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Rürup-Rente: Das unbekannte Wesen

Für viele Selbstständige ist die so genannte "Rürup-Rente" die einzige Möglichkeit, steuerlich gefördert fürs Alter zu sparen. Doch wirklich gut ist sie nur für ältere Top-Verdiener geeignet. Stiftung Warentest hat nun die gängigsten Angebote bewertet.

Der Staat unterstützt seine Bürger bei zwei privaten Altersvorsorge-Modellen: Beim Sparen mit der Riester- und der Rürup-Rente. Während das Riestern boomt, war Rürup bislang kein Renner: Zu wenig rentabel, kompliziert, kaum bekannt. Deshalb wurden vor über einem Jahr die Steuerzügel gelockert. Damit hat ein Rürup-Vertrag nun das Potenzial zum Steuersparmodell - aber längst nicht für Jedermann, sondern vor allem für ältere Top-Verdiener, Selbstständige oder wohlhabende Rentner. Wer profitieren will, muss jedoch weiterhin viele "dicke Kröten schlucken", wie Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern zu bedenken gibt.

Große Leistungsunterschiede

Vor allem sollten Sparer beim Abschluss einer Rürup-Rente sehr genau auf die Konditionen achten: Schon bei der garantierten Auszahlung liegen die Tarife bis zu 100 Euro auseinander, wie die Stiftung Warentest am Dienstag in Berlin berichtete. Wer 6000 Euro im Jahr in einen Rürup-Vertrag einzahlt, bekommt bei 25 Jahren Laufzeit im besten Fall eine Garantierente von 821 Euro im Monat heraus. Im schlechtesten Fall sind es nur 722 Euro.

Die Stiftung Warentest hat 38 Rürup-Rentenverträge für Frauen und Männer getestet. Das Qualitätsurteil "sehr gut" haben die beiden Direktversicherer CosmosDirekt und Europa sowie die Debeka für ihre Angebote erhalten. "CosmosDirekt zahlt unserem männlichen Musterkunden nach 25 Jahren Einzahlung eine garantierte Rente von 821 Euro", sagte der Chefredakteur der Zeitschrift "Finanztest", Hermann-Josef Tenhagen. Bei der Barmenia seien es bei gleicher Ansparleistung fast 100 Euro weniger.

38 Angebote getestet, drei waren "sehr gut"

Auch bei den Angeboten für Frauen führt CosmosDirekt mit 741 Euro Garantierente das Testfeld an. Weitere elf Anbieter bekamen von der Stiftung Warentest das Prädikat "gut", drei wurden jedoch nur mit "ausreichend" bewertet. Die Rürup-Rente wurde 2005 eingeführt. Im Vergleich zur Riester-Rente, für die es Zulagen vom Staat und Steuervorteile gibt, wird die Rürup-Rente nur steuerlich gefördert.

Das Grundkonzept klingt verlockend: Wer mit der Rürup-Rente fürs Alter spart, kann die Beiträge als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Derzeit zu 62 Prozent, bis 2025 dann ansteigend bis auf 100 Prozent. Steuern werden erst nachgelagert auf die Rente fällig, ebenfalls schrittweise. Doch das Rentenmodell ist längst nicht das Steuer-Schnäppchen für Selbstständige, wie es von der Versicherungsbranche gern verkauft wird. Im Gegenteil: Die einzigen, für die der Steuervorteil aufgehen kann, sind ältere Top-Verdiener mit Spitzensteuersatz kurz vor Renteneintritt, warnen Verbraucherschützer.

Das Angebot für Freiberufler

Grob vereinfacht, funktioniert das Konzept so: Freiwilliges Sparen mit Rürup, auch Basis- oder Leibrente genannt, wird vom Staat belohnt. Der Versicherte darf seine Beiträge absetzen und damit seine Steuerlast drücken. Im Ruhestand, frühestens ab dem 61. Lebensjahr, wird eine lebenslange monatliche Rente ausgezahlt. Die muss aber wiederum versteuert werden. Interessant kann die Leibrente für Selbstständige und Freiberufler sein, die nicht rentenversicherungspflichtig sind.

Was das Modell anfangs zum schlechten Geschäft machte, war die so genannte Günstigerprüfung des Finanzamts. Die meisten Selbstständigen konnten ihre Beiträge nicht wie erhofft absetzen. Ihre Ausgaben für Kranken- und Lebensversicherungen waren schon so hoch, dass für Rürup-Beiträge kein Steuerspareffekt mehr übrig blieb. Mit den Nachbesserungen im Jahressteuergesetz 2007 fiel die Günstigerprüfung weg. Und zwar rückwirkend. Ab 1. Januar 2006 wirkt sich nun jeder investierte Cent steuersparend aus. Verbraucherschützer befürchten nun, dass sich Interessenten vom Steuerspareffekt blenden lassen und falsch beraten werden.

Spekulation auf ein langes Leben

Auszahlen kann sich ein Rürup-Vertrag dagegen für ältere Besserverdiener mit hohem Steuersatz, die nur noch wenige Jahre bis zur Rente und viel Kapital zur Verfügung haben. Denn diese "sparen jetzt mehr Steuern als sie später als Rentner Steuern zahlen müssen", erläutert Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten (BdV). Die Beiträge können als Sonderausgaben abgesetzt werden. 2007 zu 64 Prozent, bis 2025 dann ansteigend bis auf 100 Prozent. Wer es schafft, maximal 20.000 Euro pro Jahr allein für Rürup beiseite zu legen und einzuzahlen, kann seine Steuerlast 2007 um 12.800 Euro senken.

Auch wohlhabende Rentner, die ihre Altersversorgung aufbessern wollen, können durch einen Vertrag mit sofortiger Rentenzahlung gegen Einmalbetrag profitieren. Grundsätzlich gilt: Je mehr Steuern man zahlt und je kürzer die Laufzeit des Vertrags ist, desto höher ist die Renditechance. Fürs Steuern sparen müssen allerdings harte Knebel in Kauf genommen werden. So bekommt der Neu-Rentner sein Geld nicht auf einen Schlag, sondern in Häppchen ausgezahlt. Die Police kann nicht zu Geld gemacht werden. Sie ist auch nicht vererbbar. Stirbt der Kunde vorzeitig, bekommen die Erben nichts. Ausnahme: Für Ehepartner und Kinder wurde vorher Hinterbliebenenschutz vereinbart.

spi/AP/DPA / AP / DPA