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Interview

Coronavirus: Warum ein Hamburger Seifenverkäufer ausgerechnet jetzt vor der Pleite steht

Händewaschen ist im Angesicht der Corona-Pandemie angesagt wie nie. Das Hamburger Seifenkontor sitzt trotzdem auf zwei Tonnen Seife und wird sie nicht los. Wie kann das sein? Ein Anruf bei Ladenbesitzer Karsten-Wolfgang Kurth.

Seifenkontor

Seifenhändler ohne Kundschaft: Karsten-Wolfgang Kurth verkauft in seinem Hamburger Seifenkontor palmölfreie Pflanzenseife

Herr Kurth, zum Schutz gegen das Coronavirus waschen wir die Hände so oft und gründlich wie nie zuvor. Das müsste für einen Seifenverkäufer wie Sie doch eine goldene Zeit sein?

Könnte man meinen. Ich habe viele Bekannte, die mir sagen: Du verdienst dich bestimmt jetzt dumm und dämlich. Ist aber nicht so. Während sich die Kunden im Discounter um Hygieneartikel kloppen, herrscht bei uns im Laden gähnende Leere.

Wie kommt das?

Als Drogeriegeschäft dürfen wir zwar geöffnet haben. Aber die Leute trauen sich einfach nicht in den Laden. Man muss dazu sagen, dass wir ein sehr kleiner Laden sind und ein bisschen versteckt liegen. Viel Laufkundschaft haben wir auch sonst nicht, aber im Moment ist es gleich Null. Gleichzeitig erleben wir das Phänomen, dass uns Ebay-Händler anrufen, die unsere Seife gewinnbringend online weiterverhökern wollen. Wir wollen aber weiterhin an den Endkunden verkaufen.

Verkaufen Sie Ihre Seife denn selbst online?

Unser Onlineshop ist leider noch nicht fertig, das fällt uns jetzt auf die Füße. Und um uns bei Ebay zu listen, fehlt uns gerade die Manpower. Da muss man als Händler auch rechtssichere Texte haben, sonst bekommt man schnell eine Abmahnung.

Wieviel Seife verkaufen Sie normalerweise?

Unser Tagesumsatz liegt sonst bei bis zu 300 Euro. Zur Zeit verkaufen wir gar nichts.

Und wie lange halten Sie das durch?

Tja, die Kosten laufen weiter, also Ladenmiete und die Miete fürs Lager. Eigentlich wäre jetzt auch die Umsatzsteuer fürs erste Quartal fällig, da hat uns die Steuerbehörde zum Glück einen Aufschub gewährt. Aber länger als bis Mitte nächsten Monats halten wir so nicht durch.

Die Bundesregierung stellt Selbstständigen jetzt Finanzspritzen ab 9000 Euro über einen Zeitraum von drei Monaten zur Verfügung. Hilft Ihnen das weiter?

Ja, das wäre extrem hilfreich, um durch diese Zeit zu kommen. Aber es ist für uns Kleine sehr schwierig, den Überblick zu behalten, wo es staatliche Unterstützung gibt und wie man da rankommt.

Haben Sie noch Angestellte zu bezahlen?

Nein, im Prinzip bin das nur ich. Und meine Frau arbeitet auch ein bisschen mit. Von dem Laden allein könnten wir sowieso nicht leben. Wir gehen viel auf Messen und Freiluftmärkte, die normalerweise im Frühjahr losgehen. Diese Veranstaltungen fallen jetzt aber leider auch aus, was uns sehr trifft. Dabei haben wir unser Lager extra aufgestockt für diese Märkte.

Auf wie viel Seife sitzen Sie jetzt?

Ich denke, wir haben locker zwei Tonnen Pflanzenseife auf Lager. Wir verkaufen Palmöl-freie Seifen von hoher Qualität aus unserer eigenen Manufaktur. Ein 100-Gramm-Stück kostet vier Euro. Damit können Sie sich mindestens 250 Mal die Hände desinfizieren.

Halten Ihnen wenigstens ein paar Stammkunden die Treue?

Einige wenige rufen an und dann schicken wir die Seife auch gerne. Innerhalb Hamburgs mache ich jetzt das Angebot, dass mein Sohn die Seife mit der Vespa vorbeibringt. Der ist 17 und muss ja gerade nicht zur Schule.

Hier geht's zur Website des Hamburger Seifenkontors

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