Im Vorwort kündigt das Genie sein nächstes großes Projekt an: die Vollendung der eigenen Unsterblichkeit. "Ich stehe im Kontakt mit Wissenschaftlern aus aller Welt, die an der Möglichkeit arbeiten, den menschlichen Körper durch Einfrieren zu konservieren. Dalí wird der erste Mensch sein, der dank einer dieser Methoden seine Zeit überlebt und neue Zeit gewinnen wird, noch zehn Millionen Dinge zu verwirklichen." So weit kommt es nicht. 1984 verliert Dalí in der Hitze eines Zimmerbrandes beinahe sein Leben. Mit schlimmen Brandnarben, umgeben von korrupten Beratern und gebrochen durch den Tod der Gefährtin Gala, stirbt er fünf Jahre später in Figueras.
Lotte Tarps Karriere begann mit dem Happening. Sie spielte in mehr als zwei Dutzend Kinofilmen und Fernsehserien mit, wurde zu einer der bekanntesten Schauspielerinnen Dänemarks. Eines Tages steht sie bei einer Dalí-Ausstellung im Louisiana-Museum plötzlich sich selbst gegenüber: Dalí hat sie mit gefalteten Händen und einem Glorienschein über dem Kopf engelsgleich verewigt. "Die Zeit in Port Lligat war für Lotte eine magische Erfahrung", sagt Niels Jorgen Steen, ihr Ehemann. "Sie war fasziniert von Dalí - ganz so, wie er eine Zeit lang von ihr fasziniert war. Andererseits war es aber auch nur eine seltsame Episode in ihrem Leben voller seltsamer Episoden."
Mit 53 Jahren schrieb sie ein erfolgreiches Buch über ihre Kindheit als Tochter eines deutschen Besatzungssoldaten, vier Jahre später starb sie an Krebs. Werner Bokelberg verließ später den stern und wurde ein weltweit renommierter Mode- und Werbefotograf. Seitdem stehen die interessantesten Menschen und die teuersten Models vor seiner Kamera, doch ein Charakter wie Dalí ist ihm nie wieder begegnet. "Geniale Grenzgänger wie er, die ihr Leben ohne Rücksicht auf Verluste auskosten", sagt Bokelberg, "die gibt es heutzutage einfach nicht mehr."
Neuauflage Werner Bokelbergs Bildband "Da Da Dali" erscheint aus Anlass des 100. Geburtstags des Künstlers wieder im Kerber-Verlag (32 Euro). Die Fotos werden vom 11. bis zum 28. Mai in der Hamburger Galerie Thomas Levy und vom 14. Mai bis zum 3. Juli in der Münchner Galerie Hoffmann gezeigt.