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11. Oktober 2009, 12:29 Uhr

Der Krieg der Discounter

Der Preiskampf der Discounter ist knallhart. Was die Verbraucher freut, setzt die Branche unter Druck. Aldi und Co. haben ihre besten Zeiten hinter sich. Von Axel Hildebrand und Sönke Wiese

Zoom
Preiskampf, Discounter-Kampf, Aldi, Lidl, Netto, Edeka, Preisschlacht, Lebensmittelpreise

Wo kauft der Verbraucher ein? Die deutschen Discounter kämpfen um ihre Marktanteile© vario press

Wer in diesen Tagen zum Milchreis in der 500-Gramm-Packung greift, danach eine Scheibe Gouda, 45 prozentiger Fettanteil, isst und die Mahlzeit mit einem Fruchtsahnejoghurt mit Pfirsich-Maracuja-Stückchen abschließt, ernährt sich kalorienreich, aber sparsam. Sehr sparsam sogar.

Denn vergleicht man die aktuellen Preise beim Discounter, mit denen vom Oktober 2008, zeigen sich die enormen Abstürze. Milchreis: Minus 23,7 Prozent. Gouda: Minus 20,1 Prozent. Und der Fruchtjoghurt: Minus 13,8 Prozent.

Egal ob Joghurt, Käse, Fleisch, Pommes oder Reis: Aldi als führender Billiganbieter hat zum zehnten Mal in diesem Jahr bei Lebensmitteln den Rotstift angesetzt. 30 Artikel sind in dieser Woche auf einen Schlag billiger geworden. Wie üblich, zogen die Konkurrenten umgehend nach. Netto verbilligte 30 Artikel, Penny reduzierte bei über 50 Artikeln die Preise. Auch Lidl reagierte.

Erbitterter Discounter-Kampf

Der Preiskampf wirft ein Schlaglicht auf einen erbitterten Kampf zwischen den Discountern. Wie selten zuvor wird der Markt durcheinander gewürfelt. Es geht um die Frage, wo der Deutsche mit seinem Einkaufszettel hingeht - und Aldi kämpft in diesem Spiel über den Preis.

Es ist immer wieder das gleiche Spiel, bei dem meistens der Marktführer den Takt vorgibt. "Aldi will sich stets als Preisführer positionieren. Aber weil alle anderen mitziehen, führt diese Preispolitik nicht zu den gewünschten Erfolgen", sagt Marco Atzberger vom Kölner EHI-Institut, das den Einzelhandel erforscht. Und so versucht Aldi weiterhin, die Schmerzgrenze der Konkurrenten zu erreichen.

Denn der erfolgsverwöhnte Branchenprimus steht unter Druck. Jahrzehntelang waren die Albrecht-Brüder die unbestrittenen Discounterkönige Deutschlands. Doch dann kam erst der Aufstieg Lidls, und nun etabliert sich ein weiterer starker Konkurrent. Netto ist mit der Übernahme von Plus Ende vergangenen Jahres zur Spitze aufgeschlossen, hat sogar mehr Filialen als Lidl. "Aus dem Zweikampf zwischen Aldi und Lidl ist ein Dreikampf geworden", sagt Atzberger.

Aldi ist unter Druck

Und die Geschäfte laufen derzeit besonders für Aldi schlecht: Im ersten Halbjahr 2009 brachen die Umsätze laut Gesellschaft für Konsumforschung um 4,1 Prozent ein, bei Lidl nur um 0,7 Prozent. Der Konkurrent sei eindeutig in der stärkeren Position, meint Einzelhandelsexperte Atzberger.

Ein weiteres Problem zeichnet sich für Aldi ab: Das Segment der Billiganbieter scheint vorerst gesättigt. "In der Krise konnten die Discounter in Deutschland nicht so stark Marktanteile hinzugewinnen, wie man erwartet hatte", sagt Atzberger. Insgesamt nur noch minimales Wachstum registriert die Branche.

Wachstum heißt Verdrängung

Der Grund: Supermärkte wie Rewe oder Edeka haben eine erfolgreiche Strategie gegen die Discounter gefunden. Zum einen bieten sie immer mehr Eigenmarken an, die genauso günstig sind wie die Produkte bei Aldi, Lidl & Co. Zum anderen fahren sie große Werbekampagnen, in denen sie ihr großes Sortiment zum Beispiel mit einem umfangreichen Obst- und Gemüseangebot in Szene setzen. Eine klare Positionierung gegen die Billig-Anbieter.

Während die großen Einzelhandelskonzerne dem rasanten Aufstieg der Discounter lange Zeit nichts entgegenzusetzen hatten, habe diese Doppel-Strategie zunehmenden Erfolg, sagt Einzelhandelsexperte Atzberger.

Das bedeutet: In dem Discountersegment ist Wachstum nur noch über Verdrängungswettbewerb zu erreichen. Und solange Aldi auf keine andere Strategie als den Preiskrieg kommt, dürfen sich die Verbraucher freuen.

Von Axel Hildebrand und Sönke Wiese
KOMMENTARE (10 von 12)
 
tolate (12.10.2009, 09:39 Uhr)
@laui
sehe ich genauso. Meiner Meinung nach entwickeln sich die Preise langsam eher in Richtung Normal Maß. Was ist denn bitte schön an Kaffee für 2.99 Euro billig. das waren mal 5.98 DM. Zu dem Preis gab es Kaffee vor 8 Jahren auch schon. Und da in vielen Fällen der Lohn seither auch nicht gestiegen ist kannman durchaus DM Preis von 2001 als Verlgleich heranziehen. Hinzu kommt der Kaufkraftverlust durch den Euro. Trotzdem ist selbst Aldi & Co. für vile H4 Famillien immer noch zu teuer - man sieht es an den überfüllten Tafeln - schönes neues Deutschland - weiter so.
allesklar (12.10.2009, 06:02 Uhr)
Ich stelle
meinen Porsche auf der Seitenstrasse ab wenn ich bei Aldi einkaufen gehe. Ich erkenne das wie in den USA den 99c laeden auch hier leberwurst sehr billig angeboten wird. Ein Lebensmittel - Ingenieur hat mir erklaert das Leberwurst mit etlichen zutaten gemischt wird. Machmal jedoch geraet der Prozess aus den fugen - und zuviel salz - potassium oder anderes geraet in die charge - und diese wird nun ( nein nicht weggeworfen ) an Albi oder sogar nach Uebersee verkauft. Klaro??
joergely (11.10.2009, 21:17 Uhr)
echte Konkurenz
wirkt eben doch!! Lasst uns bei Gas, Strom, Benzin etc. konsequent den billigsten Anbieter wählen. Dann haben wir auch faire Preise und werden nicht mehr so abgezockt!
laui (11.10.2009, 20:50 Uhr)
Wo sind die gesunkenen Preise?
Ja, stimmt! Die Preise gehen wieder runter. Aber gleichzeitig die Packungsgrössen und Inhaltsmengen auch. Früher 500gr, heute 450gr. Früher 250gr, heute 200gr, Früher 225gr heute 200gr. Selbstredend, dass die Packungen, Becher, Tetrapacks geleich aussehen. Klar, als vor einigen Monaten die neuen kleineren Packungen eingeführt wurden, blieben die Preise stabil (verdeckte Preiserhöhung). Und jetzt werden die Preise (in einem angeblich ruinösen Preiskampf) angepasst.
Dazu sollte man bemerken, dass die Gehälter seit vor der Euroumstellung nicht gestiegen, in vielen Fällen sogar gesunken sind.
Man sollte wirklich mal weiter als nur bis Gestern über den Tellerrand blicken, bevor man solche beeinflussenden Artikel schreibt.
DasBertl (11.10.2009, 17:11 Uhr)
@iosono
tja, da müsste man verbieten, ab einer gewissen lohngrenze da einkaufen zu gehen. Aber inzwischen lässt gar ein Herr Ackermann beim Discounter kaufen. Selbst wenns dann doch öfter der "Käfer Outletstore" ist...
AttaTroll (11.10.2009, 16:57 Uhr)
Gammelware
Vorgestern war ich bei Aldi, wollte u.a. Orangen kaufen. Sämtliche (!!!) Netze, die im Regal lagen enthielten verschimmelte Früchte. Auf meine Rückfrage säuselte die Dame an der Kasse 'das kann gar nicht sein, heute früh waren die noch in Ordnung' und der Filialleiter - nachdem er sich überzeugt hatte - meinte achselzuckend "na und, andere haben wir nun mal nicht". Das gleiche Bild beim Gemüse: Welk, gammelig, angefault. Bei Netto ist das Bild ähnlich, beim hiesigen Lidl-Markt etwas besser, aber längst nicht optimal. Wer wenig Geld hat und sich gesund ernähren möchte hat einfach ein Problem, denn was es sonst noch so beim Discounter gibt: Wurst, Leberkäse, abgepackte Frikadellen und gebratene Schnitzel ist ungesunder Junk, und dem Fleisch darf man auch mißtrauen: 500 Gramm Hähnchenbrustfilets für 1,99 KANN keine gesunde Ernährung sein, ebenso wenig wie die eingelegten, grünlich schimmernden Schweinerückensteaks...
huddelduddel (11.10.2009, 16:21 Uhr)
Die Gewinner werden die Dummen sein!
Am Ende werden die Verbraucher von den übrig gebliebenen Billigheimern ausgenommen werden auf Teufel komm raus. 100pro!
iosono (11.10.2009, 16:07 Uhr)
@DasBertl
von Menschen mit Mindestlöhnen erwartet doch keiner hochwertige Produkte zum wohle der Nation zu konsumieren.
Sie konsumieren ja sowieso kaum-von was denn?
Ich meine damit die Schnäppchenmentalität unserer ''Normalverdiener'' die den Preiskampf noch mehr anheizen und unbemerkt sich Ihr eigenes ''Lohngefügegrab'' schauffeln.
DasBertl (11.10.2009, 15:36 Uhr)
verdammt...
wann lernt das Forum eigentlich endlich mal das EURO-Symbol? Schließlich gebrauchen wir es seit bald 8 Jahren täglich!
DasBertl (11.10.2009, 15:34 Uhr)
@iosono
dabei vergessen sie allerdings, dass diejenigen, die Löhne von 1,50?-3,20?/h ebenso einkaufen müssen wie die mit 20?/h und die können es sich eben nicht leisten, bei dem einzukaufen, der seine MItarbeiter am anständigsten zahlt (zudem Aldi vor allem im Vergleich zur Konkurrenz ja fast fürstlich entlohnt), sonder eben nur bei dem, der am billigsten ist. Für viele bleibt nicht einmal mehr der Gang zum Discounter, da reicht es grade noch zum Gang zur Tafel...
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