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Unternehmen: Milliardenpoker um KirchMedia

Im Milliardenpoker um die insolvente KirchMedia mit ihrem TV-Konzern ProSiebenSAT.1 könnte heute die Entscheidung fallen. Der Gläubigerausschuss diskutiert die letzten Angebote des Hamburger Bauer-Verlags und des US-Milliardärs Haim Saban.

Im Milliardenpoker um die insolvente KirchMedia mit ihrem TV-Konzern ProSiebenSAT.1 könnte heute die Entscheidung fallen. Der Gläubigerausschuss will die letzten Angebote des Hamburger Bauer-Verlags und des US-Milliardärs Haim Saban diskutieren. Favorit sei nach wie vor Bauer, hieß es in Branchenkreisen.

Saban: Einstieg in letzter Minute

Zum Verkauf steht die Mehrheit am Fernsehkonzern ProSiebenSAT.1 AG und Kirchs legendäres Filmlager mit 13.000 Kinofilmen und 3.000 Fernsehserien. Der Bauer-Verlag wurde vom Insolvenzverwalter lange als sicherer Favorit gehandelt, doch praktisch in letzter Minute brachte sich Saban mit einem ebenfalls attraktiven Angebot ins Spiel.

Zwei Milliarden Euro für das Herzstück

Der Kaufpreis für das einstige Herzstück des Kirch-Imperiums könnte alles in allem bei zwei Milliarden Euro liegen. Wegen der komplexen Materie wird allerdings die Unterzeichnung eines abschließenden Vertrages heute nicht erwartet. Womöglich wird man sich aber für letzte Detailverhandlungen endgültig auf einen der beiden Bieter festlegen, hieß es in Verhandlungskreisen.

Überarbeitetes Angebot

Der Heinrich-Bauer-Verlag will das Paket mit Hilfe der HypoVereinsbank (HVB) und weiterer Finanzpartner übernehmen. Dabei sollte die HVB an dem gemeinsamen Konsortium zunächst nur zehn Prozent übernehmen; laut einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt" vom Wochenende will sie nun aber mit mindestens 25 Prozent einsteigen. Die Zeitung zitiert eine Sprecherin des Geldinstituts mit den Worten: „Wir bleiben aber unter 50 Prozent." Mittelfristig sei außerdem eine Absenkung des Anteils geplant: Nach Informationen der Zeitung will das Kreditinstitut bald wieder unter die 20-Prozent-Marke gehen. Mit dem überarbeiteten Angebot will das Bauer-HVB-Konsortium offenbar kartellrechtliche Probleme umgehen: Bauer hält bereits 30 Prozent an dem profitablen Fernsehsender RTL II und ist außerdem Marktführer bei Fernsehzeitschriften.

"Notfalls stelle ich einen Scheck aus"

Der andere Bieter, US-Milliadär Haim Saban, arbeitet bei seiner Offerte mit dem französischen TV-Konzern TF1 zusammen. Die Finanzierung dürfte für Saban kein Problem sein. Aus eigener Kraft hat sich der gebürtige Ägypter als Filmproduzent zu den reichsten Männern der USA empor gearbeitet. «Notfalls stelle ich einen Scheck von meinem Bankkonto aus», ließ er vor wenigen Tagen bei einem Deutschland-Besuch wissen. Wenn Saban den Bauer-Verlag überbiete, werde dieser aller Voraussicht nach nicht noch mal eine verbesserte Offerte nachlegen, hieß es in Branchenkreisen.

DPA