Erst die Trennung, dann die Scheidung - diese tausendfache Realität ist für die Betroffenen oft ein langer, schmerzhafter Prozess. Im Gespräch mit stern.de erzählt Psychologin Eva Wlodarek warum Trauer wichtig ist, wie man aus dem Tal der Tränen kommt - und wie lange ein Herz braucht, um zu heilen. Von Karin Spitra
"Es kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel," sagt Gisela M.* (Name von der Redaktion geändert) rückblickend. Aber hinterher sei man halt immer schlauer, erzählt die aparte Rothaarige. Und dass sie wohl damals schon irgendwo tief innen gespürt hätte, dass es um ihre Ehe nicht mehr zum Besten stand - aber sie hätte diese leise innere Stimme so konsequent überhört, dass sie tatsächlich aus allen Wolken fiel, als ihr Mann nach fast 20 Jahren Ehe auszog. "Ich wollte die Zeichen nicht sehen: Er hatte ja immer schon viel und lange gearbeitet. Und sonst war er wie immer: lieb zu den Jungs, etwas zerstreut bei mir. Sogar im Bett lief noch ab und zu was. Und dann brach innerhalb einer halben Stunde mein Leben in sich zusammen." Wie in einem schlechten Film hätte sie sich gefühlt. "In seine Assistentin hat er sich verliebt. Ausgerechnet! Die war gerade mal vier Jahre älter als unser ältester Sohn."
Eine Trennung ist eine Krise
Eine typische Reaktion, findet Dr. Eva Wlodarek, Diplom-Psychologin aus Hamburg. Denn oft geht die Trennung nur von einem Partner aus - und der andere wird davon kalt erwischt. "Der Verlassene muss erstmal durch die vier Trauerphasen, bis das halbwegs verarbeitet ist", so Wlodarek. "Schließlich ist jede Trennung oder Scheidung eine ernste seelische Krise."
Auch Gisela M. durchlebte alle Trauerphasen, angefangen mit dem Verleugnen: "Ich dachte die ganze Zeit: Das ist ein böser Traum, gleich werde ich wach und das alles ist gar nicht geschehen." Laut Wlodarek gehen in dieser Phase Leugnen und Verzweiflung Hand in Hand: "Oft denken die Betroffenen, wenn sie sich jetzt richtig anstrengen, können sie alles rückgängig machen. Sie sehen, dass sie Fehler gemacht haben und wollen sie nun korrigieren." Nur geht das nicht mehr, weil schon alles zu spät ist. Wenn diese Erkenntnis dämmert, kommt Phase zwei, die Wut. "Ich konnte es nicht fassen, dass er mir das angetan hat", erinnert sich Gisela M. rückblickend. In dieser Phase bleibt es allerdings nicht immer nur bei bösen Gedanken. "Da werden oft Rachepläne geschmiedet - und auch umgesetzt. Man benimmt sich dann ganz fürchterlich", erzählt die Psychologin aus ihrem Praxisalltag. Erst dann kommt langsam die Akzeptanz, das Einsehen, dass echt nichts mehr zu machen ist - Phase drei.
Achterbahnfahrt der Gefühle
Bei Gisela M. dauerte es fast ein halbes Jahr, bis sie begriff, dass es mit ihrem Mann keine gemeinsame Zukunft mehr geben wird. "Ich hatte immer gehofft, dass er die Junge irgendwann wieder satt hat. Ich hatte nicht begriffen, dass er selbst dann nicht zu mir zurück kommen würde. Erst als mir das dämmerte, fing ich in Gedanken überhaupt an, mich mit einem Neuanfang zu befassen." Allerdings dämpft Wlodarek die Hoffnung auf den geordneten Ablauf dieser Trauerphasen - schließlich sei das nur ein Modell. "In der Realität durchläuft man diese Gefühlszustände quer über den Tag. Da ist man wütend, bittet um Verzeihung, fleht, denkt 'ist doch egal' und dann weint man - innerhalb von 24 Stunden."
Hier setzt Wlodarek auch mit ihrem Sechs-Punkte-Programm an, das sie entwickelt hat, um Betroffenen zu helfen, schneller wieder aus dem Tal der Tränen zu kommen. "Dass ich in diesem Tränental lande, kann ich nicht verhindern", so die Psychologin. "Aber wie lange ich darin verharre, ob ich noch ewig nachkarte - das kann ich beschleunigen." stern.de hat die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema für Sie zusammengestellt.