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"Man wird männerfeindlich durch den Job"

Dominas leben davon, Männer zu beherrschen. Aber wer sind die Frauen mit dem strengen Blick? Der Fotograf Max Eicke hat sich auf die Suche begeben. Ein Bildband zeigt seine Porträts.

Von Tobias Schmitz

Max Eicke fotografierte deutsche Dominas

Lady Ashley: "Wenn ich kein Geld dafür bekäme, würde ich einen Gast am Tag machen. Eine Stunde. Das bräuchte ich zu meiner eigenen Befriedigung."

Natürlich ging es auch hier um Macht. Darum, dass einer Anweisungen gibt und der andere sie befolgt. Und doch war diesmal alles anders als sonst. Die Frau erfüllte nicht den Wunsch eines Mannes, beherrscht zu werden, der Mann bezahlte nicht. Den Raum bestimmte nicht das übliche Zubehör vom Andreaskreuz bis zur Reitgerte, sondern eine analoge Großformatkamera. Es war ein Experiment mit ungewissem Ausgang, als der in London lebende Fotograf Max Eicke begann, deutsche Dominas zu porträtieren.

Max Eicke kontaktierte 170 Dominas - nur 26 ließen sich fotografieren

Vor zwei Jahren hatte Eicke die Biografie einer solchen Frau gelesen. Und sich gewundert, wie brüchig und widersprüchlich ihm das erschien, was die Autorin von sich preisgab. "Ich dachte oft: Redet die sich ihr Leben schön? Oder ist das wirklich genau das Leben, das sie leben will?" Der Fotograf begann zu recherchieren. Er nahm Kontakt zu 170 deutschen Dominas auf, bat um ein Gespräch und darum, sie fotografieren zu dürfen. 26 Frauen willigten ein.


Jedes Shooting gehorchte einem eigenen Gesetz. "Die Frauen waren es gewohnt, die Regeln vorzugeben, und als Fotograf muss ich ebenfalls stets sagen, was genau ich will." So wurden die Aufnahmen zu kleinen und großen Machtkämpfen: "Viele Frauen versuchten sofort, zu posieren, sich optimal in Szene zu setzen. Ungefähr so, wie sie sich auch im Internet zeigen. Doch an der Hochglanzoberfläche der Fetischwelt war ich überhaupt nicht interessiert."

Stattdessen versuchte der 25-Jährige, tiefer zu blicken und die Grenzen zwischen Außen und Innen auszuloten: Was ist Maske? Was echt? Wie viel Wahrhaftigkeit steckt in dem, was die Frauen von sich zeigen - jenseits knallroter Lippen und strengem Blick? Auf Eickes Fotografien wirken die Gesichter vieler Dominas hermetisch verschlossen, in anderen aber glaubt man lesen zu können wie in einem Buch.

 "Es hat lange gedauert, bis die Frauen Vertrauen fassten"

Für sein Projekt kombinierte Eicke die Aufnahmen mit Passagen aus den gemeinsamen Gesprächen. "Es hat lange gedauert, bis die Frauen Vertrauen fassten", sagt der Fotograf. "Eine Domina erschrak mitten im Satz und gestand, sie habe noch nie so offen über sich selbst geredet."

So entstanden Porträts von starken Persönlichkeiten und verletzten Seelen, von Hingabe und Geschäftssinn, von großem Mitgefühl und schauriger Kälte. "Menschen abhängig zu machen, das ist Macht für mich, und das macht mich an", sagt Domina Uma Masome. Lady Ashley stellt fest: "Wenn ich kein Geld dafür bekäme, würde ich einen Gast am Tag machen. Eine Stunde. Das bräuchte ich zur eigenen Befriedigung."

Lady Electra berichtet freimütig von der anderen Seite ihres Berufs: "Der Preis, den ich zahle? Die Einsamkeit. Es sind wenige glücklich." Sie sagt auch: "Man wird männerfeindlich durch den Job. Ich treffe mich jetzt schon so gut wie mit keinem Mann mehr privat. Du wirst einfach nur ausgenutzt."

Und Domina Divine Yamuna? Sie entwirft ihr eigenes Bild einer idealen Partnerschaft: "Wenn einer von beiden etwas vermisst und sich das dann woanders holt, ohne dabei die Beziehung und die Gefühle infrage zu stellen, dann ist es doch gut, dafür nicht lügen und betrügen zu müssen. Es ist doch viel schöner, wenn einfach das Vertrauensverhältnis da ist und beide sagen: Hey, geh, lebe deinen Sexspleen. Und wenn du wiederkommst, mache ich dir noch einen Tee."

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