Brauche ich einen Testamentsvollstrecker?

Jeder hat den Begriff Testamentsvollstrecker schon einmal gehört, aber kaum jemand weiß, was so jemand überhaupt macht. Wer setzt ihn ein, worüber darf er verfügen und was kostet er? Wir erklären es Ihnen.

Wenn Sie ein Testament verfasst haben, haben Sie schon gut vorgesorgt. Doch häufig ist abzusehen, dass es zum Streit unter den Erben kommen wird. Natürlich sollten Sie Ihre Wünsche so deutlich wie möglich formulieren und im Idealfall gerecht verteilen. Doch trotzdem ist es gut zu wissen, dass es jemand gibt, der sich nach dem Tod um die Erfüllung Ihres letzten Willens kümmert, das Vermögen verteilt, Schulden eintreibt, Gegenstände verkauft und die Auflagen überwacht.

Ein Testamentsvollstrecker fungiert dabei als eine Art Treuhänder, der so lange eingesetzt wird, bis alle Punkte des Testaments abgearbeitet sind bzw. das Erbe verteilt ist. Das muss aber nicht die Regel sein. So muss ein Testamentsvollstrecker auch über längere Zeit Auflagen erfüllen, beispielsweise wenn ein Erbe noch minderjährig ist. Ein Vollstrecker kann auch dann sinnvoll eingreifen, wenn nicht klar ist, ob das Erbe zu großen Teilen aus Schulden besteht. Die Erben können dann überlegen, ob sie es ausschlagen wollen oder nicht.

Wer kann Testamentsvollstrecker werden?

Theoretisch können und dürfen Sie jeden zum Testamentsvollstrecker bestimmen. Die Person muss lediglich volljährig sein. Von der Ernennung eines Familienmitglieds ist dennoch abzuraten. Denn die Familie streitet sich bekanntlich gern ums Erbe. Es macht auch nicht unbedingt sein, die eigenen Kinder als Testamentsvollstrecker einzusetzen, macht unter Umständen gleich zwei Fehler. Denn der Vollstrecker könnte zu seinen Gunsten entscheiden oder durch seine bevorzugte Behandlung den Zorn der Geschwister auf sich ziehen.

Am besten benennen sie eine Person, die weder erbt noch sonst irgendwie im Testament bedacht ist. Das kann ein Freund sein, aber auch Anwälte oder Wirtschaftsprüfer eignen sich aufgrund ihrer beruflichen Erfahrungen. Sie können sogar eine so genannte "juristische Person", also einen Personenvereinigung wie eine Bank oder Sparkasse, zum Testamentsvollstrecker ernennen. Klären Sie Ihr Anliegen mit der betreffenden Person auf jeden Fall schon zu Lebzeiten. Nur so können Sie sicher sein, dass Ihres Vertrauens diesen Posten auch übernimmt. Wenn Sie alles geklärt haben, können Sie die betreffende Person ganz unbürokratisch in Ihrem Testament ernennen. Ein gesonderter Vertrag ist nicht nötig.

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