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Zweites Quartal: Deutsche Bank fährt erneut Milliardengewinn ein

Sein viel kritisiertes Renditeziel von 25 Prozent hat Josef Ackermann verfehlt, dennoch präsentierte der Deutsche-Bank-Chef erneut gute Zahlen. Das größte deutsche Geldinstitut verbuchte im zweiten Quartal in Folge einen Milliardengewinn. Vor allem das Investmentbanking spülte ordentlich Geld in die Kasse.

Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal dank ihres florierenden Investmentbankings erneut einen Milliardengewinn eingefahren. Unterm Strich verdiente der heimische Branchenprimus von April bis Ende Juni knapp 1,1 Milliarden Euro, wie die größte deutsche Bank am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Im Vorquartal waren es fast 1,2 Milliarden Euro, vor einem Jahr 645 Millionen.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann blieb trotz des zweiten Milliardengewinns in Folge vorsichtig: "Der Ausblick für das verbleibende Jahr 2009 hängt stark davon ab, wie es mit der Entwicklung der globalen Wirtschaft weitergeht", sagte er. Zuletzt hätten sich die Finanzmärkte weiter stabilisiert. Für eine Entwarnung sei es dennoch zu früh, das Umfeld sei unsicher. Er bleibe zurückhaltend, besonders was die Aussichten für den Arbeitsmarkt und die Immobilienmärkte angehe.

"Wir erwarten auch weiterhin Belastungen im Kreditumfeld", erklärte Ackermann weiter. Selbst wenn die Wirtschaft die Talsohle erreichen sollte, dürften die Ausfallraten weiter nach oben gehen. Für dieses Jahr erwartet die Bank ein Schrumpfen der Weltwirtschaft um fast drei Prozent und für 2010 nur ein leichtes Wachstum.

Ihr viel gescholtenes Renditeziel von 25 Prozent vor Steuern verfehlte die Deutsche Bank anders als im ersten Quartal. Der Wert sank auch wegen einiger Sonderbelastungen wie einer deutlich höheren Vorsorge für Kreditausfälle auf 16 Prozent. Im zweiten Quartal profitierte die Bank vor allem von einem glänzenden Ergebnis in ihrer Paradedisziplin - dem Geschäft mit Anleihen und Währungen. Dieses verhalf dem Investmentbanking zu einem Vorsteuergewinn von rund einer Milliarde Euro, nachdem es im Vorjahresquartal noch im Minus war.

Einen Dämpfer gab es dagegen im Geschäft mit Privatkunden. Hier rutschte die Bank wegen Schwierigkeiten in der Vermögensverwaltung und der Verlagerung von Stellen vor Steuern in die roten Zahlen, nachdem sie vor einem Jahr noch 570 Millionen Euro verdient hatte.

Ihre Beteiligungen an heimischen Großkonzernen hat die Deutsche Bank bis Ende Juni fast völlig abgebaut. Einzig der Autohersteller Daimler sei als namhaftes Unternehmen im Portfolio verblieben, hieß es. An den Stuttgartern hält die Bank noch 0,9 Prozent nach 2,5 Prozent Ende März. Die verbliebenen 0,2 Prozent am Industriegase-Spezialisten Linde stieß das Institut komplett ab, nachdem es den Anteil in den Monaten zuvor bereits deutlich reduziert hatte. Durch die Verkäufe strich die Deutsche Bank einen Gewinn von 132 Millionen Euro ein.

Den Wert des verbliebenen Daimler-Anteils bezifferte das Geldhaus zu Ende Juni auf 248 Millionen Euro. Hinzu kommen kleinere Beteiligungen in Höhe von 121 Millionen Euro. Vor einem Jahr hatte die Deutsche Bank noch ein 2,3 Milliarden Euro schweres Portfolio. Zwischenzeitlich hatte sie sich aber unter anderem von ihrem Anteil am Versicherungskonzern Allianz getrennt.

Die Deutsche Bank beschäftigte Ende Juni weltweit knapp 79.000 Mitarbeiter und damit etwas weniger als Ende März. In Deutschland blieb die Zahl der Mitarbeiter mit rund 28.000 stabil.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters