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7. November 2009, 07:13 Uhr

Ordnung muss sein

Noch vor dem Ersten Weltkrieg gelangte das Wort "verboten" in die englische Sprache. Vielleicht auch deshalb, weil bei den Briten äußerst skurrile Gesetze gelten. Von Sven Siedenberg

Man spricht Deutsch, Sprachkolumne, Sven Siedenberg

Besserwisser, Katzenjammer oder Gemütlichkeit - diese deutschen Wörter kennt man auch im Ausland© Heyne

"Betreten des Rasens verboten!", "Rauchen verboten!", "Fahrräder anlehnen verboten!", "Tauben füttern verboten!" - eigentlich fehlt im deutschen Schilderwald nur noch ein Verbot der Schilderverbote.

Soweit wird es natürlich nicht kommen, mögen aufgeklärte, von den Suchscheinwerfern der staatlichen Überwachungskommandos geblendete Bürger auch noch so sehr den zunehmenden Verlust ihrer Privatsphäre beklagen: Das Bedürfnis zur Befehlserteilung speist sich immer auch aus einem Bedürfnis zur Befehlsausführung, und umgekehrt.

Deshalb überfluten Hausordnungen, Schrebergarten-Satzungen und Schicklichkeitsregelwerke weiterhin das Land, und deshalb auch bekriegen sich Ordnungs- und Gerechtigkeitsfanatiker hingebungsvoll in Nachbarschaftsprozessen aller Art.

Noch vor dem Ersten Weltkrieg gelangte das Wort "verboten" ins Englische, wo es seit den Kriegserlebnissen den Sprachschatz bereichert. "Smoking is verboten in here" sagt der britische Pubbesitzer. Im Fernsehen hört man Politiker sagen: "There is no verbotens with me!" Sie meinen damit, dass es bei ihnen keinerlei Tabus gibt.

Für das im "Oxford English Dictionary" verzeichnete Adjektiv "verboten" sind Briten wohl auch deshalb so empfänglich, weil bei ihnen die skurrilsten Gesetze gelten: Parlamentsmitgliedern ist es untersagt, in Rüstung zu erscheinen, und das schon seit 1279. Im Westminster Palace darf man nicht sterben, da der Tote sonst Anspruch auf ein Staatsbegräbnis hat. Streng verboten ist es auch, ohne richterlichen Beschluss auf Außerirdische zu schießen. Falsch parken ist sowieso verboten. Ein Schilderwaldsterben muss auch in Großbritannien niemand befürchten.

"Verboten" kennt man im Englischen

Zur Person

Zur Person Sven Siedenberg lebt und arbeitet als Journalist und Autor in München. Seine Glossen, Kritiken, Reportagen, Porträts und Essays sind unter anderem im Spiegel, stern, Focus sowie in der Zeit, Süddeutschen Zeitung, Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung erschienen. Er hat an zahlreichen Anthologien mitgewirkt und bereits einige Bücher geschrieben, sein neuestes "Besservisser beim Kaffeeklatsching" ist im Heyne Verlag erschienen.

Von Sven Siedenberg
 
 
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