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Visionen: Gebet und Moral gegen Korruption

"Es geht darum, dass die Ablehnung der Korruption als gemeinsamer Wert angenommen wird" sagt Anti-Korruptionskämpfer Eigen und will Unterstützung durch die Weltreligionen.

Die Weltreligionen können nach den Worten des Vorsitzenden der internationalen Bewegung Transparency International (TI) maßgeblich zur Bekämpfung der Korruption beitragen. "Es wird versucht, religiöse Gruppen (in unsere Arbeit) miteinzubeziehen", sagte Peter Eigen am Freitag in einem dpa-Gespräch am Rande des dritten 'Weltforums zur Korruptionsbekämpfung und Integritätssicherung' in Seoul. Mit Bezug auf einen Vortrag des Schweizer Theologen Hans Küng bei der ebenfalls zuvor in Seoul veranstalteten 11. Anti-Korruptionskonferenz sagte Eigen, dass in allen Religionen die Korruption verurteilt werde.

Kampf von der moralischen Front aus

"Es geht letztlich darum, dass die Ablehnung der Korruption als gemeinsamer Wert angenommen wird", sagte Eigen, der die mittlerweile in mehr als 80 Ländern tätige Koalition TI 1993 mitgegründet hatte. So sei es naiv, in westlichen Industrieländern zu denken, dass in einigen Entwicklungsländern ohne Bestechungsgelder nichts laufe. "Es ist ein Skandal, dass Bestechung hingenommen wird", sagte der 64- jährige frühere Weltbankdirektor. Von der Weltbank habe er sich getrennt, weil das Thema Korruption dort tabu gewesen sei.

"Brutstätten für Terror" verhindern

Eigen stellte dabei insbesondere die negativen Folgen der Korruption für die wirtschaftliche Entwicklung ärmerer Länder heraus. "Die Wirtschaftspolitik wird durch die Korruption pervertiert." Entscheidungen liefen darauf hinaus, wie sich Einzelne bereichern können. Das ginge auf Kosten der Wohlfahrt der Bevölkerung. Durch Korruption können sogar "Brutstätten für den Terror" entstehen.

"Unheilige Allianzen"

Die westliche Industrieländer tragen dabei nach Ansicht des gelernten Juristen wesentlich zur Ausbreitung der Korruption in ärmeren Ländern bei. Es gebe in vielen Fällen eine "unheilige Allianz" zwischen Lieferanten und Banken auf der einen und einzelnen Regierungsvertretern auf der anderen Seite. Der gebürtige Augsburger verwies auf den kenianischen Justizminister, der in einem Vortrag in Seoul forderte, dass "die Korruption als Verbrechen gegen die Menschheit erklärt wird".

DPA
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