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Sprunghafter Anstieg: Deutsche verschenken und vererben mehr als 100 Milliarden Euro

Vor der geplanten Erbschaftssteuerreform haben die Deutschen 2014 noch viel Geld verschenkt. Schenkungen über 20 Millionen Euro haben sich sogar verdoppelt. Das Vermögen bleibt so sehr ungleich verteilt. 

Von Alica Müller

Eine alte Frau unterschreibt einen Vertrag

Immer mehr Geld wird in Deutschland vererbt oder verschenkt - doch das Vermögen ist sehr ungleich verteilt.

Schenken und Erben soll für Deutschlands Unternehmer bald teurer werden - deshalb ging es für viele scheinbar auf den letzten Drücker noch zum Notar: 109 Milliarden Euro haben die Deutschen im vergangenen Jahr verschenkt und vererbt. Die geplante Reform der Erbschafts- und Schenkungssteuer sorgt vor allem für einen Boom bei den Schenkungen – diese sind um 76,8 Prozent auf 70,5 Milliarden Euro angestiegen.

Schenkungen über 20 Millionen haben sich verdoppelt

Der Anstieg ist vor allem auf die Superreichen zurückzuführen: Erbschaften und Schenkungen von über 20 Millionen haben sich mehr als verdoppelt. "Grundsätzlich vererben und verschenken die Leute in den letzten Jahren mehr", sagt Stephan Bach, Ökonom am Institut für Wirtschaftsforschung, "aber das betrifft nur einen kleinen Kreis sehr wohlhabender Menschen." Seit der Erbschaftssteuerreform 2009 ist es in vielen Fällen möglich, Betriebsvermögen praktisch steuerfrei zu übertragen – was bis 2012 zu einem sukzessiven Anstieg von Übertragungen geführt habe. 2014 war fast die Hälfte des verschenkten und vererbten Vermögens Betriebsvermögen – "das ist seit der Reform massiv mehr geworden", sagt Bach.

"Da werden dreistellige Millionenbeträge an Minderjährige verschenkt"

2014 wurde erneut über die Vorteile für Unternehmer diskutiert, bis das Bundesverfassungsgericht die Regelung im Dezember schließlich für ungültig erklärte. Nun muss es bis zum nächsten Jahr wieder eine Erbschaftssteuerreform geben. Auch diese Debatte ist laut Bach für den erneuten Anstieg verantwortlich: "Als im Sommer klar war, dass das Gericht die Regelung wahrscheinlich kippt, sind viele zum Notar gelaufen", sagt er, "da werden zum Teil dreistellige Millionenbeträge an Minderjährige verschenkt, einfach, weil es momentan noch einmalig günstig ist."

Dafür, dass neben den Schenkungen auch das vererbte Vermögen um immerhin 25,7 Prozent gestiegen ist, ist laut Bach auch der Generationenwechsel verantwortlich: "Die Aufbaugeneration, die in den 1930ern geboren wurde, stirbt langsam", sagt der Ökonom, "und die haben in den goldenen Jahren ab 1958 ordentlich Geld verdient."

Zwei Prozent werden ein Drittel von allem erben

Vermögen ist in Deutschland generell sehr ungleich verteilt. Laut einer aktuellen Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung besitzen die reichsten 0,1 Prozent der Menschen 18 Prozent des gesamten Vermögens – und das spiegelt sich auch im Erbe wider.
Das Deutsche Institut für Altersvorsorge hat die Erbschaften in Deutschland zwischen 2015 und 2024 analysiert. Ingesamt sollen in dem Zeitraum 3,1 Billionen Euro vererbt werden. Während davon ein Drittel auf die reichsten zwei Prozent der Bevölkerung fallen wird, hinterlässt jeder Achte gar kein Vermögen.