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Scheidung kompakt: So vermeiden Sie die schlimmsten Fehler

Das ging Ihnen alles zu schnell? Kein Problem. Wir haben für Sie nochmal die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema zusammengestellt. Wie läuft eine Scheidung ab, welche Fristen muss ich beachten und darf ich in einen Ehevertrag schreiben, was ich will? stern.de hilft Ihnen durch die schwere Zeit.

Auch wenn Menschen auf eine Trennung mit Trauer und Depression reagieren, ist bei einer Scheidung ein kühler Kopf gefragt. Damit Sie grobe Fehler bei Gericht und im Vorfeld der Verhandlungen vermeiden, haben wir für Sie eine Checkliste mit den wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Scheidung für Sie zusammengetragen.

Wann darf ich mich scheiden lassen?

Natürlich kann Sie niemand dazu zwingen, mit einem anderen Menschen zusammenzuleben. Doch in Deutschland kann eine Ehe nur dann geschieden werden, wenn sie gescheitert ist. "Gescheitert" bedeutet, dass eine echte Lebensgemeinschaft nicht mehr vorhanden sein darf und auch die Wiederherstellung nicht mehr erwartet werden kann. Eine Lebensgemeinschaft gilt laut Gesetz als beendet, wenn die Eheleute getrennt leben. Und eine Wiederherstellung der ehelichen Lebensgemeinschaft kann nicht mehr erwartet werden, wenn mindestens einer der Ehepartner das Zusammenleben "erkennbar ablehnt". Nur wenn beide Voraussetzungen erfüllt und entsprechende Nachweise erbracht worden sind, kann eine Ehe geschieden werden.

Allerdings führt ein Ende der Lebensgemeinschaft nicht automatisch zur Scheidung. Wenn sich beide Ehepartner in ihrem Wunsch nach einer Auflösung der Ehe einig sind, reicht die einjährige Trennungszeit.

Was kostet mich das?

Bei Scheidungen dreht sich viel ums Geld. Schließlich geht es um eine erhebliche Umstellung in der Lebens- und Finanzplanung.

Der stern.de-Unterhaltsrechner soll Ihnen helfen, einen ersten Überblick über die finanziellen Aspekte einer Scheidung zu bekommen: Wie viel Geld steht eigentlich zur Verfügung? Wer bekommt Unterhalt und in welcher Höhe? Der integrierte Prozesskostenrechner für Scheidungsfälle beantwortet außerdem die Frage, mit welchen Kosten Sie für Anwalt und Scheidungsprozess zu rechnen haben.

Wie finde ich den richtigen Anwalt?

Auch, wenn sie sich gütlich einigen wollen: Wer eine Scheidung will, kommt um einen Anwalt nicht herum. Denn in Deutschland darf nur ein Anwalt den Scheidungsantrag bei Gericht einreichen. Doch auch, wenn Sie keine Trennung wollen: Spätestens, wenn der eigene Partner für die Ehe keine Zukunft mehr sieht, sollte Sie den Gang zum Anwalt antreten. Suchen Sie sich für die Scheidung einen Fachanwalt für Familienrecht und teilen Sie sich keinen Anwalt mit Ihrem Ex-Partner. Suchen Sie sich rechtzeitig einen eigenen Anwalt, der Ihre Interessen vertritt.

Wann muss eine Ehe annulliert werden?

Seit einiger Zeit dürfen Paare auch ohne Standesamt kirchlich heiraten. Doch die Gleichstellung einer kirchlichen Hochzeit mit einer nichtehelichen Gemeinschaft schafft neue Probleme. Denn eine Scheidung wie im Zivilrecht ist für Katholiken nicht vorgesehen.

Eine Scheidung gibt es im Kirchenrecht nicht. In diesem Fall muss eine Ehe annulliert werden. Dabei wird in einem so genannten "Ehenichtigkeitsverfahren" untersucht, ob die Ehe zweier Katholiken überhaupt gültig zustande gekommen ist. Anlaufstelle ist erst einmal der zuständige Ortspfarrer, der ein Beratungsgespräch führt, die Klageschrift erstellt und den Fall dann an das Kirchengericht verweist.

Die Gründe für eine Annullierung können vielfältig sein. Mangelnder Ehewillen, Eheunfähigkeit (z.B. andauerndes Fremdgehen), Furcht und Zwang (z.B. wegen einer Schwangerschaft), Irrtum, Bedingung und Täuschung (z.B. ein Partner will gar keine Kinder) und ein vorliegendes Ehehindernis (z.B. Impotenz) können zur Aufhebung einer Ehe führen.

Wie viel Unterhalt steht mir zu?

Diese Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Für die Berechnungen des Unterhaltsanspruchs sind mehrere Regelungen zu beachten:


Selbstbehalt/Eigenbedarf

: Betrag, der einem Unterhaltsverpflichteten bleiben muss. Also das Geld, das vom Lohn bleibt, nachdem Unterhalt für Ex-Partner und Kinder gezahlt sind. Bei minderjährigen Unterhaltsberechtigten beträgt er 900, bei volljährigen 1100, gegenüber dem Ex-Partner 1000 Euro (einschließlich 360 Euro pauschal für die eigene Warmmiete).

Das

bereinigte Nettoeinkommen

ist maßgeblich für die Ermittlung der Unterhaltshöhe und berechnet sich folgendermaßen: durchschnittliches Monatseinkommen aus allen Einkunftsarten minus berufsbedingten Aufwendungen, Steuern, eigener Kranken- und Altersvorsorge sowie unterhaltsrelevanter Kreditzahlungen.

Die

Düsseldorfer Tabelle

ist wichtig für Elternteile. Sie gibt die monatlichen Beträge für den Kindesunterhalt an. Sie orientiert sich am Einkommen des Unterhaltsverpflichteten und dem Alter der Kinder.

Sie ist nicht zu vergleiche mit dem

Aufstockungsunterhalt

. Das soll bei Unterhaltsberechtigten den Unterschied ausgleichen zwischen dem erzielbaren Einkommen und dem Unterhaltsbedarf, der den ehelichen Lebensverhältnissen angemessen sein muss. Damit soll dem Unterhaltsberechtigten ermöglicht werden, den ehelichen Lebensstandard auch nach der Trennung oder Scheidung beizubehalten.

Was passiert mit meinen Versicherungen?

Checken Sie, ob und wie gut Sie allein versichert sind, wenn Sie eine Scheidung anstreben. Denn viele Verträge gelten nach einer Trennung nur noch für einen Versicherungsnehmer. Das gilt zum Beispiel für die meisten Sachversicherungen wie die private Haftpflicht oder auch die Rechtsschutz-Versicherung.


Lebensversicherungen anpassen

Ein besonderes Problem kann auch der Krankenversicherungsschutz werden, wenn vor der Scheidung Anspruch auf eine Familienversicherung bestand. Dieser Schutz erlischt spätestens drei Monate nach dem Scheidungsurteil.

Auch eventuell abgeschlossene Lebensversicherungen müssten dann angepasst werden. Denn auch wenn ein Mann Jahre nach der Scheidung von der ersten Frau stirbt, deren Name aber noch in der Lebensversicherungspolice als bezugsberechtigte Person eingetragen ist, hätte sie - und nicht die Witwe des Verstorbenen - Anspruch auf die Versicherungssumme.

Brauche ich einen Ehevertrag?

Freiberufler sollten in jedem Fall eine Ehevertrag anstreben. Wer selbstständig ist oder eine Firma aufgebaut hat, riskiert, dass im Fall einer Scheidung der Fortbestand des Unternehmens gefährdet wäre. Im schlimmsten Fall müsste der Ex-Partner mit der Hälfte des Firmenwertes abgefunden werden. Bei vielen Firmen ließe sich diese Summe nur durch einen Verkauf aufbringen.

Knebelklauseln haben vor dem Gesetz allerdings keinen Bestand. Denn Gerichte lesen Eheverträge sehr gründlich: Totalverzicht eines Partners, Gütertrennung, Unterhaltsverzicht und Ausschluss des Versorgungsausgleichs sind Vertragsinhalte, die Gerichte häufig nicht durchgehen lassen. Die Begründung leuchtet ein: Zu viele Lebensumstände können sich vom Moment des Ehevertrags bis zur Scheidung geändert haben.

Was kann ich für meine Kinder tun?

Kinder sind oft die Leidtragenden einer Scheidung. Um ihre Ansprüche zu verstehen, lohnt der Gang zu einem so genannten Mediator, einem Vermittler zwischen den Parteien. Er ist unparteiisch und spart Ihnen im Idealfall einen Teil der Prozesskosten.

"Zu oft bleibt nach einer Gerichtsverhandlung bei den Beteiligten das Gefühl zurück, die Gestaltung des künftigen Lebensweges aus den Händen gegeben zu haben und durch die Beschränkung auf Gesetze fremdbestimmt worden zu sein."

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