Warenhauskette Hertie droht Insolvenz


Die gut 4000 Beschäftigten der Kaufhauskette Hertie müssen um ihre Jobs fürchten: Der britische Hauptinvestor Dawney Day hat selbst Finanzprobleme und sieht sich offenbar außer Stande, die Verluste der Essener Tochter weiter auszugleichen.

Dem Essener Warenhauskonzern Hertie mit 4100 Beschäftigten droht wegen finanzieller Probleme des britischen Hauptinvestors Dawney Day die Insolvenz. Das wurde nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung in Essen aus Finanzmarktkreisen bekannt. Es gebe nur noch "eine kleine Chance, einen Strohhalm", hieß es. Dies müsse aber schnell umgesetzt werden. Dabei gehe es um Stunden oder Tage.

Nach einem Bericht der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung" steht das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium bereits seit Tagen in Kontakt mit der Warenhausgruppe. Nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" erwägt das Ministerium eine Bürgschaft, die unternehmensnahen Kreisen zufolge eine Rettung möglich mache.

Die Kette mit bundesweit 73 Warenhäusern erwirtschaftet seit Jahren Millionenverluste. Für das laufende Geschäftsjahr sollen es nach Branchenschätzungen 30 Millionen Euro sein. Nach einem Bericht des "Westdeutschen Rundfunks" hat das Finanzhaus Dawnay Day bei der Sitzung erklärt, die Verluste nicht länger ausgleichen zu können. Damit seien neue Sicherheiten für die Fortführung des Betriebs nötig, hieß es in den Kreisen.

Das Londoner Finanzhaus hält seit knapp drei Jahren 85 Prozent an Hertie, 15 Prozent besitzt die britische Unternehmensberatung Hilco. Die Investoren hatten die Warenhäuser, die meist in mittelgroßen Städten liegen, 2005 vom damaligen KarstadtQuelle-Konzern (heute Arcandor) gekauft und sie mit einem neuen Konzept als "Nachbarschaftskaufhäuser" neu ausgerichtet. Das weit verzweigte Finanzhaus Dawnay Day ist nach Medienberichten als Folge der Finanzmarktkrise jetzt selbst in Schwierigkeiten.

Laut WDR verhandelt die Essener Geschäftsleitung zur Zeit mit einem möglichen neuen Investor, um die Hertie-Warenhäuser vor dem Aus zu retten. Sollten die Gespräche mit dem potenziellen Käufer negativ ausgehen, müsse Hertie laut Betriebsrat spätestens Montag Insolvenz anmelden.

Die Hertie-Häuser sind in manchen Städten die letzten innerstädtischen Warenhäuser. Eine Insolvenz hätte auch städtebaulich erhebliche Folgen. Der zuständige Sekretär der Gewerkschaft Verdi, Johann Roesch, der auch im Hertie-Aufsichtsrat sitzt, nannte das Konzept des Unternehmens vor wenigen Tagen noch "zukunftsfähig". Wenn Dawnay Day komplett ausfalle, halte er einen Verkauf in Teilen für wahrscheinlicher als den Einstieg eines großen Investors.

Handelsketten stehen derzeit marktweit unter Druck. Vor wenigen Wochen hatte die Textilkette Wehmeyer Insolvenz anmelden müssen. Offiziell zum Verkaufskandidaten erklärt wurden auch die Kaufhof- Warenhäuser.

DPA DPA

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