29. Februar 2012, 09:49 Uhr

"Mobbing-Leitfaden" bringt Post in Erklärungsnot

Die Deutsche Post springt mit ihren Briefzustellern alles andere als zimperlich um. Führungskräfte haben eine Art "Mobbing-Leitfaden" entworfen. Dem stern liegt das interne Papier vor.

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Postbote bei der Arbeit: Eine Art "Mobbing-Leitfaden" wirft kein gutes Licht auf die Atmosphäre innerhalb der Deutschen Post©

Führungskräfte der Deutschen Post AG haben eine Art Leitfaden zum Umgang mit Low-Performern entwickelt. Das Papier heißt "Umgang mit auffälligen Kräften in der Ist-Zeit". Es liegt dem stern vor. Als "auffällig" gelten bei der Post offenbar jene Zusteller, die zu langsam arbeiten und zu viele Überstunden anhäufen. Auf Anfrage des stern räumte die Deutsche Post AG die Existenz des Papieres ein, distanzierte sich aber von den Inhalten.

"Die Vorschläge wurden nie umgesetzt", so ein Sprecher der Post. Doch allein die Existenz des Papiers verrät viel über die Mentalität von Post-Managern und über den Leistungsdruck, der im Konzern herrscht.

Massiver Eingriff ins Persönlichkeitsrecht

So teilen die Führungskräfte laut dem Papier ihre langsamen Boten in vier "Typen" ein. Typ eins etwa arbeitet "zuverlässig", aber "extrem langsam"; Typ zwei sei "uneinsichtig" und "beratungsresistent", kurz: "Motzbrüder" mit "negativer Grundeinstellung". Bei Typ drei handle es sich um "Sozialfälle", die für die Briefzustellung "ungeeignet" seien. Typ vier wiederum könne wegen seines "hohen Alters" den Schalter nicht mehr umlegen.

Als "Maßnahme", um die Leistung solcher Mitarbeiter zu steigern, empfehlen die Führungskräfte beispielsweise samstags und montags oder vor Feiertagen nie freizugeben oder Gespräche mit dem Ziel zu führen, Überstunden verfallen zu lassen.

Christiane Brors, Professorin für Arbeitsrecht an der Universität Oldenburg, sieht in den Typisierungen, die die Post vornimmt, einen "massiven Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der Arbeitnehmer." Auf Anfrage des stern sagte ein Sprecher der Post: "Besagte Unterlage ist vor längerer Zeit in einer einzelnen Niederlassung entstanden. Der Fall wurde zusammem mit dem Betriebsrat aufgeklärt."

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