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Todesfallschutz für Risikokunden: Was Raucher, Dicke und Biker beachten sollten

Sie fahren Motorrad oder stehen auf Segelfliegen? Dann sind Sie in den Augen der Versicherer ein Kandidat für einen frühen Tod. Wie Ihre Lebenserwartung kalkuliert wird und was Sie tun können.

Von Anna Gentrup

Wer riskant lebt, muss für eine Risikolebensversicherung mehr zahlen

Wer riskant lebt, muss für eine Risikolebensversicherung mehr zahlen

Risikolebensversicherungen schützen Hinterbliebene vor finanzieller Not, falls der Versicherte stirbt. In dem Fall zahlt der Versicherer einmalig eine höhere Summe an die Hinterbliebenen aus – oder an eine Bank, falls die Police einen Kredit absichert. Anbieter berechnen ihre Tarife immer individueller. Dafür nehmen sie fast jeden Lebensbereich ihrer Kunden unter die Lupe.

Versicherer verlangen von Kunden mit erhöhtem Sterberisiko höhere Beiträge. Denn wenn ein Kunde während der Vertragslaufzeit stirbt, müssen sie eine hohe Summe auszahlen. Dabei gilt: Je höher das Risiko, desto mehr muss der Kunde für den Schutz zahlen. Besonders tief in die Tasche greifen müssen Raucher, Übergewichtige oder Menschen mit riskanten Hobbys. stern.de erklärt, was die Versicherer Ihnen alles negativ auslegen und wie Sie am geschicktesten vorgehen.

Raucher müssen deutlich mehr zahlen

Versicherer werben mit günstigen Tarifen, bieten sie aber nicht jedem Interessenten an. Nur wer mit minimalem Risiko lebt, erhält den Schutz schon zum geringen Preis. Für Raucher sind Risikolebensversicherungen besonders teuer. Bei der Deutschen Lebensversicherungs-AG, einer Tochterfirma der Allianz, sind die Raucherbeiträge mehr als drei Mal so hoch wie die für Nichtraucher: Ein Nichtraucher unter 35 Jahren muss bei risikoarmer Lebensweise etwas mehr als 8 Euro im Monat zahlen. Dafür erhält er eine Police von 20 Jahren Laufzeit, die im Todesfall 150.000 Euro auszahlt. Einen Raucher kostet der Schutz bei ansonsten gleichen Bedingungen monatlich fast 30 Euro.

Extrakilos kosten extra

Versicherer erfragen in ihren Antragsbögen die Größe und das Gewicht des Interessenten. Mittels dieser Angaben berechnen sie den Body-Mass-Index (BMI). Fällt der Wert besonders hoch aus, muss der Kunde einen Aufschlag zahlen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht bereits ab einem BMI von 25 von einem erhöhten Erkrankungsrisiko aus. Doch die Versicherer sind meist gnädiger: Die Cosmos Direkt berechnet den Übergewichts-Aufschlag erst ab einem BMI von 31. Bei einem Wert von 33 oder mehr verlangt der Versicherer einen Arztbericht.

Hohe Beiträge für Risikosport

Wer riskante Hobbys betreibt, muss höhere Beiträge zahlen. Versicherer berechnen für einige Sportarten wie Paragliding oder Segelfliegen einen Risikoaufschlag. Das gilt auch für Motorradfahrer. Nicht alle Risiko-Hobbys kosten gleich viel: Für wirkliche Extremsportler wie Eiskletterer oder Apnoe-Taucher ist der Risikolebens-Schutz deutlich teurer.

Kinder sind ein Pluspunkt

Auch die Lebenssituation des Kunden hat Einfluss auf dessen Versicherungsbeiträge. Versicherer ziehen aus der Bildung, dem Beruf und dem Familienstand des Versicherten Rückschlüsse auf dessen Risiko, eines frühen Todes zu sterben. Im Haushalt lebende Kinder senken die Risikobewertung ihrer Eltern. Versicherer interessiert außerdem der Beruf des Kunden. Die Allianz bewertet nicht nur körperlich Arbeitende als höheres Risiko. Dem Versicherer gilt der vorzeitige Tod hoch qualifizierter Büroangestellter als weniger wahrscheinlich als der ihrer geringer qualifizierten Kollegen.

Bei aller Detailanalyse interessiert Versicherer lediglich die Risikosituation bei Vertragsschluss. Nur wer später das Rauchen anfängt, muss das melden. Ob ein fitter Familienvater mit Hochschulabschluss später übergewichtig, arbeitslos und alkoholabhängig wird, ist den Versicherern egal. Wer sich zu günstigen Konditionen absichert kann davon meist langfristig profitieren.

Was Kunden vorab tun sollten

Wer ein günstiges Angebot sucht, sollte nicht selbst bei Versicherern anfragen, raten Verbraucherschützer. Denn insbesondere Personen mit hohen Risiken droht ein Eintrag im Hinweis- und Informationssystem-System (HIS) der Branche. Das funktioniert wie die Schufa und soll eigentlich auf Versicherungsbetrüger hinweisen. Dort können Versicherer jedoch auch Risiken eines gefährlichen Berufs oder einer Vorerkrankung vermerken. Dann können auch andere Versicherer die persönliche Risikosituation einsehen.

"Interessenten sollten die Risikovoranfrage über einen Versicherungsberater oder -Makler nutzen", rät Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Dabei holt der gewählte Vermittler mittels anonymisierter Daten des Versicherten Angebote verschiedener Anbieter ein. Wird später ein Vertrag geschlossen, erhält der Makler eine Courtage vom Versicherer. Für die Arbeit eines Versicherungsberaters muss der Kunde ein Honorar zahlen – ob er eine Versicherung wählt oder nicht.

Beim Versicherungsantrag sollten es Kunden genau nehmen, rät Timo Voss, Berater beim Bund der Versicherten. "Eine akribische Vorgehensweise hilft, damit im Schadensfall keine Probleme auftauchen", sagt Voss. Fragt der Anbieter etwa nach ärztlichen Behandlungen, dann muss der Kunde auch Vorsorgeuntersuchungen und den Arztbesuch wegen eines grippalen Infekts angeben. Keinesfalls sollten Interessenten Risiken verschweigen. Das gefährdet den Versicherungsschutz.