Der Sohn eines Mohegan-Indianers wurde 1984 mit seiner Rolle als "Atréju" in der Verfilmung von Michael Endes Die unendliche Geschichte weltweit zum Kinderstar.

Noah Hathaway, 35, mit seiner Frau Sameerah im Tattoo-Studio "Zulu Tattoo" in Los Angeles...
Klar! Ich bekam säckeweise Fanpost, war auf Promi-Partys. Ein verrücktes Leben. Noch heute bekomme ich täglich Dutzende Mails. Meine Frau und ich sitzen oft vor dem Rechner und schütteln den Kopf.
Nein, ich habe schon mit drei in einem Werbespot mitgespielt, mit sechs Jahren in einer Serie. Mit zwölf wollte ich dann unbedingt Atréju spielen.
Leider nicht! Es wurde weltweit nach dem Hauptdarsteller gesucht - über Casting- Agenturen, auf Schulhöfen, Spielplätzen. Mehrere Tausend Jungen haben sich beworben. Bevor die Wahl auf mich fiel, musste ich zwölfmal vor verschiedenen Filmleuten vorsprechen. Ein Albtraum.
Nun, das war weniger schön. Ich war von der Premierenfeier ausgeladen. Während der Film ein Sensationserfolg war, tobte hinter den Kulissen ein Krieg.

... und 1984 als Atréju, der auf seinem Glücksdrachen Fuchur die Kindliche Kaiserin retten möchte© Joe Toreno/ Interfoto
zwiti>Inwiefern? Es gab einen Rechtsstreit. Grund war, dass die Dreharbeiten anfangs nur drei Monate dauern sollten und ich auch nur einen Vertrag über drei Monate bekam. Tatsächlich aber wurde knapp zehn Monate gedreht - ich aber nur für drei bezahlt. Daraufhin schalteten meine Eltern einen Anwalt ein. Später habe ich zwar einen Teil der Restgage bekommen - wurde aber von der Feier und allem weiteren ausgeschlossen.
Und wie! Erst mal war ich ja irre lange Zeit von zu Hause weg gewesen. Dann haben mir die Filmleute während des Drehs immer wieder erzählt, dass wir eine Familie sind - und dann haben sie mich ausgeladen. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich nur eine Nummer bin, es einzig ums Geld ging. Das war hart.
Doch, ich habe noch ein paar Filme gemacht. Aber mit 20 hat es mir gereicht. Ich habe ein paar Jahre lang als Barkeeper gearbeitet und als Versicherungsmakler. Heute jobbe ich im Motorradladen eines Kumpels.
Nach den Anschlägen vom 11. September wollten viele Fluggesellschaften ihre Mitarbeiter schulen, damit sie sich im Fall eines Angriffs in der Luft verteidigen können. Da ich ausgebildeter Thaiboxer bin, habe ich mit mehreren Freunden aus der Kampfkunstszene ein entsprechendes Training angeboten.
zwiti>Wie muss man sich das vorstellen? Wir haben den Innenraum eines Flugzeugs nachgebaut und gezeigt, wie man sich zum Beispiel mithilfe eines Tabletts oder Sitzgurts verteidigen kann. Ich war der Angreifer, sechs Monate lang mimte ich den Terroristen. Wir hatten überwiegend weibliche Teilnehmer, lauter toughe Frauen - und ich habe ganz schön eins auf den Deckel bekommen!
Nein! Nach 13-jähriger Pause spiele ich jetzt wieder. Es ist das Remake von "Troll", eines alten Horrorstreifens. Ich spiele den Bösewicht. Das wird bestimmt ein mordsmäßiger Spaß!
... will ich in Los Angeles einen Motorradladen eröffnen. Ich bin ein absoluter Motorradfreak. Am schönsten wäre es, wenn ich in Zukunft wieder mehr als Schauspieler arbeiten - und gleichzeitig in meinem Geschäft selbst gebaute Bikes verkaufen könnte
Interview: Sabine Hoffmann
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 37/2007
Zur Person Noah Hathaway wurde am 13. 11. 1971 in L. A. geboren; sein Vater ist Indianer vom Stamm der Mohegan. Wolfgang Petersen engagierte den Jungen 83 für die Rolle des Atréju in der Verfilmung von Michael Endes Bestseller "Die unendliche Geschichte"; so wurde Noah weltweit zum Kinderstar. Später spielte er in Filmen wie "Troll" oder "Casebusters" (beide 1986). Nach "To Die, To Sleep" (1994) beendete er seine Filmkarriere zunächst. Er lebt mit seiner Frau, einer Tattoo-Künstlerin, und den zwei Söhnen in L. A.