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US-Bank: Wells Fargo schnappt nach Wachovia

Tauziehen um Wachovia: Die angeschlagene US-Bank steht im Mittelpunkt eines Bankenkrieges. Vier Tage nach der Notübernahme durch den Finanzkonzern Citigroup hat die Großbank Wells Fargo überraschend ein Kaufangebot für Wachovia gemacht.

Um die angeschlagene viertgrößte US-Bank Wachovia ist ein dramatischer Übernahmekampf entbrannt. In einer spektakulären Wende sagte Wachovia am Freitag den erst zu Wochenbeginn verkündeten Notverkauf an den Finanzkonzern Citigroup ab und gab stattdessen eine Übernahme zu einem weit höheren Preis durch die US-Großbank Wells Fargo bekannt. Die Citigroup sprach von Vertragsbruch und forderte die beiden Banken auf, das geplante Geschäft sofort abzusagen.

Die ebenfalls zu den größten US-Banken zählende Wells Fargo bietet die Komplettübernahme von Wachovia über einen Aktientausch im Wert von mehr als 15 Milliarden Dollar (10,8 Mrd Euro) an. Wachovia empfahl seinen Aktionären die Annahme der Offerte.

Die Citigroup will dagegen, unterstützt von der staatlichen Einlagensicherung FDIC, lediglich einen Großteil von Wachovia übernehmen und dafür nur 2,2 Milliarden Dollar zahlen. Die FDIC (Federal Deposit Insurance Corporation) stellte sich am Freitag demonstrativ hinter die Citigroup als Käufer. Wachovia betonte dagegen, anders als bei Citigroup sei bei der Übernahme durch Wells Fargo keine staatliche Hilfe nötig.

Der Sieger des Tauziehens würde zu einer der amerikanischen Top- Banken im Privatkundengeschäft aufsteigen. Der Überraschungscoup von Wells Fargo wurde am Markt als Hoffnungszeichen für die Branche bewertet. Die viel höhere Offerte zeige, dass es keinen Ausverkauf um jeden Preis geben müsse. Im Zuge der Kreditkrise erlebt die US- Finanzbranche eine der größten Umwälzungen ihrer Geschichte. Mehrere Institute mussten ganz aufgeben oder Notverkäufen zustimmen.

Wachovia verspekulierte sich im Zuge des Immobilienbooms schwer und verbuchte zuletzt ein Rekordminus. Weitere enorme Verluste drohen durch einen Berg fauler Kredite und hochriskanter Wertpapiere. Im Fall der Citigroup-Übernahme würde die FDIC einen Teil künftiger Verluste schultern.

Die Offerte von Wells Fargo bewertet Wachovia mit sieben Dollar je Aktie - ein Aufschlag von fast 80 Prozent auf den letzten Schlusskurs. Die Wachovia-Aktie schoss in den ersten Handelsstunden etwa auf den Übernahmepreis hoch, gab dann aber wegen des unklaren Ausgangs leicht nach. Wells-Fargo-Papiere gewannen rund sechs Prozent. Die Aktie der Citigroup fiel dagegen um rund zehn Prozent.

Mit dem Plan zur Übernahme von Wachovia war die Citigroup seit langem erstmals wieder in die Offensive gegangen. Sie zählte wegen hoher Verluste zu den großen Opfern der Kreditkrise und startete den Verkauf umfangreicher Konzernteile. Ihr deutsches Filialgeschäft gab sie an die französische Crédit Mutuel ab.

Wachovia beschäftigt rund 120.000 Mitarbeiter und bringt dem Käufer mehr als 4800 Filialen mit einem Schwerpunkt im Osten der USA. Sitz der Großbank ist das Finanzzentrum Charlotte (North Carolina). Das Filialnetz würde ideal zu Wells Fargo passen, die mit ihrer Zentrale in San Francisco (Kalifornien) besonders im Westen der USA stark ist.

Wells Fargo war schon vor den Citigroup-Plänen als Käufer im Gespräch gewesen. Die Bank will sich zur Finanzierung der Lasten durch die Übernahme 20 Milliarden frisches Kapital über neue Aktien besorgen.

DPA / DPA
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