Als "Kommissar Rex" vor über drei Jahrzehnten zum ersten Mal über die deutschen Bildschirme schnüffelte, war Helmut Kohl Kanzler, die Fußball-WM wurde ebenfalls in den USA ausgestragen – und Maximilian Brückner war noch nicht volljährig. Nun wird der heute 47-jährige Schauspieler zum neuen Herrchen des felligen Kultermittlers: Nach mehr als 20 Jahren kehrt Rex nach Wien zurück, um mit seinem menschlichen Kompagnon heikle Fälle zu lösen. Das Comeback bei SAT.1 bringt sechs neue Folgen, und gleich eine besonders aufregende zur Premiere: In "Wien sehen und sterben" bekommt es das Duo mit einer tickenden Bombe zu tun – wobei sich Titel und Handlung auf die allererste Episode "Endstation Wien" von 1994 beziehen.
Ebenso wie im damaligen Pilotfilm mit Tobias Moretti steht auch der neue Rex vor einem brisanten Sprengstoff- und Spionage-Fall: Am Wiener Stephansdom sitzt ein nervöser Mann in einer Bar, unter ihm ein Sprengsatz, in seinen Händen ein beschriebenes Papier: "Wenn du aufstehst, bist du tot". Dass die Bombe echt ist, findet Rex mit einem kurzen Schnüffeln seiner hochempfindlichen Hundenase heraus. Für ihn und sein Herrchen, Kommissar Max Steiner (Maximilian Brückner), beginnt erst ein Wettlauf gegen die Zeit – und dann die Suche nach den Drahtziehern. Zur Seite stehen in der Wiener Mordkommission Inspektor Felix Burger (Ferdinand Seebacher) und Chefin Major Evelyn Leitner (Doris Golpashin) sowie Pathologe Dr. Tom Wippler (Alfred Dorfer).
"Ich hab Wien vermisst, und dich auch"
Tief gestapelt wird im Premierenfilm unter Regie von Andreas Kopriva nicht; bald führen die Ermittlungen in Politthriller-Gefilde: "Gift, Bombe, falscher UNO-Ausweis – das ist alles wie im schlechten Agentenfilm", stellt die Chefin fest, und auch der etwas schwerfällige Felix weiß: "Wien ist die Hauptstadt der Spionage" – wieder anspielend auf den ersten Rex-Film, der von einem in die Luft gejagten KGB-Offizier handelte. Zum Glück kommt bei aller Härte auch die Neuauflage mit viel bissigem Humor und Schmäh daher: "Ich steck dich ins Tierheim", warnt Steiner Rex, als der ihn in einer gefährlichen Situation nicht allein lassen will.
Auch der neuen von ORF und SAT.1 koproduzierten Reihe gelingt der Spagat zwischen Fall und Privatem: Steiner lebt gemeinsam mit Rex hübsch in den Weinbergen, und bald zieht auch seine erwachsene Tochter Anna (Sophie Borchhardt) wieder mit ein, vorzeitig zurückgekehrt aus Südamerika. Stellvertretend für die Fans seufzt sie Rex an: "Ich hab Wien vermisst, und dich auch". Von ihrer Mutter ist der Herr Ermittler getrennt, was ihm noch immer zusetzt, das Patchwork-Geflecht mit Ex Sarah (Marie Burchard) aber umso unterhaltsamer macht. Denn eines steht fest: Die engste Beziehung hat ein Kommissar nur mit seinem Hund. Maximilian Brückner erweist sich dabei als fantastische Besetzung – als eigenbrötlerischer Single, sorgender Vater und Hundepapa, aber auch als ironischer Ermittler, der bisweilen lieber auf eigene Faust handelt.
Große Fußstapfen
Dass das funktioniert, ist nicht selbstverständlich, schließlich tritt das neue "Kommissar Rex"-Ensemble in große tierische wie schauspielerische Fußstapfen: Der Vergleich mit Tobias Moretti und dessen Nachfolger Gedeon Burkhard scheint unvermeidlich, und auch legendäre Figuren wie Stockinger (Karl Markovics) setzen die Latte hoch. Weniger bekannt dürfte indes die in Rom spielende italienische Rex-Serie (2007 bis 2014) sein, die auch im ZDF lief.
Nicht zu vergessen der eigentliche Hauptdarsteller: Der neue "Kommissar Rex" heißt im Film abermals voll "Reginald von Ravenhorst" (der 8.) – aber "Rex passt schon, nicht dass ihm der Titel zu Kopf steigt". War das Erschnüffeln von Wurstsemmeln allen hündischen Darstellern gemein, kommt der tierische Fokus diesmal modern daher: Eine stilisierte Kamera zeigt, wie Rex die Welt wahrnimmt, riecht und hört – Kippen, Hunde, Leckereien oder Verdächtiges.
In Gegenwart übersetzte Nostalgie
Sympathische Figuren, kurzweilige Dialoge, viel Augenzwinkern, passable Spannung und bester Wiener Lokalkolorit ("Wir ham a Leich. In einem Fiaker"): Die Neuauflage macht vieles richtig. Wie schon in der alten Serie menschelt respektive hundelt es wieder ungemein: Rex bellt und knurrt vielsagend Verdächtige und Zeugen an, winselt empathisch oder legt mitfühlend die kalte Schnauze auf den Arm. Sein Herrchen nutzt Rex derweil als talentierten Ermittler, aber auch mal anders: "Mein Hund mag Sie", flirtet er die Rettungssanitäterin an, die ebenso hin und weg ist wie das geneigte Publikum.
Natürlich besagt die alte Weisheit, dass Tiere und insbesondere Hunde im TV immer funktionieren. Zugleich gehen mit dem Kult-Label "Kommissar Rex" hohe Erwartungen einher. Um es kurz zu machen: Die Neuauflage bedient die schöne Fernsehnostalgie von einst ohne übertriebenen Fan-Service, schafft es aber zugleich, das Format in die Gegenwart zu übersetzen.
Sechs neue Episoden in Spielfilmlänge werden jeweils montags, ab 20.15 Uhr, bei SAT.1 gezeigt. Direkt im Anschluss an die Premierenfolge läuft die erste "Kommissar Rex"-Folge "Endstation Wien" von 1994 (22.15 Uhr).
Kommissar Rex – Mo. 13.04. – SAT.1: 20.15 Uhr