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Finanzkrise: Rezessionsängste erschüttern Wall Street

Die Aktienmärkte geben weiter nach. Angst vor einer anhaltenden Rezession ließen den Dow-Jones-Index um 5,7 Prozent einbrechen. Der Dax rutschte bis zum Börsenschluss um 4,5 Proznet auf unter 4600 Punkte. Der Euro fiel auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren.

Enttäuschende Quartalszahlen haben die Kurse an der Wall Street am Mittwoch auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren gedrückt. Nach einem freundlichen Wochenstart rückten in New York wieder Sorgen um die Weltwirtschaft in den Blickpunkt. Viele Anleger werteten den weiter fallenden Ölpreis, der auf rund 67 Dollar für ein Fass (159 Liter) US-Leichtöl sank, als ein Anzeichen für eine weltweite Rezession.

Schlechte Unternehmensnachrichten gab es aus nahezu allen Branchen: von der Ölfirma ConocoPhillips, dem Flugzeugbauers Boing, dem Telekomkonzern AT&T, dem Pharmahersteller Merck und der Bank Wachovia. Nur iPhone-Hersteller Apple trotzte dem Abwärtstrend.

Dow fällt um 5,7 Prozent

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte fiel um 5,7 Prozent auf 8519 Punkte. Dabei pendelte er zwischen 8335 und 9027 Zählern. Der breiter gefasste Standard & Poor's-500-Index verlor 6,1 Prozent auf 896 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 4,8 Prozent auf 1615 Punkte nach. Zuvor hatten Rezessionsängste und schlechte Nachrichten aus den USA schon den Dax nach unten gedrückt. Er schloss in Frankfurt 4,5 Prozent tiefer bei 4571 Punkten.

"Es geht immer noch um die gleichen Themen: Sorgen um die Weltwirtschaft, Deflation und Angst vor einem deutlichen Rückgang der weltweiten Nachfrage", sagte Händler Michael James von Wedbush Morgan. "Wir befinden uns in einer Zeit, in der jeder erschocken feststellt: 'Verdammt, wir sind in einer Rezession'", kommentierte Analyst Bruce Zaro von Delta Global Advisors die Entwicklung an den internationalen Märkten.

Vor allem Energiekonzerne leiden

Unter Rezessionsängsten und fallenden Ölpreis litten besonders Energiekonzerne. Zudem hatte der drittgrößte US-Ölkonzern, ConocoPhillips, erklärt, er werde wegen der Hurrikane im Golf von Mexiko in diesem Jahr weniger Öl fördern als 2007. Die Aktien von ConocoPhillips gaben 9,1 Prozent nach und zogen andere Branchenvertreter mit in den Keller. Börsenschwergewicht Exxon Mobil verbilligte sich sogar um 9,7 Prozent, Chevron-Titel gaben 7,6 Prozent nach.

Zu den Verlierern gehörte auch Airbus-Rivale Boeing. Ein mehrwöchiger Mechanikerstreik und Probleme mit Zulieferern belasteten das Ergebnis des US-Flugzeugbauers im dritten Quartal. Aufgrund des andauernden Arbeitskampfes nahm der Konzern auch Abstand von seiner Prognose. Die Aktie verlor rund 7,5 Prozent. Bei den Finanztiteln geriet die Aktie der US-Bank Wachovia nach einem Rekordverlust von 23,9 Milliarden Dollar im dritten Quartal unter Druck. Es ist der bisher höchste Verlust einer US-Bank im Zuge der weltweiten Kreditkrise. Die Aktie fiel 6,2 Prozent.

Auch aus der tendenziell konjunktur-unempfindlichen Pharmabranche gab es schlechte Nachrichten. Merck&Co meldete einen Gewinneinbruch und will weltweit zwölf Prozent seiner Stellen streichen. Die Merck-Aktie schloss 6,5 Prozent im Minus. Der größte US-Telekomkonzern AT&T enttäuschte mit seinem Quartalsgewinn die Analysten, seine Papiere verbilligten sich um 7,6 Prozent. McDonalds-Papiere gaben um 1,7 Prozent nach, obwohl die weltgrößte Schnellrestaurant-Kette ihren Gewinn deutlicher steigerte als erwartet.

"Zu Wochenbeginn war die Stimmung noch gut, weil sich die Lage am Kreditmarkt verbessert hat. Aber gestern und heute hat uns eine Flut enttäuschender Quartalsergebnisse erschüttert", sagte Analyst Arthur Hogan von Jefferies & Co. "Ich fürchte, es wird eine ziemlich düstere Berichtssaison, obwohl wir unsere Erwartungen schon heruntergeschraubt haben. Das Problem ist, dass alle auf den Ausblick schauen - und der Ausblick ist meist glanzlos oder schrecklich."

Apple trotz dem Trend

Apple trotzte mit seinem populären iPhone dem Abwärtstrend. Seine Papiere legten um um 5,9 Prozent zu. Die Firma verzeichnete einen Gewinnsprung im vergangenen Vierteljahr und steigerte den Verkauf des neuerdings UMTS-fähigen iPhones um das sechsfache. Gemessen am Umsatz ist Apple nach eigenen Angaben nun weltweit drittgrößter Handy-Hersteller hinter Nokia und Samsung Electronics.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,56 Milliarden Aktien den Besitzer. 461 Werte legten zu, 2656 gaben nach und 50 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,56 Milliarden Aktien 353 im Plus, 2391 im Minus und 107 unverändert. An den US-Kreditmärkten legten die zehnjährigen Staatsanleihen um 35/32 auf 102-07/32 zu. Sie rentierten mit 3,605 Prozent. Die 30-jährigen Bonds gewannen 82/32 auf 107-15/32 und hatten eine Rendite von 4,064 Prozent.

Hoffnung zogen Finanzmarktexperten aus der Entwicklung der Zinsen für Geldgeschäfte zwischen den Banken. Der Libor, der in London verzeichnete Zinssatz für die kurzzeitige Ausleihe von Dollar zwischen den Banken, fiel auf 3,54 Prozent, deutlich unter dem Vortagswert von 3,83 Prozent. Daraus können Zeichen einer Entspannung der Kreditmärkte abgelesen werden.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters