymedia erklärt zu den Preiserhöhungen: "Unitymedia investiert stetig in die Leistungsfähigkeit und die Stabilität seines Netzes. Die Technikkosten für Ausbau und Betrieb sind – neben den allgemeinen Kosten – deutlich gestiegen. Einen Teil dieser Mehrkosten geben wir ab März 2017 an unsere Kunden weiter. Das aktuelle Anschreiben haben rund 950.000 Kunden erhalten, die von der Breitband-Preisanpassung im Frühjahr 2016 nicht betroffen waren."  


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