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Wirtschaftskrise: Fed tastet US-Leitzins nicht mehr an

Die US-Notenbank hält angesichts der anhaltenden Rezession an ihrer Nullzins-Politik fest und lässt den Leitzins unverändert bei 0 bis 0,25 Prozent. Er wird wohl noch lange auf seinem historischen Tiefststand verweilen. Fed-Chef Ben Bernanke konzentriert sich nun auf Kreditprogramme und den Aufkauf fauler Hypothekenkredite, um die Konjunkturkrise in den Griff zu bekommen.

Die Federal Reserve (Fed) hat den Leitzins auf seiner Sitzung am Mittwoch in Washington unverändert auf dem seit Dezember geltenden Satz von null bis 0,25 Prozent belassen. In einer Erklärung kündigte die US-Notenbank an, "alle zur Verfügung stehenden Instrumente" einzusetzen, um die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs zu bringen und dabei die Preise stabil zu halten.

Da der Leitzinssatz keinen Spielraum mehr für weitere Senkungen lässt, will die Notenbank zu anderen geldpolitischen Maßnahmen greifen, um der Konjunkturkrise entgegenzusteuern. Die Fed erklärte sich in ihrem Statement bereit, den Ankauf fauler Hypothekenkredite auf dem US-Finanzmarkt noch auszuweiten. Sie sei außerdem auf den Ankauf langfristiger Staatsanleihen "vorbereitet", wenn dadurch eine Verbesserung der Lage auf den privaten Kreditmärkten bewirkt werden könne, hieß es weiter.

Durch einen solchen Schritt könnte die Fed Milliarden Dollar ins Finanzsystem pumpen. Sie ließ in ihrer Erklärung aber offen, ob sie tatsächlich zu diesem unter Ökonomen umstrittenen Instrument greifen wird. Den Fachbegriff "quantitavive Lockerung" vermied sie in dem Statement. Die Notenbank kündigte an, die Zinssätze noch "für einige Zeit" auf dem derzeitigen Tiefststand zu belassen. Ökonomen sagen voraus, dass dies sogar das ganze Jahr 2009 der Fall sein dürfte.

Konjunktur erholt sich frühstens Ende des Jahres

Die Diagnose der Fed zum Zustand der US-Konjunktur fiel skeptisch aus. Seit der letzten Sitzung im Dezember habe sich die Wirtschaftsentwicklung "weiter abgeschwächt", hieß es in der Erklärung. Bei Industrieproduktion, auf dem Immobilienmarkt und auf dem Arbeitsmarkt halte der "steile Abschwung" an. Die Lage auf den Geldmärkten sei weiterhin "extrem gespannt", mit einer "schrittweisen Erholung" der Konjunktur sei erst gegen Jahresende zu rechnen. Jedoch gebe es im Hinblick auf diese Prognose "erhebliche Risiken".

Der Internationale Währungsfonds gab am Mittwoch eine vergleichsweise günstige Prognose für die Entwicklung der US-Wirtschaft ab. So erwartet der IWF, dass die größte Volkswirtschaft der Welt im kommenden Jahr um 1,6 Prozent wächst. Für alle Industriestaaten zusammengenommen sieht der Fonds derweil 2010 nur ein durchschnittliches Plus von 1,1 Prozent. Die Eurozone wird laut der Prognose im kommenden Jahr nur um 0,2 Prozent zulegen.

Seit Ausbruch der Kredit- und Finanzkrise im Sommer 2007 hat die Fed immer neue Programme zu deren Eindämmung aufgelegt. Ihre Bilanzsumme ist von knapp 900 Milliarden Dollar im September 2008 auf 2,05 Billionen Dollar in die Höhe geschossen. Die Zentralbank ist willens, alle möglichen Mittel gegen die Krise ins Gefecht zu führen. Sie ist sich aber auch bewusst, dass es Gefahren gibt: Noch mehr Geld der Steuerzahler wird möglicherweise riskiert, der Samen für eine künftige Inflation gelegt, und unter Umständen werden auch riskante Geschäfte von Unternehmen begünstigt, die sich darauf verlassen, der Staat werde ihnen schon beispringen, wenn es schiefgeht.

joe/AFP/DPA/AP / AP / DPA