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Versicherungen: Gerling fühlt sich als schöne Braut

Der angeschlagene Versicherer Gerling hat sich mit dem Anteilsdeal zwischen Rolf Gerling und der Deutschen Bank für potenzielle Investoren herausgeputzt.

"Wir haben am heutigen Tag die Basis gelegt - das war ein Befreiungsschlag, was die Komplexität des Unternehmens angeht", sagte Gerling-Vorstandschef Björn Jansli am Mittwoch in Köln. Zuvor hatte die Deutsche Bank den 34,6-prozentigen Anteil am angeschlagenen Versicherungskonzern abgegeben.

Viele Interessenten

An den Gründerenkel Rolf Gerling übertrug die Bank 28,6 Prozent der Anteile, weitere 6 Prozent gingen an den Aufsichtsratschef des Konzerns, Joachim Theye. Der private Investor Gerling hält damit 94 Prozent. Eine Situation, von der Jansli meint, sie fördere enorm die Attraktivität des Kölner Traditionsunternehmens für einen finanzkräftigen Investor. "Der Kreis der Ansprechpartner hat sich dramatisch erhöht. Wir haben mehr als genug Interessenten", sagte Jansli. Bislang waren mehrere Verhandlungen der Kölner mit einem gesuchten Mehrheitsaktionär erfolglos. Gerling war nach einem dramatischen Minus in der Rückversicherungssparte - besonders durch Großschäden in den USA - in eine Schieflage geraten.

Märkte lieben einfache Strukturen

"Wir konnten sehr schlecht handeln. Auf der Aktionärsseite gab es völlig unterschiedliche Interessenslagen: Zum einen eine Bank und auf der anderen Seite ein privater Investor", sagt Jansli. Das habe die Verhandlungen behindert. Nun sei er zuversichtlich, im Laufe des Jahres den Gerling-Konzern wieder flott zu machen. Sein Argument dabei: Die einfache Struktur des Konzerns und die einfache Struktur der Anteilseigner. "Die Märkte haben keinen Appetit auf ein komplexes Unternehmen", meinte Jansli.

Optimismus über Verkauf der Rücksparte

Im juristischen Tauziehen um den Verkauf der hochdefizitären Gerling-Rücksparte an den Unternehmer Achim Kann über die Lago Achte GmbH gab sich Jansli zuversichtlich, das Verfahren vor dem Oberverwaltungsgericht in Kassel zu gewinnen. Die Abgabe dieser Sparte an Kann war von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) untersagt worden. BaFin und Gerling streiten deswegen vor Gericht.

NCM-Teilverkauf bringt zusätzlich Geld

Zugleich stiegen am Mittwoch die Deutsche Bank und der Versicherungsriese Schweizer Rück bei der erfolgreichen Kreditversicherungs-Tochter Gerling NCM ein. Für knapp 56 Prozent der NCM-Anteile flossen dem Gerling-Konzern rund 180 Millionen Euro zu. Die Deutsche Bank erhielt für 120 Millionen Euro 35,32 Prozent von NCM. Die Swiss Re stockte ihre Beteiligung von 25 Prozent auf 47,5 Prozent auf und zahlte 60 Millionen Euro. Die Zustimmung der Aufsichtsbehörden steht noch aus. NCM soll mittelfristig an die Börse gebracht werden. "Aus dem Verkaufserlös der Kredit stecken wir rund 120 Millionen Euro in die Schadenreserveablösung der Rück. Damit ist die Basis für den Verkauf der Rück gelegt", sagte Jansli.