Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
ich war immer recht glücklich darüber, in Deutschland in einer sozialen Marktwirtschaft zu leben. Der Grundgedanke – größtmöglicher Wohlstand bei bestmöglicher sozialer Absicherung für alle – schien und scheint mir absolut erstrebenswert. Klar, das soziale Netz unter der Gesellschaft kostet viel Geld. Aber ist dieses Geld nicht eine gute Investition?
Mich hat es jedenfalls immer beruhigt – und auch dazu motiviert, solidarisch meinen Teil dazu beizutragen, dass das Netz stabil aufgespannt bleiben kann. Um Verhältnisse wie etwa in den USA zu verhindern, wo eine chronische Erkrankung auch Gutverdiener mangels ausreichender Krankenversicherung in den finanziellen Ruin stürzen kann.
Deutsche finden Sozialstaat zu teuer
Nach der Auffassung von Bundeskanzler Friedrich Merz können wir uns den Sozialstaat in der heutigen Form allerdings volkswirtschaftlich nicht mehr leisten. Und eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des stern zeigt: In der Sache gibt das Volk seinem Kanzler durchaus recht. 64 Prozent der Deutschen halten den Sozialstaat in seiner heutigen Form demnach nicht mehr für finanzierbar, selbst in den Reihen der SPD ist das die mehrheitliche Auffassung.
Die Krux für Merz: Obwohl Handlungsbedarf gesehen wird, wird im Prinzip jede vorgebrachte Einzelidee – etwa Einschränkung des Rechts auf Teilzeit oder Streichung der Erstattung von Zahnarztkosten für Kassenpatienten – mehrheitlich abgelehnt. Seit Monaten wird heftig diskutiert.
Von den Koalitionsparteien kommen immer neue Vorschläge – häufig allerdings mit komplett gegensätzlichen Signalen an die Bevölkerung. Dass die angesichts der offensichtlichen Uneinigkeit im Regierungslager verunsichert reagiert, kann auch niemanden wirklich überraschen.
Lindsey Vonn meldet sich aus dem Krankenhaus
Es ist für mich die bislang dramatischste Geschichte dieser Olympischen Winterspiele: Trotz eines Kreuzbandrisses wollte die Ausnahme-Athletin Lindsey Vonn ihre große Karriere noch einmal mit einer Medaille krönen. Doch schon nach 13 Sekunden war der große Traum vorbei.
Vonn verfing sich bei ihrer Ski-Abfahrt mit dem Arm in einem Tor, stürzte und lag danach unter Schmerzensschreien auf der Piste. Mit einem Hubschrauber wurde die 41-Jährige ins Krankenhaus geflogen. Später wurde bekannt, dass sie sich das Schienbein gebrochen hat.
Nach dem Unfall begannen die Diskussionen darüber, ob Vonn zu fahrlässig war und ein Start hätte verhindert werden müssen. Nun schaltete sich die US-Skirennläuferin per Instagram-Post selbst in die Debatte ein. Sie schrieb, dass der Sturz nichts mit ihrer Vorverletzung zu tun gehabt hätte. Und dass sie froh sei, es versucht zuhaben. "Ich bereue nichts", gab Vonn an. Auch, wenn ihr olympischer Traum nicht so geendet habe, wie sie gehofft hätte, so Vonn: "Denn das einzige Versagen im Leben ist, es nicht zu versuchen."
Ich wünsche ihr eine schnelle Genesung.
5-Minuten-Talk: Doktor Merz verordnet Ruhe
Noch mal zurück zu Merz. Der Bundeskanzler hat seiner Partei beim Thema Reformideen vorübergehend Ruhe verordnet. Zumindest bis zu den Landtagswahlen möge sich diese doch bitte mit einzelnen Vorschlägen zurückhalten, die die Leute stark verunsichern könnten.
Meine Kollegen Veit Medick und Jan Rosenkranz diskutieren an dieser Stelle über die Verschreibung des Kanzlers. Vor allem, weil zwei Ideen durchaus interessant seien.
Und sonst? Weitere Schlagzeilen
Das passiert am Dienstag, dem 10. Februar 2026
- Olympische Winterspiele: Diverse Entscheidungen (Hier geht es zum Newsblog)
- Vorstellung der Dunkelfeldstudie LeSuBiA (Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag) zur Gewaltbetroffenheit in Deutschland
- Bundestagspräsidentin Julia Klöckner beginnt Besuch in Israel
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Ich gebe es zu, auch ich schiebe lästige Aufgaben gern mal vor mir her (dieser Newsletter gehört glücklicherweise nicht dazu). Kennen Sie das auch? Dann tappen Sie wie ich in eine selbst gestellte Falle. Das sagt zumindest die Psychologin Anna Morf.
Denn: Diese Prokrastination wirkt zwar kurzfristig beruhigend und schiebt Unsicherheit, Überforderung oder Versagensangst erst mal zur Seite – langfristig werden aber genau diese unangenehmen Emotionen durch die Aufschieberitis verstärkt.
Hier finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, um sich für nervige Aufgaben zu disziplinieren. Am besten sofort lesen und nicht aufschieben.
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Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!
Patrick Rösing