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Lebensversicherung: Drum prüfe, wer sich lange bindet

Heute unterschreiben, in 30 Jahren kassieren: Woran man gute Lebensversicherungen erkennt - damit die Rente sicher ist.

Ende 2006 setzte ein Run auf Lebensversicherungen ein. Der Grund: Nur noch in den Jahr galt der Garantiezins von 2,75 Prozent. Ab 2007 wurde dieser Satz auf 2,25 Prozent gesenkt. Denn Versicherungen, die vor der Absenkung abgeschlossen wurden, behielten ihren alten, höheren Garantiezins über die gesamte Vertragsdauer hinweg. So verzinsen sich beispielsweise Policen, die in den Jahren 1994 bis 2000 abgeschlossen wurden, bis heute mit ihrem damaligen Garantiewert von vier Prozent. Je nach Finanzmarktentwicklung und Geldanlagegeschick der Versicherungsmanager können sogar noch ein paar Prozentpunkte hinzukommen.

Ein solides Geschäft

Generell sind kapitalbildende Lebensversicherungen für Verbraucher geeignet, die mit einem Sparvertrag sowohl privat für den Ruhestand vorsorgen wollen als auch Angehörige und/oder größere Kredite absichern möchten. Wegen der sehr niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt ist das ein solides Geschäft: Denn zusätzlich zum Garantiezins bieten Lebensversicherungen eine so genannte Überschussbeteiligung. Damit bringen es die Anbieter für das laufende Jahr auf eine Gesamtgutschrift von durchschnittlich 4,2 Prozent.

Lebensversicherungen sind auch zum Riester-Sparen geeignet. Das heißt: Hier gibt es Zuschüsse vom Staat. Bei diesen Policen fällt das Jahresplus im Schnitt etwas niedriger aus. Riester-Interessenten sollten deshalb auch staatlich geförderte Vorsorgeangebote von Banken und Fondsgesellschaften einholen - zumal die Auswahl eines soliden Versicherers immer schwieriger wird. Mehr als zwei Prozentpunkte beträgt der Verzinsungsunterschied, der die besten von den schwächsten Anbietern trennt. Das zeigt eine Umfrage der Kölner Analysefirma Assekurata unter 88 Versicherungen.

Vorsicht vor ausländischen Angeboten

Zu den Schwachen zählen auch markenbekannte Anbieter wie Gerling, Victoria und Arag. Heillos abgeschlagen ist der deutsche Ableger des französischen Axa-Konzerns. Gerade noch drei Prozent plus wird den Kunden dieses Jahr gewährt. Kein Wunder, dass die Axa nun lieber Policen ausländischer Machart unter die deutsche Kundschaft bringen will. Das neue Angebot mit dem blumigen Namen "TwinStar" verspricht zwar etwas mehr Rendite, ist aber nicht mit heimischen Offerten vergleichbar. TwinStar-Kunden werden Zinsen nicht mehr jährlich gutgeschrieben, sondern erst am Ende der Vertragslaufzeit. Der sichere Zinseszinseffekt entfällt - aus Verbrauchersicht ein fragwürdiges Geschäft.

Aber auch gute Angebote haben bisweilen ihre Tücken. Die Kölner Asstel zum Beispiel lockt mit 5,1 Prozent Jahresgutschrift. Damit liegt der Anbieter in Ranglisten weit vorn. Wer bei der Asstel eine Riester-Police unterschreibt, bekommt sogar 5,55 Prozent versprochen - allerdings nur für das laufende Jahr. Spätere Absenkung nicht ausgeschlossen. Altkunden der Asstel haben das schon in diesem Jahr zu spüren bekommen: Ihnen werden 0,5 Prozent weniger gutgeschrieben als Neukunden.

Ein solches eher undurchsichtiges Geschäftsgebaren ist kein Einzelfall: Auch Gutingia, Victoria und Gerling behandeln ihre Kunden nicht mehr gleich. Diese Lebensversicherer vergeben ebenfalls - je nach Garantiezins bei Vertragsabschluss oder aktuellen Werbeideen - unterschiedlich hohe Gutschriften. So entpuppen sich manche Schnäppchen schnell als zweite Wahl.

Frank Donovitz / print
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