VERBRAUCHER Reicht der Wettbewerb der privaten Kassen?


Die Stiftung Warentest fordert bessere Wechselmöglichkeiten für privat Krankenversicherte. Immer noch sind die Unterschiede im Preis-Leistungs-Verhältnis und bei Beitragsentwicklung zu groß.

Wer derzeit seine Privatpolice etwa wegen zu stark gestiegener Beiträge kündigt, habt nichts davon, weil dann die über die Jahre angesammelte Altersrückstellung verfällt. Um den Wettbewerb um bestehende Kunden zu ermöglichen, sollte diese Rückstellung übertragbar sein, forderte der Leiter der Abteilung Finanzdienstleistungen, Peter Schütt. »Nur so ist ein Wechsel zu einer anderen Gesellschaft ohne Nachteile für den Versicherten möglich.«

Einladung zum Schröpfen

Bislang kann der an einen teuren Vertrag gebundene Kunde nur beim selben Versicherungsunternehmen nach einem günstigeren Tarif suchen. »Das System ist geradezu eine Einladung, den Versicherten zunächst mit zu preiswert kalkulierten Prämien anzulocken und anschließend dann zu schröpfen«, sagte der Chefredakteur der Zeitschrift »Finanztest«, Hermann-Josef Tenhagen. Ende 2000 hatten die privaten Krankenversicherer in Deutschland nach Angaben der Stiftung Warentest 116 Milliarden DM (59,3 Mrd Euro) an Altersrückstellungen eingesammelt.

Zu viele Angebote mangelhaft

Ein Test von 358 Krankenversicherungsangeboten in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift kommt zu großen Unterschieden bei den Tarifen. Zwar wurden insgesamt 13 Angebote mit »sehr gut« bewertet, eben so viele mit »mangelhaft«.

Beiträge nicht an Einkommen gebunden

Gute und sehr gute preiswerte Offerten gibt es genug, fassten die Vertreter der Stiftung Warentest zusammen. »Wer seine Familienplanung noch nicht abgeschlossen hat, sollte vor dem heute günstig wirkenden Wechsel aber noch einmal innehalten.« Denn in der privaten Krankenversicherung sind Kinder nicht beitragsfrei mitversichert. Auch wer seine berufliche Zukunft noch nicht gesichert sieht, sollte zwei Mal überlegen, ob er wirklich wechseln will. Anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung sinken die Beiträge bei den privaten nicht, wenn das Einkommen runtergeht.

Für Männer günstiger

Privat versichern können sich Selbstständige, Beamte und Arbeitnehmer mit einem Jahresbruttoeinkommen von mindestens 78.300 DM. Für Männer ist die Privatversicherung günstiger als für Frauen. Insgesamt waren im Jahr 2000 rund 7,5 Millionen Menschen in Deutschland privat versichert - rund 166.000 mehr als im Jahr zuvor.


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