Krankenkassen Sozialbeiträge zu früh abgebucht


Eine neue Panne bei T-Systems stürzt mehrere hunderttausend Firmen in Liquiditätsnöte. Denn dadurch haben verschiedene Krankenkassen mehr Sozialbeiträge abgebucht als vorgesehen.
Von Lorenz Wolf-Doettinchem

Ein EDV-Problem der Telekom-Tochter T-Systems bringt mehrere hunderttausend Unternehmen und Selbständige in Liquiditätsschwierigkeiten. Nach exklusiven Informationen von stern.de haben zahlreiche Krankenkassen am vergangenen Freitag bei den Unternehmen die Sozialversicherungsbeiträge abgebucht, obwohl die Firmen von einer der gesetzlichen Ausnahmeregelung Gebrauch machen wollten.

Unternehmen müssen ihre Sozialbeiträge von 2006 an bereits am Ende des laufenden Monats überweisen und nicht erst Mitte des Folgemonats. Um die Folgen dieser Änderung abzumildern, dürfen sie die Januar-Zahlung auf die kommenden sechs Monate verteilen. Wer von dieser "Sechstelungs-Regelung" profitieren wollte, musste allerdings eine so genannte "Null-Meldung" abgegeben. Jedoch sind nach stern.de-Informationen nur etwa ein Viertel dieser elektronisch abgegebenen Meldungen bei den Krankenkassen eingetroffen.

Die Kassen, darunter etwa die Techniker, Barmer und die DAK, haben daraufhin die Sozialbeiträge routinemäßig geschätzt und bei den Unternehmen abgebucht, wenn diese am Lastschriftverfahren teilnehmen. Diese ungeplanten Abbuchungen dürften dazu führen, dass viele Unternehmen ihre Kreditlinie überschreiten, hohe Überziehungszinsen zahlen müssen oder Zahlungen platzen.

Krankenkassensprecher bestätigt technische Probleme

Sprecher mehrerer Krankenkassen bestätigten auf Anfrage, dass es "technische Probleme" gebe. Eine Sprecherin der Barmer gab an, dass der Dienstleister T-Systems "Probleme hat, die Beitrags-Nachweise zu verarbeiten". Auch eine Sprecherin der Techniker verwies auf die Telekom-Tochter. T-Systems war bereits durch die Problem bei der Software für das Arbeitslosengeld II in die Schlagzeilen geraten war.

Eine Sprecherin von T-Systems sagte dazu: "Aufgrund eines unerwarteten deutlichen Anstiegs der zu verarbeitenden Datensätze ist es in diesem Monat zu Verzögerungen bei der Übermittlung der Datensätze mit den Beitragsnachweisen zur Sozialversicherung gekommen." Inzwischen seien die Kapazitäten vervielfacht worden. Es handele sich "um eine Stauzeit von circa einem Tag", die über das Wochenende abgebaut werden solle.

Dies ist aber für eine große Zahl von Unternehmen zu spät. Da die Beiträge laut Gesetz am drittletzten Bankarbeitstag des Monats, also dem 27. Januar, fällig waren, haben die Krankenkassen die Zahlungen geschätzt und bereits abgebucht. Protestierende Firmen werden nun zur Abgabe von Erstattungsanträgen aufgefordert.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker