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Was mich bewegt Das Turbo-Eltern-Gelaber


Der Staat regelt unsere Arbeitszeiten neu und schon klappt es mit Kind und Karriere? Unfug!, meint stern-Reporter Rolf Herbert Peters und richtet einen dringenden Appell an die Politik.

Dieses ist der dringende Aufruf eines Familienvaters an die Politik: Lasst uns endlich mit euren etatistischen Heilsversprechen in Ruhe! Spart euch diesen Unfug, der Staat könne unsere Arbeitszeiten neu regeln, und schon klappe es mit Kind und Karriere. Neulich hat SPD-Familienministerin Manuela Schwesig die 32-Stunden-Woche für junge Erzeugerduos gefordert. Das ist Psychoterror: Mamas und Papas, ihr könnt, nein ihr müsst es schaffen!

Dabei lässt sich Familie nicht auf Bürozeiten reduzieren. Sie fordert jeden Tag zum Kampf heraus. Die Kleinen liegen morgens mit Fieber im Bett. Nachmittags Mathe üben, zum Sport fahren. Die Ganztagsbetreuung endet um 16 Uhr, wenn im Büro das Meeting beginnt. Und: über zwölf Wochen Schulferien! Mehr als doppelt so viel wie die Eltern. Auch 32-Stunden-Mamas-und-Papas stoßen da an ihre Grenzen, wenn sie nichtgerade mit selbstlosen Omas gesegnet sind.

In keinem Land der EU wird mehr über Kinder und Karriere diskutiert als bei uns – und trotzdem rangieren wir bei der Geburtenrate auf dem letzten Platz. Das liegt auch an diesem "Ihr schafft das“-Gepeitsche. Es vermiest die Lust auf Nachwuchs. Wir sollten es wieder mit Ehrlichkeit versuchen: Kinder bedeuten Verzicht. Für Mutter, Vater oder beide. Das ist nicht weiter schlimm. Nur, liebe Politiker und Arbeitgeber: Wir brauchen dafür eure Einsicht und Unterstützung. Uns fehlt Freiraum – und keine Wochenstunde. Darüber müssen wir reden.

Die Kolumne "Was mich bewegt" ...

... lesen Sie immer schon donnerstags im aktuellen stern.

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