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Verbraucher: Kein Rettungsanker: Policen gegen Arbeitslosigkeit

Arbeitsplatz verloren, Kredite geplatzt, Auto weg, Haus unter dem Hammer: gegen solche Existänzängste tauchen vermehrt private Versicherungen auf. Besser ist aber: Selber sparen.

Arbeitsplatz verloren, Kredite geplatzt, Auto weg, Haus unter dem Hammer: Solche Existenzängste plagen derzeit Millionen von Bundesbürgern. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit umwerben Versicherer, Banken und Firmen die Bürger mit privaten Versicherungsangeboten gegen die Folgen des Jobverlustes. Doch Verbraucherschützer raten dringend vor Hals-über-Kopf-Abschlüssen ab. Vermeintliche Rundumsorglos-Versprechen gehörten sorgfältig auf Sinn und Nutzen überprüft.

Besser: Selber sparen

Theo Pischke, Fachmann bei "Finanztest", gibt zu bedenken: Versicherungen gegen Jobverlust kosten Geld und helfen auf Dauer nicht aus Zahlungsschwierigkeiten heraus. Angebote klängen "besser als sie meist sind", meint er. Sein nüchternes Fazit: Ist die Stelle weg, müssen sich Betroffene einschränken. Da hilft auch eine private Police gegen alle möglichen Facetten von Arbeitslosigkeit nicht viel weiter. Bei selbst verschuldeter Kündigung greift sie ohnehin nicht. Sein Alternativtipp zum kostspieligen Versicherungsschutz: Selbst sparen, wenn die Furcht vor Notzeiten überhand nimmt.

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Versicherungsschutz erst nach Wartezeit

Wissen Arbeitnehmer jetzt schon ganz sicher, dass sie bald entlassen werden, sollten sie sich auf keinen Fall noch auf die Schnelle zur Unterschrift überreden lassen. Die Police macht für sie keinen Sinn. Denn der Versicherungsschutz beginnt erst nach einer bestimmten Wartezeit. Je nach Angebot bewegt sich die Zeitspanne zwischen vier Monaten und zwei Jahren, wie Pischke erläutert. Ältere Beschäftigte, die auf den Ruhestand zugehen, werden als Kunden oft gar nicht mehr akzeptiert.

Absicherung teurer Konsumgüter

Grundsätzlich soll eine Arbeitslosigkeitsversicherung folgendermaßen greifen: Wird der Versicherte entlassen, springt das Versicherungsunternehmen eine Zeit lang für laufende Ausgaben wie Versicherungsbeiträge aller Art, Darlehen, Restschulden oder Raten ein - je nachdem, wie die Police gestaltet ist. Es gibt viele unterschiedliche Varianten. Immer mehr Versicherer und Banken spezialisieren sich inzwischen auf die Absicherung teurer Konsumgüter wie Motorräder oder Autos und Möbel.

Zeitlich begrenzt

Andere Policen übernehmen bei Finanzengpässen durch Arbeitslosigkeit zeitweise die Prämien für Kranken-, Unfall- oder Rechtschutzversicherung. Oder die Verpflichtungen von Häuslebauern und Wohnungskäufern, wenn diesen das Geld ausgeht, um ihre Schulden abzuzahlen. Allerdings meist nur bis zu zwei Jahre lang. Dann muss der Schuldner selbst zusehen, wie es weiter geht.

Autofirmen locken mit eigenen Policen

Auch Autofirmen wie Opel und Volkswagen locken inzwischen mit eigenen Versicherungsmodellen gegen Jobverlust. Beide Unternehmen versprechen unter anderem, maximal zwölf Monatsraten eines Ratenkäufers zu übernehmen, wenn dieser arbeitslos wird. Bleibt der Kunde auch nach dem Jahr ohne Job, muss er seine Raten wieder selbst zahlen, wie "Finanztest" erläutert.

Meist rechnet es sich nicht

Eine andere Versicherungsvariante lockt damit, bei Jobverlust das gesetzliche Arbeitslosengeld aufzustocken. Allerdings auch nur höchstens ein Jahr lang. Nach Ansicht von Pischke rechnet sich eine solche Police nur selten. "Mit größter Vorsicht sind aber die Kreditversicherungen zu genießen", warnt Pischke. Die Modelle seien ziemlich teuer und lohnten sich kaum. Wer unbedingt Vorsorge treffen wolle, solle sich lieber an die Redewendung halten: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.

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