Konjunktur Deutschland droht eine Rezession

Deutschland schlittert in die Krise: Der Internationale Währungsfonds hält eine Rezession im Land für möglich. Berliner Wirtschaftsforscher bestätigen den Abwärtstrend. Im Ausland sieht es nicht besser aus. Die EU-Kommision hat ihre Prognose für die Eurozone kräftig nach unten geschraubt.

Die Rezessionsängste in Deutschland erhalten neue Nahrung: Nach der von der EU-Kommission vorgelegten Konjunkturprognose ist die deutsche Wirtschaft seit April das zweite Quartal in Folge geschrumpft. Volkswirte sprechen in so einem Fall von einer "technischen Rezession". Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) blickt wenig optimistisch in die Zukunft. Der IWF halte ein Schrumpfen der deutschen Wirtschaft für möglich, berichtet "Zeit-Online" unter Berufung auf einen Entwurf des neuen Weltwirtschaftsausblicks. Im kommenden Jahr werde sie demzufolge um weniger als ein Prozent wachsen.

Das Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung bestätigte den Trend: Das DIW-Konjunkturbarometer habe sich gegenüber dem Vormonat abermals abgeschwächt, teilte das Institut mit. Für das laufende dritte Quartal signalisiert es nunmehr ein leichtes Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Bislang war das DIW von einem Nullwachstum ausgegangen. "Aus der schwarzen Null im August ist nun eine rote Null geworden", kommentierte DIW-Konjunkturexperte Dr. Stefan Kooths die Lage der deutschen Wirtschaft.

"Der Wachstumsausblick hat sich klar verschlechtert"

Den EU-Angaben zufolge betrug der Rückgang zwischen April und Juni 0,5 Prozent, der zwischen Juli und September 0,2 Prozent. Großbritannien und Spanien befinden sich laut der Prognose ebenfalls in einer Rezession. "Der Wachstumsausblick für die zweite Hälfte dieses Jahres hat sich klar verschlechtert", erklärte EU-Wirtschaftskommissar Joaquín Almunia mit Blick auf die Bundesrepublik als größte Volkswirtschaft der EU. Grund seien die hohen Energie- und Lebensmittelpreise sowie die weltweite Finanzkrise. Für das Gesamtjahr rechnet Almunia dennoch weiter mit einem Wachstumsplus von 1,8 Prozent in Deutschland. Das ist etwas optimistischer als die Bundesregierung, die von 1,7 Prozent ausgeht.

Dunkle Wolken sieht Almunia über der Konjunktur der Eurozone. Der spanische Kommissar rechnet für dieses Jahr nur noch mit einem Wachstum von 1,3 Prozent in den 15 Ländern mit dem Euro. Das sind 0,4 Prozentpunkte weniger als bisher. Das Wachstum in allen 27 EU-Ländern beziffert er auf 1,4 Prozent, ein Rückgang um 0,6 Punkte.

"Reform-Agenda ist entscheidend"

Almunia rief die Mitgliedstaaten auf, in diesem "schwierigen und unsicheren Umfeld" am Reformkurs festzuhalten. "Die seit einem Jahr andauernden Turbulenzen auf den Finanzmärkten, die Energiepreise, die sich in diesem Zeitraum fast verdoppelt haben und die Korrekturen auf einigen Immobilienmärkten haben Auswirkungen auf die Wirtschaft gehabt", sagte der Kommissar. Allerdings habe das jüngste Sinken der Ölpreise sowie die Abschwächung des Euro für etwas Erleichterung gesorgt. "Europas Reform-Agenda voranzubringen ist entscheidend, um Arbeitsplätze zu schaffen und besser mit externen Schocks umzugehen." Das Vertrauen in die Finanzmärkte müsse wiederhergestellt und die öffentlichen Haushalte weiter saniert werden.

mad/AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

Mehr zum Thema



Newsticker