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17. Juni 2005, 14:54 Uhr

Cecil Beaton

Cecil Beaton - allen, die sich für Fotografie interessieren, zergeht sein Name auf der Zunge wie ein Stück Schokolade im Mund von Joschka Fischer.

Cecil Beaton, 1978© Cecil Beaton

Es gibt die hübsche Geschichte, dass man nur aus zwei Gründen von Cecil Beaton eingeladen wurde: Man sah entweder gut aus, oder man hatte die Haarfarbe, die zum Muster seiner neuen Vorhänge passte. Niemals jedenfalls hätte Beaton Menschen in sein Haus gebeten, die nicht fotogen waren. Wer aber geladen wurde, wusste, dass der Gastgeber meistens fotografierte, manchmal aber auch nicht und dann auf einem Stuhl saß und sich das Arrangement aus Möbeln, Stoffen und Menschen ansah. Hin und wieder stand er auf und bat einen Herrn, sich weiter nach links zu stellen, oder eine Dame, sich mit ihrem hellen Kleid ein wenig mehr ins Licht zu setzen, zupfte am Faltenwurf des Stoffes und besah sich die Szene wieder von seinem Stuhl aus.

Beaton konnte furchtbar leiden, wenn sein Blick stolperte, und einmal, 1928, erklärte er seinen Freunden, dass "Schönheit wirklich das wichtigste Wort im Wörterbuch ist". Er wird denn auch sehr gelitten haben, als er 1942 in der Wüste bei Tobruk als britischer Kriegsfotograf aus dem Flugzeug stieg und überall dieser beigefarbene Sand lag! Beige, diese matte Farbe, "das muss ein Innendesigner um 1928 entworfen haben, als Beige kurze Zeit modern war", sagte er, und man kann sich vorstellen, wie die britischen Generäle in ihren schweissnassen Uniformen den exzentrischen Mann anstarrten.

Er sei eben ein "fanatischer Ästhet", bekannte Beaton, einer, der seinen Lebenssinn darin sah, das Hässliche aus seiner Welt herauszuhalten. In diesem, wenn man so will, "Fanatismus", war er "viele Künstler in einem", wie der Kunsthistoriker Peter Conrad bemerkte, er fotografierte, aber er schrieb auch, malte, designte und schauspielerte. Doch so umfassend sein Schaffen auch war - seine Fotografien sind sicher die reifste Hinterlassenschaft. Mit der Kamera wurde Beaton zum Pionier einer völlig neuen Porträtfotografie, die, detailversessen inszeniert und retuschiert, ihr Gegenüber nicht einfach abbildete, sondern es kunstvoll in seine Welt einwob.

Seine besten Aufnahmen von Adel und Prominenz gelangen ihm nicht nur durch sein technisches Spiel mit Licht und Schatten, sondern vor allem durch sein Spiel mit sich selbst als Fotograf. Beaton war nicht mehr der kameraschleppende Lichtbild-Diener, der durch den Hintereingang kam und ging und vielleicht noch den schwefeligen Geruch von Blitzpulver an sich hatte - nein, Cecil Beaton machte sich selbst zum Teil dieser Welt, er war ein Star, er kam blendend gekleidet durch den Vordereingang, und man bat ihn, zum Essen zu bleiben.

Um den Duft des Genialen in seiner Aura immer wieder zu erneuern, spielte Beaton sein handwerkliches Können gern herunter. "Ich schäme mich schon, dass ich so wenig von der technischen Seite des Spiels verstehe", verkündete er einmal nach langer Arbeit in der Dunkelkammer und lächelte. "Das war sein Trick. Er kokettierte immer wieder damit, von Blenden und Belichtungen nichts zu wissen, dabei verstand er ganz genau, wie eine Kamera funktionierte und wie ein Bild zu entwickeln war", sagt der in London lebende Beaton-Biograf Hugo Vickers. Beatons fotografisches Selbstverständnis ist umso erstaunlicher, als er in einer Zeit aufwuchs, in der das Metier noch als schwerfällig und eher banal galt, nicht zu vergleichen mit der Kunst eines Malers, der Schönheit schuf und über die Macht der Interpretation verfügte.

Im Januar 1904 wurde Cecil Walter Hardy Beaton in London geboren. Sein Vater war ein reicher Holzhändler, der Sohn lebte mit Mutter, zwei Schwestern und einem Bruder im feinen Stadtteil Hampstead. Als er neun war, kam das Kindermädchen Alice Collard in die Familie, eine junge Frau, die sich nicht nur sehr um den Garten kümmerte, sondern auch eine Kamera hatte. Cecil spielte viel mit Alice und untersuchte immer neugieriger die Box Brownie, einen der ersten populären Fotoapparate. Nachmittags nahm Alice den jungen Cecil mit in den Keller, wo sie sich eine primitive Dunkelkammer gebaut hatte, und brachte ihm bei, Fotos zu entwickeln.

1918 kommt er auf eine angesehene Schule in Harrow und fällt den Lehrern mit seinen Zeichnungen und Skizzen auf; ab und zu bringt er Fotos mit, auf denen seine Schwestern in damals gewagten Posen zu sehen sind, die Schulleitung verwarnt ihn. Schon früh spürt Cecil, dass nicht nur die Kunst gesellschaftliche Kraft besitzt, sondern noch mehr die Fotografie - auch wenn diese noch keinen Society-Wert hat. Wer damals reich und mächtig ist, lässt sich malen, nicht fotografieren. Und geht ins Theater, das gesellschaftliche Drehkreuz der Lords und Earls, wie der ästhetische Autodidakt schnell herausfindet. Nach einem kurzen kaufmännischen Gastspiel, das sein Vater verlangt, verkauft er seine ersten Zeichnungen und macht sich einen Namen als Kostümbildner und Innendesigner. Er ist nicht aufzuhalten; unentwegt zeichnet er, schreibt - und er fängt an, intensiver zu fotografieren, 1924 verkauft er seine ersten Fotos an die "Vogue".

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