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Debatte um Sonntagskrimi Das sagt der MDR zum "Tatort"-Debakel

Die "Tatort"-Folge "Blutschuld" mit Simone Thomalla und Martin Wuttke sorgte für Kritik
Die "Tatort"-Folge "Blutschuld" mit Simone Thomalla und Martin Wuttke sorgte für Kritik
© DPA
Wer trägt Schuld für den schwachen Leipzig-"Tatort"? Til Schweiger und Simone Thomalla schieben dem MDR die Verantwortung zu. Auf Anfrage des stern nimmt der Sender nun dazu Stellung.
Von Carsten Heidböhmer

Der aktuelle Leipziger "Tatort" sorgt noch immer für Diskussionen. Denn trotz sehr guter Werte von 9,40 Millionen Zuschauern rief die Folge "Blutschuld" viel Kritik für die unausgegorene Geschichte hervor. Nachdem sich in den sozialen Netzwerken die Kritik an Darstellerin Simone Thomalla entzündet hatte, sprang ihr Til Schweiger auf Facebook zur Seite: Die Verantwortung für eine schlechten "Tatort" trage nicht der Schauspieler, "das ist wenn schon die Schuld des Autoren, oder vielmehr des Senders, der sagt, das wird jetzt so verfilmt, anstatt dem Autoren zu helfen einen tollen Film zu schreiben", so Schweiger, der noch einen weiteren Seitenhieb in Richtung des Senders austeilte: "Redakteure lieben es zu kritisieren, aber sind seltenst in der Lage zu helfen."

Dem schloss sich Simone Thomalla am Mittwoch an: "Ich bin nicht der Leipziger 'Tatort'. Ich bin weder der kreative Kopf, noch stehe ich allein vor der Kamera", sagte sie der "Bild"-Zeitung. Im Fernsehen sei "die Redaktion der kreative Kopf und die letzte Instanz für die Abnahme eines Drehbuchs und des fertigen Films."

Beide spielen damit die Verantwortung dem MDR zu. Doch wie steht der Sender dazu?

"MDR-Krimis neu aufstellen"

Auf Anfrage des stern nahm MDR-Fernsehdirektor Wolf-Dieter Jacobi Stellung: "Der zuständige Redakteur vertritt den Sender beim Entwicklungs- und Entstehungsprozess des Films. Wir stehen hinter dem Film. Dabei gehört Programmkritik zum Geschäft, das muss man aushalten - Verunglimpfungen oder persönliche Beleidigungen der Menschen vor und hinter der Kamera lehnen wir ab."

Jacobi verweist in diesem Zusammenhang auf die hervorragenden Zuschauerzahlen, die der Film erzielt hat, und betont die Erfolgsgeschichte des MDR-Krimis: "Der langjährige Erfolg unserer 20 Leipzig-'Tatorte' seit 2008 insgesamt ist ein Verdienst der beiden Hauptdarsteller Simone Thomalla und Martin Wuttke sowie des Produktionsteams. Denn an einem Tatort sind von der Idee und der Stoffentwicklung bis zum fertigen Film viele Menschen beteiligt. Dass sich Diskussionen wie diese am 'Tatort' entfachen, bestätigt letztlich die große, auch emotionale Bedeutung, die dieses Format für Millionen von Menschen hat."

Mit dem Leipziger und dem Erfurter "Tatort" stehen gleich zwei vom MDR betreute Teams vor dem Aus. Für Simone Thomalla ein Hinweis, dass die Probleme hausgemacht sind: "Zufall? Wer's glaubt...", sagte sie der "Bild"-Zeitung.

Erfolgreicher Weimar-"Tatort"

MDR-Fernsehdirektor Jacobi hat eine andere Erklärung: "Die älteste und erfolgreichste Krimi-Reihe im deutschen Fernsehen lebt einerseits von der Konstanz und andererseits von der Originalität, sich immer wieder neu zu definieren. Wir haben uns entschieden, die MDR-Krimis für Das Erste neu aufzustellen. Dazu gehört auch, dass wir ab diesem Jahr mit dem 'Tatort' aus Dresden neue Wege gehen. (...) Beim 'Tatort' Erfurt war das junge Ermittlertrio eine wesentliche Komponente, so dass wir uns mit dem Ausstieg von Friedrich Mücke und Alina Levshin gegen eine Fortsetzung entschieden haben."

Mit dem Weimar-"Tatort" verantwortet der MDR immerhin einen Krimi, mit dem alle zufrieden sind - Zuschauer wie Kritiker. Mit den beiden neu auszurichtenden Krimis wird der Sender nun unter Beweis stellen müssen, ob das aktuelle Scheitern zweier Teams nur Zufall ist - oder das Problem im Sender zu suchen ist.


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