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31. August 2009, 11:16 Uhr

Darf Online-Journalismus etwas kosten?

Pro & Contra Paid Content

Im Netz gibt's Journalismus für lau. Toll. Allein: Gute Berichte kosten Geld. Sollen Leser deshalb auch im Internet zahlen? Hier streiten Blogger Sascha Lobo und stern.de-Autor Felix Disselhoff.

Qualität bleibt nur erhalten, wenn sie bezahlt wird!

Das Internet ist gut. Das Internet ist schön. Das Internet verbessert die Welt. Wenn man diese drei Axiome verinnerlicht hat, kann man die hier und dort vorhandenen, ungünstigen Begleiterscheinungen analysieren und ihnen gegebenenfalls etwas entgegensetzen.

Im Bereich des demokratierelevanten Text-Journalismus etwa. Zeitungen und Zeitschriften hatten auf dem Weg ins digital vernetzte Zeitalter zwei Startnachteile. Zum einen war das Tageszeitungsgeschäft lange so lukrativ, dass man es sich im Tagesgeschäft zu bequem einrichtete. Zum anderen begriffen nur wenige das Internet.

Nach Ablehnung und Angst herrscht inzwischen Ratlosigkeit. Denn das klassische Geschäftsmodell des bedruckten Papiers - immer noch die finanziell tragende Säule des Journalismus, stirbt - Die Werbeeinnahmen im Netz fallen wesentlich geringer aus und können die journalistischen Apparate bisher kaum refinanzieren.

Es fehlt nur an der Infrastruktur

Die redaktionelle Qualität kann wohl nur bewahrt werden, wenn die Leser für Inhalte bezahlen: Paid Content. Der direkte Verkauf von Inhalten ist allerdings kein Allheilmittel. Für Paid Content fehlt noch die Infrastruktur, sowohl in den Geräten wie auch in den Köpfen. Zudem kann es sich nur um ein ergänzendes Modell handeln - es wird immer auch kostenfreie journalistische Inhalte im Netz geben, geben müssen. Man könnte denken: wer Klingeltöne abonniert, wird für jeden Quatsch Geld ausgeben. Aber dem steht die Gewohnheit im Weg, dass Medien ihre Inhalte gefälligst kostenfrei anzubieten haben. Wie die Verlage den Nutzer überzeugen wollen und ob sie es schaffen, wird den Journalismus der nächsten Jahre maßgeblich beeinflussen: Wird nur für hochspezielle Fach-Inhalte bezahlt? Für Exklusivfotos von Boris Becker? Für Ranglisten und Servicegetöse? Oder auch für kritischen Journalismus? Paid Content könnte eine Chance sein, im Netz zu einer journalistischen Qualität zurückzufinden, die nicht halbautomatisiert mit Agenturmeldungen und Klickstrecken Inhalte simuliert.

Leider hat sich der Konsument bisher selten als strategischer Heilsbringer erwiesen, weil er sich kaum je gesellschaftsverbessernd verhält. Sondern eher so, dass es ihm einen kurzfristigen Nutzen verspricht, im besten Fall aufgeladen mit dem Gefühl der Nachhaltigkeit. Trotzdem soll man die Hoffnung nicht aufgeben. Selbst wenn Paid Content nur in den Unterhaltungs- und Servicetümpeln des Journalismus funktioniert – kann man sicher sein, dass starke verlegerische Persönlichkeiten die Querfinanzierung von echtem Internet-Journalimus vorantreiben. Denn wie früher liest niemand die Theaterkritik im Feuilleton. Aber alle wären total bestürzt, wenn es sie nicht mehr gäbe.

Sascha Lobo, Jahrgang 1975, ist Blogger, Buchautor, Journalist und Werbetexter. Thematisch beschäftigt er sich zumeist mit den Auswirkungen des Internets und neuer Technologien auf gesellschaftliche Entwicklungen. Seit Juli 2009 leiht Lobo sein Gesicht auch der Markenkampagne des Telekommunikationsanbieter Vodafone. Lobo ist auch Mitglied im Online-Beirat der SPD.

 
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