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Auftritt der Rolling Stones: Jagger rockt, scherzt und orakelt

Die Waldbühne steht zwar noch, doch auf der Bühne rockte Mick Jagger wie vor 49 Jahren: Die Rolling Stones begeistern in Berlin ihr treues Publikum.

Von Sarah Stendel

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Energetisch tänzelnd wie eh und je betritt Mick Jagger zu den ersten Takten von "Start me Up" die Berliner Waldbühne: Die Rolling Stones sind zurück in Deutschland und das Publikum ist begeistert. Beim ersten Deutschland-Auftritt der Alt-Rocker seit sieben Jahren bewies Mick Jagger wieder einmal seine Entertainer-Qualitäten. Der 70-Jährige ist zwar mittlerweile Uropa, schafft es aber immer noch, die Massen in kürzester Zeit für sich einzunehmen.

Wild tanzend wirbelt er über die Bühne und plaudert zwischendurch charmant mit dem Publikum. "England gegen Deutschland im Finale! Und wer gewinnt? Jaja, Elfmeterschießen!", gibt er in einwandfreiem Deutsch seine Prognose für die WM ab. Später stichelt er gegen die deutsche Band Scorpions: "Wir haben eigentlich für heute 'Wind of Change' geprobt...". Buhrufe von den Zuschauern - dabei saß "Scorpions"-Sänger Klaus Meine im Publikum. Genau wie Thomas Gottschalk, "Aerosmith"-Sänger Steven Tyler, Campino oder Marius Müller Westernhagen. Die Stones ziehen eben immer.

Als die Band im September 1965 auf der Berliner Waldbühne stand, verwüsteten die Fans die Konzertarena so sehr, dass sie sieben Jahre lang nicht mehr benutzt wurde. Damals waren "tausende von jugendlichen Beatfans der Massenpsychose verfallen" und "wussten aufgepeitscht durch die hämmernden Rythmen nicht mehr was sie taten" - so hieß es damals in einem Bericht der "Berliner Abendschau".

Das Publikum klatscht artig mit

Doch auch Rock-Fans werden älter: Am Dienstag klatscht das meist schon ergraute Publikum in der Waldbühne genauso artig mit, wie man es sonst von Helene-Fischer-Abenden kennt. Dafür sorgen die Stones auf der Bühne für ein bisschen Anarchie, allen voran Lead-Gitarrist Keith Richards. "Schön wieder hier zu sein. Schön, überhaupt noch irgendwo zu sein", lallt er vor seinem Solo ins Mikrofon und lacht gemeinsam mit dem Publikum. Dann stimmt er mit Zigarette in der Hand - "anyway, on with the show" - "You Got The Silver" an. Dass er einige Gitarrenriffs verhaut, stört wahrscheinlich keinen der 22.000 Zuschauer, die mindestens 160 Euro pro Ticket hingeblättert haben. Das ist eben Rock 'n' Roll und den lieben sie.

Dazwischen gibt es großartige Momente, die dafür sorgen, dass ein Stones-Konzert immer noch ein unvergessliches Musik-Erlebnis ist. "Gimme Shelter" mit der wunderbaren Backgroundsängerin Lisa Fischer zum Beispiel oder das Blues-Stück "Midnight Rambler", für welches der ehemalige Stones-Gitarrist Mick Taylor auf die Bühne kommt. Und dann ist da eben das Charisma von Mick Jagger. "Das nächste Lied ist dem neuen Berliner Flughafen gewidmet", scherzt er, bevor er mit Akustikgitarre in der Hand den Song "Waiting on a Friend" anstimmt. Der eher unbekanntere Song vom 80er-Jahre-Album "Tattoo You" ist die Ausnahme, ansonsten liefern die Stones den Fans ihre Hits. Von "Brown Sugar" über "Jumping Jack Flash" bis hin zur obligatorischen Zugabe "You Can't Always Get What You Want" und "Satisfaction" ist alles dabei.

Und so ist im Publikum wohl kaum einer, der sich nicht wünscht, dass die Rolling Stones bald wiederkommen - dieses Mal steht die Waldbühne ja noch.

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