Kirchenreformer loben Papst Franziskus

30. Juli 2013, 07:08 Uhr

Homosexuelle darf man nicht ausgrenzen, sagt Papst Franziskus - und vollzieht damit einen radikalen Kurswechsel in der katholischen Kirche. Reformer unter den Katholiken sind geradezu entzückt.

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Papst Franziskus, Homosexualität

Papst Franziskus: "Wenn jemand Gott mit gutem Willen sucht, wer bin ich, dass ich urteile?"©

Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" hat die Äußerungen von Papst Franziskus für einen offeneren Umgang der Kirche mit Homosexuellen begrüßt. "Wir sind Kirche"-Sprecher Christian Weisner wertete den Vorstoß des katholischen Kirchenoberhaupts als einen Befreiungsschlag. "Dies kann und muss ein Befreiungsschlag für alle Priester sein, die homosexuell sind und dies bisher verbergen mussten", sagte Weisner in München.

Bisher hätten schwule Priester oftmals in Angst vor Erpressung oder in Angst vor kirchlichen Sanktionen leben müssen. Es sei bemerkenswert, dass Franziskus sich kein Urteil über die sexuelle Orientierung anderer Menschen anmaße.

Der Papst hatte am Montag für einen offeneren Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen geworben. Er wolle nicht wegen ihrer sexuellen Orientierung über Schwule urteilen. "Wenn jemand Gott mit gutem Willen sucht, wer bin ich, dass ich urteile?", antwortete Franziskus laut "Wall Street Journal" auf eine Journalistenfrage zur Haltung der Kirche zu homosexuellen Priestern.

"Das ist ein starker Satz", sagte Weisner. "Er ist ein wichtiges Signal, dass Franziskus keine Angst vor der Realität hat." Zugleich seien die Papst-Äußerungen zur Homosexualität eine Abkehr von der starren Haltung seines Vorgängers Benedikt XVI., diese Kursänderung müsse aber auch entschieden von den Bischöfen und Kardinälen aufgegriffen werden - auch die deutschen stünden in der Pflicht.

"Ich kenne niemanden im Vatikan, in dessen Personalausweis vermerkt ist, dass er homosexuell ist", hatte der Papst zudem gesagt. "Wir räumen ein, dass es sie gibt. Die Lehre der katholischen Kirche besage allerdings "eindeutig, dass wir diese Menschen nicht ausgrenzen dürfen". Sie sollten vielmehr "in die Gesellschaft integriert werden".

anb/DPA
 
 
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