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Krankenpolice: Chefarztbehandlung inklusive

Mit Zusatzversicherungen können sich Kassenmitglieder den Status von Privatpatienten erkaufen. Was sie taugen, was sie kosten.

Wer gesetzlich krankenversichert ist, fühlt sich gegenüber den privat Versicherten oftmals als Patient zweiter Klasse. Private bekommen schneller einen Termin beim Arzt, und sie erhalten bessere Leistungen. Kein Wunder, dass Tausende freiwillig Versicherte Jahr für Jahr von der gesetzlichen Krankenkasse zur privaten Konkurrenz abwandern: Allein 2002 waren es rund 363.000.

Mit der Gesundheitsreform erlaubt der Staat den gesetzlichen Kassen, günstige Selbstbehalttarife für freiwillig Versicherte sowie Zusatzversicherungen anzubieten, die jedes Kassenmitglied abschließen kann. Dahinter steht die Hoffnung, den Wettbewerb im Gesundheitssektor anzuheizen. Den gesetzlichen Krankenversicherungen ihrerseits geht es eher um das Eindämmen des Mitgliederschwundes. Sie wollen ihre lukrativste Klientel nicht verlieren: gut verdienende freiwillige Mitglieder mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von mehr als 3862,50 Euro (46350 Euro im Jahr), die mühelos ins Lager der privat Versicherten wechseln können.

Zusatzversicherung:

Diese Zusatzpolice deckt alle Kosten ab, die die gesetzliche Versicherung bislang nicht erstattet hat, zum Beispiel Chefarztbehandlung in der Klinik, Implantate beim Zahnarzt oder die Naturheilbehandlung. Kassenmitglieder konnten eine solche Police schon in der Vergangenheit abschließen, jedoch nur bei privaten Krankenversicherern. Nun dürfen auch die gesetzlichen Kassen in diesem lukrativen Markt mitmischen.

Die Beitragshöhe für die Zusatzversicherung richtet sich nach Eintrittsalter, Gesundheitszustand und Geschlecht. Das bedeutet: Alte zahlen mehr als Junge, Kranke mehr als Gesunde und Frauen mehr als Männer. Zudem sind die Beiträge vom gewählten Leistungsumfang abhängig. Wer schwer krank ist, den kann der Versicherer ablehnen.

Ab 26 Euro/ Monat

Die Zeitschrift "Finanztest", herausgegeben von der Stiftung Warentest, hat 73 Krankenhauszusatzversicherungs-Angebote der privaten Kassen getestet. Fazit: Huk-Coburg, Debeka und LKH sind mit ihrem Tarifen die beste Wahl für Männer und Frauen, die ein Einbettzimmer und Chefarztbehandlung wünschen. Der aktuelle Monatsbeitrag beginnt für Männer bei 26 Euro, für Frauen bei 30 Euro. Wer mit einem Zweibettzimmer plus Chefarztbehandlung vorlieb nehmen kann, sollte sich an die Arag (Männer, 23 Euro) oder Debeka (Frauen, 27 Euro) wenden.

Als erster gesetzlicher Versicherer kam die Barmer mit einer Zusatzversicherung auf den Markt, die sie zusammen mit dem Privatversicherer Huk-Coburg anbietet. Das so genannte Fünf-Sterne-Programm bietet Leistungen von Kostenerstattung über Krankenhaus-Zusatzschutz bis Zahnersatz an. Der Krankenhaustarif liegt beispielsweise bei monatlich 23,46 Euro (Mann, 30 Jahre) und 27,99 Euro (Frau, 30 Jahre), ein 45-Jähriger zahlt 38,38 Euro, eine Frau im gleichen Alter 34,99 Euro. Der Tarif für Zahnersatz ist ab dem 21. Lebensjahr gleich und liegt bei Männern bei 6,42 Euro, Frauen müssen monatlich 8,43 Euro zahlen.

Der Arbeitnehmer zahlt allein

Wichtig für die Kalkulation: An den Kosten für Zusatzversicherungen beteiligt sich der Arbeitnehmer nicht, sie gehen voll zulasten des Versicherten. Weil die gesetzlichen Kassen bei ihren Zusatzangeboten in der Regel nur mit jeweils einem privaten Partner kooperieren, bleibt die Policen-Auswahl für die Kunden beschränkt. Wer eine Zusatzversicherung abschließen möchte, sollte deshalb die jeweiligen Angebote anderer privater Kassen prüfen und sich gegebenenfalls direkt dort versichern. Leistungsvergleiche finden sich im Internet bei Online-Anbietern wie fss-online oder E-Insurance.

Selbstbehalttarife:

Freiwillig gesetzlich Versicherte mit einem monatlichen Einkommen von mehr als 3862,50 Euro können mit deutlich günstigeren Krankenkassenbeiträgen rechnen, wenn sie einen bestimmten Betrag - in der Regel zwischen 200 und 300 Euro - an Krankenkosten zunächst selbst zahlen. Ein solcher Selbstbehalttarif ist in der Autoversicherung gang und gäbe. Entsprechende Offerten der gesetzlichen Krankenkassen lohnen sich vor allem für Versicherte, die absehen können, dass ihre Arztbesuche im Jahr überschaubar bleiben.

Selbstbehalttarife für freiwillig Versicherte bieten unter anderem die Barmer, die DAK, die Techniker Krankenkasse sowie die KKH an. Die AOK will ein solches Tarifmodell allen Versicherten zugänglich machen.

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