Der Erfolgsrapper Sido über krasse Konflikte mit der Frauenheit, den Unterschied zwischen Kiffen und Jägermeister und seinen Drang zu "Wetten, dass...?"

Paul Würdig, alias Sido. Die Mutter stammt aus Indien, der Vater aus Deutschland. Der 24-jährige Berliner ist derzeit Deutschlands erfolgreichster Rapper© Marcus Zumbansen
Ich schere nicht alle Frauen über einen Kamm, weißt du, aber mit dem größten Teil der Frauenheit gibt es krasse Konflikte: mit meinem Wunschdenken von der perfekten Frau und den Frauen auf der Welt und so.
Weißt du, die meisten Frauen, die ich gerade treffe, bei denen läuft es so: Treffen. - Ficken. - Mal hier und da telefonieren. - Ficken. - Telefonieren. - Ficken. - Nie wieder sehen! Ich kann wohl nicht erwarten, dass ich eine Frau finde, die mich mag, weil ich ich bin, nicht weil ich Sido bin, weißt du. Wenn mir die Frau von Anfang sagen würde: "Hey, nur deswegen, du bist berühmt und so, da stehe ich voll drauf", dann wären ja gleich geklärte Fronten. Aber so sind Frauen nicht.
Leider gibt es viele Frauen, die haben keine Würde und keinen Respekt. Über die rede ich viel.
Ich habe keine Freundin.
Das ist doch langweilig.
Nee, das ist Punkertum. Weißt du, viele Leute haben uns, bevor der Song entstand, vorgeworfen, wir würden nur über Arsch-fixierte Sachen reden. Fand ich nicht. Also habe ich denen aus reinem Punkertum einen ganzen Song darüber gemacht. So, da hatten die einen Grund, darüber zu reden.
Nee, nee, ich selbst war 13. Egal, wie alt sie war. Ich war 13! Weißt du, sie kann auch schon 20 gewesen sein. Das habe ich offen gelassen. Das ist nicht kinderpornografisch, das ist authentisch. Ich weiß, es ist ein heikles Thema, da kann man viel falsch verstehen.
Nee, weil - weißt du, ich habe jetzt meine Klientel gefunden. Viele Leute, die mich hören, lesen "Bravo". Haben vielleicht das erste Haar am Sack. Die kriegen noch eine Latte davon, wenn sie das Wort "Muschi" hören oder "Arsch" oder so.
Genau. Dafür ist der Song nicht gemacht. Der soll niemanden erregen, weißt du. Der soll nur entertainen.
Mann, 2001 war mein Leben aussichtslos. Ich dachte, nächste Woche bin ich tot, weißt du. Ich habe den Song geschrieben, weil ich dachte, wir müssen Klartext reden. Ich dachte, das wird nicht so 'ne große Sache. Ist er aber nun mal geworden. Weißt du, darauf geschissen. Claudia fickt 'nen Schäferhund - haben Die Ärzte gemacht. Und? Ich höre den Song gern.
Bei uns in Berlin ist es nicht so, dass wir gezielt so Musik machen. Wir wussten ja nie, dass es die breite Masse kriegt. Wir haben es immer nur für wenige Liebhaber gemacht.
Wenn die älter werden, kriegen die schon noch ihr ordentlich gehärtetes weltliches Frauenbild.
Ich bin dafür nicht verantwortlich. Die ganze Gesellschaft heutzutage ist so, weißt du. Das bin ja nicht nur ich. Ich spiegele das nur wider. Ich mache nur darauf aufmerksam, weißt du.
Aber nicht mit erhobenem Zeigefinger. Nur so: Guck mal! So was gibt's auch! Mein ganzes Album ist so. Oder der Song "Mein Block". Ich sage ja nicht, sozial schwache Gegenden sind scheiße, sondern ich rede über meinen Block. Und wenn du genau hinhörst, merkst du: Ah, so cool ist es da anscheinend nicht.
Weißt du, ich fühle mich mehr verantwortlich, wenn ich über Kiffen und so was rede. Weil da sind echt auch schon ältere Frauen zu mir gekommen und haben so geweint, ihr Bruder ist gestorben an dem Zeug und so. "Wie kannst du das nur verherrlichen", fragen die. Darüber mache ich mir Gedanken.
Wenn ich es mir anhöre, hört es sich schon an wie: Ja, geil, nehmt mal alle das Zeug, dann geht's euch gut! Das wollte ich nie sagen, weißt du. Da muss ich schon vorsichtiger sein.
Stefan Raab hat selber einen Song gemacht: "Wir kiffen". 16 Minuten lang, längste Single in Deutschland, weißt du.
Ich sage in einem Song lieber "Ich kiffe", als dass ich sage: "Ich habe mir wieder eine ganze Flasche Jägermeister reingepfiffen." Weil ich die Folgen selber kenne. Ich weiß, dass Leute eher einen Absturz kriegen auf Alkohol. Ich habe alles durchgemacht. Ich habe alles genommen. Ich weiß, wovon ich rede, weißt du. Meine Einstellung ist: Probiert es aus und macht euch selber ein Bild davon.
Du musst Rap so als Entertainment sehen wie eine Videothek. Du gehst da rein und suchst deinen Lieblingsfilm aus. Im Mafia-Film, da erzählen dir alle "Mafia hier, Mafia da", aber es ist nur ein Film. Das ist Rap auch. So machen das Hengzt und Orgi ...
... die haben sich ein Image angeeignet. Natürlich sind die nicht Mörder, Killer und Vergewaltiger.
Rap ist Kunst, aber auch authentische Kunst. Orgi redet nur über Ficken und Pornos, aber er dreht auch Pornos, weißt du. Das ist authentisch, da kannst du sagen, was du willst.
Sido ist eine krasse Kunstfigur, ein krasser Charakter. Natürlich spricht er mir aus der Seele.
Der private Sido hat gern seine Ruhe und chillt. Der Kunst-Sido ist immer mitten- drin in der Action, weißt du. Der fährt sogar im Wok die Bobbahn runter. Das hätte der private Sido nicht gemacht.
Weißt du, "Wetten, dass..?" ist immer noch meine Sendung aller Sendungen.
Spielen bei Gottschalk reicht auch, Killer! Nur einen Song, Killer!
Ausmachen!
Weißt du, ich habe einen Sohn. Der ist fünf. Der soll meine Musik auch nicht hören. Der ist Juli-Fan. Das finde ich gut.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 23/2005