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Versicherer: Raues Klima für Beschäftigte

Die deutsche Versicherungswirtschaft bleibt auf der Kostenbremse. Für die Beschäftigten könnte das Klima dadurch in den kommenden Jahren deutlich rauer werden.

Bei einem langsameren Prämienwachstum und zunehmendem Preisdruck in Sparten wie der Kfz-Versicherung wollen sich die Unternehmen ihre Margen sichern und werden daher ihre Suche nach Einsparmöglichkeiten noch verstärken, erwartet der Präsident des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft, Bernhard Schareck. "Dieser Prozess wird eher zunehmen." Kostensparprogramme wie bei Ergo und AMB Generali oder der Allianz-Umbau mit Bündelung des Deutschlandgeschäfts und Straffung des Vertriebs dürften also Schule machen. Für die Beschäftigten könnte das Klima dadurch in den kommenden Jahren deutlich rauer werden.

Rund 8000 Beschäftigte hat die Branche nach Angaben der Gewerkschaft Verdi in den vergangenen beiden Jahren verloren, als teils noch die Nachwirkungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 und der Börsenbaisse zu verdauen waren. Weitere 10.000 bis 15.000 Stellen könnten in den kommenden drei bis vier Jahren wegfallen, fürchtet Uwe Foullong vom Verdi-Bundesvorstand. Schon in der laufenden Tarifrunde hätten die Arbeitgeber ihre Gangart verschärft. "Die Versicherer verabschieden sich von ihrer branchenspezifischen Tarifpolitik und wollen im Windschatten von Krisenbranchen segeln", kritisiert der Gewerkschafter. Dies lasse sich aber angesichts eines guten Geschäftsverlaufs vieler Unternehmen mit hohen Gewinnen keineswegs rechtfertigen. "Ich erwarte, dass die Arbeitgeber zur Vernunft zurückkehren, die Versicherer sind keine Krisenbranche, sie sind eine Zukunftsbranche."

Der Finanz- und Kapitalmarkt für Versicherer wieder vielversprechend

Auch nach Auffassung vieler Experten können sich die Zukunftsaussichten der Versicherer durchaus sehen lassen. Zwar ist das Neugeschäft in der Lebensversicherung gegenüber dem Boomjahr 2004, als der teilweise Wegfall der Steuerfreiheit für einen Schlussverkauf sorgte, erwartungsgemäß kräftig zurückgegangen. Getragen vom zunehmenden Bedarf nach Altersvorsorgeprodukten wie Riester- und Rürup-Rente dürfte aber schon 2006 wieder ein Aufwärtstrend kommen, erwartet Lucio Di Geronimo von der Hypo-Vereinsbank. In der Schaden- und Unfallversicherung könne die Branche auch im kommenden Jahr auf eine gute Ertragssituation hoffen. "Es wird bei den Prämien Stagnation bis leichtes Wachstum geben, aber auf einem hohen Profitabilitätsniveau."

Für die großen Rückversicherer wie Swiss Re, Münchener Rück und Hannover Rück, die 2005 von der Serie schwerer Wirbelstürme in den USA heftig in Mitleidenschaft gezogen worden waren, sind die Experten ebenfalls zuversichtlich. Die Großschäden durch Stürme und Überschwemmungen zögen in den relevanten Sparten voraussichtlich kräftige Preiserhöhungen um rund 50 Prozent nach sich, sagt Di Geronimo. Dadurch werden die Prämieneinnahmen im kommenden Jahr nach seiner Einschätzung um bis zu drei Prozent steigen bei einer guten Ertragslage für die Rückversicherer.

Auch der Finanz- und Kapitalmarkt entwickelt sich für die Versicherer wieder vielversprechend. Die höheren Zinsen machten es den Unternehmen wieder einfacher, die Garantiezinsen für Lebensversicherungen zu gewährleisten, sagt Thomas Noack von der West-LB. Zwar haben viele Unternehmen ihre Aktienengagements nach den schlechten Erfahrungen der Krisenjahre an den Börsen stark zurückgefahren und daher auch weniger von der guten Entwicklung der vergangenen Monate profitiert. Das sei aber grundsätzlich angemessen und nachvollziehbar gewesen, sagt Noack. Künftig dürften sich die Versicherer nach seiner Einschätzung wieder stärker bei Aktien umsehen.

Christine Schultze/DPA