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Mehr als zweimal kann kaum einer

"Komm so oft Du kannst", lautet das Angebot des "Pussy Clubs", dem ersten Flatrate-Bordell Berlins. stern.de-Autor Roland Brockmann hat dem Etablissement einen Besuch abgestattet und festgestellt, dass die Rechnung für Wirtin und Mädchen aufzugehen scheint.

Romantiker des Rotlichtmilieus muss der Empfang im "Pussy Club" deprimieren. Die erste Frage gilt der Schuhgröße. Den Geiz-ist-Geil-Kunden allerdings wird das Angebot sofort überzeugen: Gegen Entrichtung der Eintrittsgebühr übereicht die Empfangsdame ein Paar passender Adiletten, Schrankschlüssel nebst Handtuch, dann weist sie ihn Richtung Umkleideraum - eher schlicht gestaltet, aber sehr sauber. Auf einem der Schließfächer klebt vergessen der Sticker "Ein Herz für Kinder".

"Viel Vergnügen", wünscht die Dame, als ginge es hier ins Spaßbad der Berliner Wasserwerke und nicht in einen Freudentempel mit 17 willigen Mädels, allesamt knapp bekleidet, zu so ziemlich allem bereit, dies immer wieder und zwar ohne Aufschlag zu berechnen - Geschlechtsverkehr zum Flatratetarif.

"Komm so oft Du kannst" lautet das Angebot des ersten Pauschalpuffs der Hauptstadt - ein Knüller wie aus der Welt der Telefontarife. Für die einmal entrichtete Summe von tagsüber 70 Euro kann der Kunde nun auch in der Horizontalen endlos kommunizieren - begrenzt allein durch die eigene Potenz, und hier setzt denn auch die Geschäftsidee vom Pussy-Club an.

Mehr als zweimal kann kaum einer

"Der Mann überschätzt sich gerne", sagt Besitzerin Patricia Florein, 25, im siebten Monat schwanger. Mehr als zweimal könne kaum einer. Die gebürtige Ungarin macht keinen Hehl aus ihrem Rechenmodell. Im klassischen Laufhaus müsse der Gast pro Nummer rund 30 Euro abdrücken, "mal zwei macht bereits sechzig", rechnet sie vor. Und da schaue die Hure genau auf die Uhr. Im "Pussy Club" hingegen spiele Zeit keine Rolle, und an der Bar kann der Kunde immer wieder Energie tanken, neben Sex sind auch die Drinks inklusive: Bier, Wein, Gintonic - gerne wird nachgeschenkt, solange niemand ausfällig werde.

"Wir wollen hier etwas bieten, was der Gast zu Hause so nicht findet", verspricht Frau Florein und meint damit auch Gruppenaktivitäten: Das Geschehen in den Separées wird durch die Perlenvorhänge kaum gefiltert; und diese Transparenz soll die Gäste durchaus zum Mitmachen einladen - schafft nebenbei aber auch mehr Sicherheit für die Mädchen.

Denen übrigens scheint das Flatratesystem entgegen zu kommen, werden sie selbst doch auch pauschal und nicht nach Einsatz entlohnt. 100 bis 200 Euro pro Schicht - kein fürstliches Salär für einen doch sehr fürsorglichen Dienst, aber doch ein regelmäßiges Einkommen in unsicheren Zeiten.

Die Arbeitskleidung endet kurz unterm Hintern

Jessica findet es hier besser als im klassischen Bordell. Die zierliche und sehr hübsche Rumänin, 20, trägt schwarze Leggins, ein legeres Spaghettitop, Flipflops und kein Make-up. Ihre dunklen Haare sind zu einem Zopf gebunden, die Fingernägel unlackiert. So wie sie jetzt da hockt und munter erzählt, wirkt sie eher wie eine Austauschstudentin. "Aber nein, das ist nicht meine Arbeitskleidung." Die sei "sehr sexy" betont sie, während ihre Hand andeutet, wo ihr Dress normalerweise aufhört, nämlich kurz unterm Hintern. "Ich mag es, mich zu stylen." Als eine Art Kostümierung? Aber nein. Jessica sei immer Jessica, behauptet sie, auch während der Arbeit, auch wenn sie privat natürlich anders heiße. Einen Freund hat sie nicht, und will auch keinen, weil Männer doch nur ihr Geld wollen, sobald die wüssten, womit sie es verdient.

Seit drei Monaten teilt sie sich mit einer Freundin im Stadtteil Neukölln eine Wohnung. Vorher hat sie auf Zypern gearbeitet. Das sei viel nerviger gewesen, weil bei den Frauen unter Bordellbedingungen soviel Konkurrenz bestünde. Hier hingegen seien die Beziehungen der Mädchen entspannter - und Berlin, da strahlt ihr Gesicht, sei "einfach super". Der Daumen weist nach oben, und man möchte ihr fast glauben, wüsste man nicht, um was es hier eigentlich geht.

Tatsächlich kommt das Etablissement in dem biederen Mehrfamilienhaus zwischen S-Bahnschienen und Gebrauchtwagenhändler hinterm Flughafen Schönefeld eher wie ein Sauna- oder Swingerklub daher. Nur die Sauna fehlt noch, dafür ist gut geheizt. 15 Uhr, Tagesschicht im Pussy-Club. Die Souterraintür zum hauseigenen Parkplatz ist schwer in Bewegung. "Habt ihr noch auf", fragt gerade ein Typ in Parka und Trendschuhen, der wirkt als hätte er um die Ecke sein Skateboard abgestellt.

"Ja, aber nur noch eine Stunde." Hm. Man merkt wie der Kopf des hippen Burschen rechnet, ob sich das für ihn noch lohnt, und schließlich nickt. Siebzig Euro, der Tagestarif, wandern über den Tresen und ein Paar desinfizierter Gummilatschen Nummer 45 zurück. Er wird sich ranhalten müssen.

Wenig später sieht man, wie er die enge Treppe hochschlappt. Ihm entgegen steigt ein älterer Herr hinab - Begegnung zweier Generationen, für einen Moment wie uniformiert in Badetücher vereint. Erst als der Herr aus der Umkleide mit Krückstock und Stoffbeutel auftaucht, wird man auch der unterschiedlichen sozialen Welten gewahr. Egal, ob Banker, Student oder Rentner, hinter dem Umkleideraum scheinen alle erst mal gleich. Aber sind sie es auch für die Mädchen?

Sei ehrlich Jessica, auf welche Typen stehst Du denn so? Brad Pitt oder Danny de Vito? "Ich brauch auf jeden Fall mal was zum Anfassen." Und dann fällt ihr Blick auf Eddi, der gerade Kaffee bringt, breit wie ein Schrank, der muskulöse Ruhepol des Klubs, auch er in Schlappen wie ein Bademeister, aber mit abgeschnittenen Jeans und falschem Lacoste-Hemd. Der also könnte es, jedenfalls nach Statur, sein für die zierliche Jessica.

Küssen, damit hat Jessica kein Problem

Und was macht sie so mit den Gästen? Noch so eine indiskrete Frage, aber Jessica hat kein Problem damit. "Küssen, das ja, anal... ." Hier schaltet sich dann doch lieber die Chefin ins Gespräch ein: "Anblasen ohne Gummi" gehöre zum normalen Service; ein Fachterminus, der unter Laien vielleicht der Klärung bedarf: Unter Anblasen versteht man nämlich die professionelle orale Stimulation, auf dass der männliche Schwellkörper bereit ist, sein Werk zu vollrichten. Ansonsten käme Safersex zur Anwendung, betont Frau Florein. Es gebe aber auch spezielle Events zum Beispiel mit Dominaservice. Grundsätzlich müssten die Mädchen selbst mit den Gästen abmachen, wozu sie bereit seien, keine werde zu etwas gezwungen.

Aha. Aber Küssen mit fremden Männern? Jessica findet nichts dabei. Nicht nur die Preise, auch die Grenzen im Gewerbe sind scheinbar gefallen. Es gilt - ganz wie im Reisekatalog - das "All Inclusive"-Prinzip, so vergleicht es jedenfalls Frau Florein. Ein richtiger Kuss wäre früher ausgeschlossen gewesen, die letzte Barriere zwischen Puff und privater Zone.

Der demonstrativ vorm Haus geparkte Hummer der Chefin ist wahrscheinlich geleast. Und am Ende des Monats zahlt sie brav Sozialabgaben und Steuern - genau wie Jessica. Was sie mit dem macht, was übrig bleibt? "Sparen." Worauf? "Auf ein großes Haus mit Swimmingpool - in der Heimat." Wenigstens an den Träumen hat sich scheinbar wenig geändert.

Roland Brockmann

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