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Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherung: Risiko 3: Unfall & Arbeit

Es ist die am meisten verdrängte Gefahr: den Lebensunterhalt nicht mehr verdienen zu können. Unfall- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen mildern die Folgen

Aus der Absicherung von Unfall- und Berufsunfähigkeitsrisiken hat sich der Staat weitgehend zurückgezogen. Die Angebote der Versicherer sind daher für die meisten Bürger zu einem Muss geworden. Das Problem: Viele wissen dies nicht. Nur wer vor 1961 geboren ist, bekommt überhaupt noch eine gesetzliche Unfallrente. Jüngere erhalten vom Staat nur die sogenannte Erwerbsminderungsrente, wenn sie weniger als drei Stunden pro Tag einer Tätigkeit - unabhängig von der Qualifikation - nachgehen können. Die Höhe dieser Zahlung hängt von den bis dahin geleisteten Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung ab. In keinem der Fälle reicht die staatliche Versorgung aber zum Leben aus. Private Vorsorge ist daher Pflicht.

Private Unfallversicherung:

Sie mindert die finanziellen Folgen eines Unfalls. Ihr Versprechen: Der Versicherte bekommt meist einmalig eine bestimmte Summe ausbezahlt. Bei anderen Angeboten erhält er Betreuungsleistungen oder eine monatliche Rentenzahlung, die vom Grad der Invalidität abhängt. Für den Verlust eines Arms zahlt die Assekuranz beispielsweise 70 Prozent der vereinbarten Versicherungssumme, bei einer Hand sind es 55 Prozent. Besonders für Kinder, Studenten und Auszubildende, die möglicherweise ihr ganzes Leben mit einer Behinderung leben müssen, ist eine private Unfallversicherung empfehlenswert. Gleiches gilt für Hausfrauen und -männer sowie für Freiberufler und Unternehmer, die keine gesetzliche oder berufsständische Absicherung haben.

Die Kosten für eine Unfallversicherung hängen vom Beruf und von der Höhe der gewählten Versicherungssumme ab. Verabreden lässt sich eine sogenannte Progression auch über mehr als 100 Prozent. Damit erhält man im Falle einer Teilinvalidität, absolut gesehen, mehr Geld. Gängig sind neben einer Progression von 100 auch 225 oder 350 Prozent. Generell gilt es bei Unfallversicherungen zu bedenken, dass Invalidität häufig auch als Folge von Krankheiten auftritt. In diesen Fällen zahlt eine Unfallversicherung nicht. Vom Vermittler wird oft auch die Absicherung eines Krankenhaustagegeldes angeboten. Es wird für Arbeitnehmer ab dem Ende der Lohnfortzahlung (43. Tag), für alle anderen ab dem ersten Behandlungstag ausgezahlt und läuft maximal ein Jahr lang. Kinder können es jedoch nicht beanspruchen.

Tipp:

Die Versicherung zahlt nicht, wenn ein Unfall aufgrund von Alkoholeinfluss passiert ist. Gefährliche Sportarten (Fallschirmspringen, Paragliding und so weiter) müssen separat abgesichert werden.

Berufsunfähigkeitsversicherung:

Berufsunfähigkeit, im Branchenjargon "BU" genannt, gehört besonders für junge Menschen, gerade wenn sie bereits eine Familie haben, zu den größten Risiken. Die Einkommensausfälle einer frühen Berufsunfähigkeit können enorm sein. Eine Versicherung ist deswegen absolut empfehlenswert. Das Prinzip der BU-Police ist einfach: Man zahlt regelmäßig einen Jahresbeitrag. Wird man arbeitsunfähig, zahlt die Versicherung bis zum Beginn des Rentenalters oder dem Ende der vereinbarten Laufzeit eine BU-Rente. Eine BU-Versicherung ist für Arbeitnehmer sogar der Unfallversicherung vorzuziehen, denn die BU-Police zahlt sowohl bei Unfall als auch bei einer permanenten Erkrankung. Und für den Verlust der Arbeitsfähigkeit sind zu 90 Prozent Krankheiten verantwortlich.

Die hohen Kosten für die Versicherer machen BU-Schäden zu einem der häufigsten Streitfälle mit den Kunden. Verbreitetster Ausweg für die Konzerne, um an einer Rentenzahlung vorbeizukommen: Die Angaben über Vorerkrankungen wurden nicht wahrheitsgemäß oder lückenhaft gemacht. An diesem Punkt sollten Versicherte bei Abschluss sehr sorgfältig vorgehen. Im Streitfall drohen jahrelange Prozesse. Umgehen lassen sich rechtliche Fallstricke der BU-Police am einfachsten mit totaler Offenheit. Das Stichwort heißt: vorvertragliche Anzeigepflicht. Ein Hexenschuss, der nicht angegeben wurde, reicht dem Versicherer oft, die Zahlung abzulehnen. Gibt man Rückenleiden oder gar psychische Erkrankungen an, lehnen die Versicherer meist sogar schon den Abschluss ab oder versichern nur gegen hohe Zuschläge. In solchen Fällen ist die Unfallversicherung eine Alternative.

Tipp:

Alle Ärzte, bei denen man in den vergangenen Jahren in Behandlung war, um Abschriften der Krankenkarten bitten und bei Abschluss der Versicherung einreichen. Das ist aufwendig, verhindert aber am wirkungsvollsten, dass der Versicherer sich vor Zahlungen drückt. Ein Qualitätsmerkmal von BU-Angeboten ist in diesem Zusammenhang auch, wie viele Jahre der Versicherer auf sein Rücktrittsrecht besteht. Danach kann er sich nicht mehr darauf berufen, dass die Anzeigepflicht von Vorerkrankungen verletzt wurde. Am besten sind Verträge, die bereits nach fünf Jahren auf dieses Recht verzichten. Und: Wie bei der Lebensversicherung auch, sollte der Vertrag für eine gewisse Zeit beitragsfrei gestellt werden können, ohne dass danach eine erneute Gesundheitsprüfung ansteht. So lassen sich etwa Zeiten von Arbeitslosigkeit überbrücken.

Guter, sprich ausreichender Berufsunfähigkeitsschutz ist nicht gerade billig. Eine versicherte Monatsrente von 1000 Euro kostet je nach Anbieter gut 600 Euro sogenannten garantierten (gleich maximalen) Jahresbeitrag. Weniger sollte man kaum abschließen, denn sonst reichen im Falle der Berufsunfähigkeit die monatlichen Zahlungen nicht aus, um davon zu leben. Die Höhe der Beiträge hängt stark vom Alter bei Abschluss der Versicherung ab: Je jünger der Kunde, desto geringer sind die Kosten, denn die Versicherungen haben ein geringeres Risiko und bekommen länger Beitragszahlungen. Einfluss auf die Höhe hat auch der Beruf: Büroarbeiter zahlen weniger als beispielsweise Dachdecker. Wer körperlich arbeitet, hat ein höheres Risiko, berufsunfähig zu werden, und ist danach auch weniger gut in anderen Berufen einsetzbar.

Die Kosten von BU-Verträgen zu vergleichen ist somit schwierig, zumal die Versicherer unterschiedliche Rechenmodelle anbieten: Teils werden erwirtschaftete Gewinne, also Überschüsse, nicht zur Erhöhung der BU-Rente verwendet, sondern um den Beitrag zu reduzieren. Vorteil: Man spart direkt. Nachteil: Der Wert der versprochenen Rente schwindet mit der Inflation. Nach einigen Jahrzehnten kann man dann deutlich unterversichert sein. Grundsätzlich sind in den Angeboten der Versicherungen immer eine garantierte Mindestrente plus die prognostizierten Überschüsse ausgewiesen.

Tipp:

Den BU-Schutz kann man eigenständig oder in Kombination mit einer Lebensversicherung abschließen. Aus BU wird dann im Fachjargon BUZ, wobei das Z für Zusatz steht. Wer ohnehin den Todesfall-/Vorsorgeschutz einer Lebens- Police will, sollte sich ein BUZ-Angebot machen lassen. Ein Vertrag ist in der Regel günstiger als zwei.

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